Wachstumsmärkte 24.06.2011, 12:10 Uhr

Indische Stahlindustrie legt mächtig zu

Wachstumsmärkte für Stahlwerktechnologie sind inzwischen vor allem Länder wie Indien und China. Auch dort sind die Anforderungen hinsichtlich Ressourceneffizienz inzwischen hoch, wie der Blick nach Südindien zeigt.

Autofertigung in Indien: Starke Zuwachsraten in der indischen Stahlindustrie.

Autofertigung in Indien: Starke Zuwachsraten in der indischen Stahlindustrie.

Foto: Deutsche Messe AG

Mehr als fünf Autostunden sind es von Bangalore bis nach Toranagallu, einer Stadt im südindischen Bundesstaat Karnataka. Dort betreibt Jindal South West Steel (JSW) seine Vijanyanagar-Produktionsanlage, ein integriertes Hüttenwerk zur Herstellung von beschichteten und unbeschichteten legierten Stählen. Auf dem Weg dorthin gibt es nur vereinzelte Siedlungen, deren Straßen oft von Müll gesäumt sind. Da liegt die Vermutung nah, dass auch die Stahlindustrie sich hier kaum um Umweltauflagen schert. Doch der Schein trügt in diesem Fall.

Als Teil der Jindal Group gehört JSW Steel zu den Profiteuren des indischen Wirtschaftswachstums, das dem Land innerhalb der vergangenen acht Jahre eine Verdoppelung der Stahlproduktion bescherte. „Aktuell hat die indische Stahlindustrie ein Produktionsvolumen von 66,8 Mio. t pro Jahr“, erklärte Nirmalya Mukherjee, Chefredakteur des indischen Branchenmagazins Steel&Matallurgy, gegenüber den VDI nachrichten. Er stellte jedoch fest, dass inzwischen weitere Produktionsanlagen bestellt seien oder sich bereits in Bau befänden, die bis 2014/2015 in Betrieb gehen. Dann würden jährlich bis zu 85 Mio. t Stahl in Indien produziert.

Indiens Stahlindustrie: Jährliche Stahlproduktion bis 2020 auf 200 Mio. t erhöhen

Laut Mukherjee sei es das Ziel der indischen Regierung, die Stahlproduktion bis zum Jahr 2020 sogar auf 200 Mio. t zu erhöhen. Das jährliche Wachstum betrage aktuell etwa 9 %.

Für Hersteller wie JSW Steel sind das glänzende Perspektiven. Pochappan Sasindran, Geschäftsführer der Vijayanagar-Anlage verdeutlichte: „Wir sind die am schnellsten wachsende integrierte Stahlherstellung Indiens.“ Für das Unternehmen ist dabei Ressourceneffizienz ein wichtiges Thema, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn wie in Toranagullu entstehen die Werke meist in Gebieten, in denen es bis dahin keine Energieversorgung und Infrastruktur gab. „Das sind typische Herausforderungen für die indische Stahlindustrie“, erklärte Sasindran dazu.

Gleichzeitig sind zu ihrem Betrieb zahlreiche Mitarbeiter notwendig, die in der Region angesiedelt werden. So sind auch in der Umgebung von Toranagullu inzwischen ansehnliche Steinbauten entstanden und auch eine große Schule gibt es.

Technisch wird das Werk seit Jahren kontinuierlich ausgebaut und modernisiert. Produkte dafür kommen auch aus Europa von Lieferanten wie ABB, SMS Siemag und Siemens. Bereits 1999 und 2001 hat JSW zusammen mit Voest-Alpine Industrieanlagenbau (der heutigen Siemens VAI) z.B. zwei Corex-Anlagen mit einer Nennleistung von je 2400 t Roheisen pro Tag installiert. Durch dieses Verfahren kann das Unternehmen auf aufwendig erzeugten Koks verzichten und die billigere Kohle als Energiequelle und für die Reduktion des Eisens verwenden. Gegenüber Verfahren mit Kokerei, Sinteranlage und Hochofen werden damit niedrigere spezifische Emissionswerte erreicht und die Produktionskosten gesenkt. Darüber hinaus entstehen als Nebenprodukt Gase.

Die Exportgase werden zur Stromerzeugung und Beheizung des Werkes verwendet. Wegen der steigenden Stahlnachfrage in Indien will JSW Steel sie künftig direkt für die Roheisenproduktion nutzen. Dafür will der Stahlproduzent 2013 eine Direktreduktionsanlage errichten, in der das Corex-Gas als Reduktionsgas eingesetzt werden kann. Dies soll Siemens VAI in einer Kooperation mit Midrex und Linde AG übernehmen.

Für die kontinuierlich Modernisierung hat JSW schon länger unter anderem Siemens VAI mit umfassenden Service- und Modernisierungsaufträgen beauftragt. So wurde in Toranagullu bereits 2004 der größte Hochofen Indiens in Betrieb genommen. Das innere Volumen des neuen Hochofens Nr. 3 wurde dazu auf über 4000 m³ ausgelegt mit einer Nennkapazität von 2,8 Mio. t Eisen pro Jahr.

Auch Indiens Stahlindustrie setzt zunehmend energieeffiziente und moderne Technik ein

Die runderneuerte Anlage in Toranagallu entspricht seitdem den Zielen der Jindal-Gruppe, energieeffiziente und modernste Technik einzusetzen. Komponenten wie Winderhitzer, Gieß- und Lagerhallenentstaubung sowie Schlackengranulierung, Ofenkühlung und die Kohlenstaubeinblasung machen den Hochofen zum modernsten seiner Art und erfüllen Sasindran mit Stolz.

Der Ausbau der Stahlproduktion in Indien ist auch für die Zulieferer ein Signal, sich verstärkt lokal zu positionieren. Deutlich wird dies am Beispiel von VAI, die 1995 mit zehn Mitarbeitern in Indien startete. 2002 hatte VIA India bereits 75 Mitarbeiter. Nach der zwischenzeitlichen Übernahme durch Siemens verzeichnete das Metallgeschäft der Siemens VAI MT Indien 2008 bereits 300 Mitarbeiter. Inzwischen sind es 800.

Geoffrey Wingrove, Leiter der Metalltechnologie von Siemens Indien in Kolkata, stellte dazu fest: „Früher haben wir Teile und Wissen importiert, jetzt machen wir immer mehr in Indien.“ Das bestätigte auch Ashoke Pan, Geschäftsführer von Siemens VAI in Kolkata. „Wir haben 2010/2011 insgesamt etwa 40 Mio. € investiert, um Kompetenz und Fertigungskapazität in Indien aufzubauen.“ Dazu gehörten Konzeption, Engineering und Entwicklung lokaler Produkte und Lösungen ebenso wie die Produktion vor Ort sowie der weltweite Vertrieb. Zu den Produkten gehören unter anderem Knüppelstranggießanlagen, Hochöfen, Sinteranlagen, Konverter, Lichtbogenöfen und Anlagen zur Nassentstaubung.

Stahlindustrie in Indien sucht ebenfalls nach Fachkräften

Eines haben die Stahlhersteller in Indien sowie ihre lokalen Anlagenlieferanten dabei mit den Hightechanbietern in Europa gemeinsam: „Qualifizierte Leute werden immer gesucht“, brachte es Pan auf den Punkt. Derzeit arbeiteten etwa 200 Maschinenbauingenieure für Siemens VAI sowie weitere Elektroingenieure. Auch hier hofft er auf den lokalen Markt, der jährlich etwa 300 000 Ingenieure hervorbringt. „Ingenieure haben in Indien ein hohes Ansehen“, verdeutlichte Pan. Von dem Fokus auf IT gebe es nun auch eine Verschiebung hin zum Maschinen- und Anlagenbau.

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