Kautschuk und Teppiche 30.05.2014, 06:55 Uhr

Schweizer Firma nutzt ungewöhnliches Material für Gebäudefassaden

Ein Haus, das aussieht wie ein weiches Kissen, Kunstrasen statt Putz an der Wand – eine Schweizer Firma nutzt die Wetter- und Lichtbeständigkeit von bekanntem Material und macht aus Kautschuk und Teppichen Verkleidungen für Fassaden.

Wandteppiche der besonderen Art stellt das Schweizer Unternehmen Gasser Fassadentechnik her. Sie verkleiden ganze Häuser damit. 

Wandteppiche der besonderen Art stellt das Schweizer Unternehmen Gasser Fassadentechnik her. Sie verkleiden ganze Häuser damit. 

Foto: Gasser Fassadentechik

Bekannt ist das Material von Sportplätzen, als Handtasche, Lkw-Plane oder Bodenbelag in Innenräumen. Das Unternehmen Gasser Fassadentechnik aus St. Gallen entwickelte aus Teppich, Kunstrasen und Kautschuk jetzt ein neues Material für Gebäudehüllen. Dabei nutzte es beispielsweise die Eigenschaften von Kautschuk: EPDM-Kautschuk (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer-Kautschuk) ist ein vielseitiges und flexibles Material. Es eignet sich zur Abdichtung, ist wetterresistent und bleibt über Jahrzehnte stabil. Der Kautschuk  hat einen dauerhaften UV-Schutz und ist schwer brennbar. Als Naturmaterial ist er außerdem umweltverträglich und kann problemlos recycelt werden. Nach der Nutzung kann Kautschuk zu Gummigranulat geschreddert und anschließend zu neuen Produkten weiterverarbeitet werden.

Fugenlose und homogene Oberflächen

Für die Fassadenverkleidungen wird der EPDM-Kautschuk in einer Stärke von 1,3 Millimetern als Rollenware produziert. Es lassen sich Planen mit einer Länge bis zu 2000 Metern herzustellen – das ermöglicht fugenlose und homogene Oberflächen. Die Bahnen werden in der Werkhalle vorkonfektioniert und dann vor Ort montiert.

Neue Optik für Gebäude-Fassaden: Eine Schweizer Firma nutzt Kautschuk und Teppiche als Verkleidung für Häuserwände.

Neue Optik für Gebäude-Fassaden: Eine Schweizer Firma nutzt Kautschuk und Teppiche als Verkleidung für Häuserwände.

Foto: Gasser Fassadentechnik

Die Schweizer Anbieter nahmen aber nicht nur das Material, sie spielten auch mit der Optik. So entstanden Fassaden im Lastwagenplanen-Design und schwarze Gummiplanen-Wände mit sichtbaren Befestigungselementen. Um den Oberflächen beispielsweise einen Polstereffekt zu geben, werden die verschweißten Kautschuk-Bahnen mit Klemmhaltern direkt am Baukörper oder der Unterkonstruktion fixiert.

Architekturteppich in neuen Farben

Auch klassische Teppiche werden in St. Gallen zweckentfremdet und statt auf Fußböden im Inneren außen an die Hauswand gebracht. Der neue Architekturteppich von Tisca Tiara ist der erste Kunstteppich, der in neuen Farbgebungen erweiterte Möglichkeiten für die Fassadengestaltung bietet. Der „Wandteppich“ ist 32 Millimeter dick und wie Kautschuk  wetterbeständig, widerstandsfähig und UV-resistent. Auch der klassische grüne Kunstrasen auf Sport- oder Indoor-Plätzen eignen sich für Gebäude-Fassaden. Als Oberflächenbelag lässt sich dieser strapazierfähige Teppich für die Gestaltung von Innen- und Außenräumen horizontal oder vertikal anwenden. Zwar wurden auch früher schon textile Materialien für Fassaden verwendet, durch das Spiel mit der Herkunft entsteht nun aber eine ganz neue ungewöhnliche Optik für Häuserwände.

Von Andrea Ziech

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