Ausstellung 01.07.2011, 12:09 Uhr

Eine Hommage an die Kunststoffe

Ohne sie wäre unser Alltag nicht machbar, doch (museale) Beachtung finden sie eher nicht. Eine Ausstellung in Bremen setzt den Kunststoffen nun ein Denkmal.

„Das ist doch Plastik.“ Damit meinen wir Billiges, jedenfalls wenig Wertvolles. Und obwohl wir jeden Tag, ob im Beruf, beim Sport, beim Reisen, beim Kochen und (fast) allen anderen Tätigkeiten mit Kunststoff in Berührung kommen, schätzen wir den Stoff nicht. Es gibt für so ziemlich alles Museen, für Kunststoffe nicht. Die Ausstellung „Ein Stoff für alle Fälle – Kunststoffdesign im 20. Jahrhundert“ im Wilhelm-Wagenfeld Haus in Bremen setzt nun mit einer gelungenen Ausstellung einen Akzent für eine neue Rezeption.

Kunststoff-Ausstellung zeigt Werke aus der Designgeschichte

Mit maßgeblicher Unterstützung, vor allem privater Sammler, ist es gelungen, auch seltene und kostbare Beispiele aus der Geschichte des Kunststoffdesigns zu präsentieren. Zu den Highlights zählt die „Radio Nurse“ (1937), ein Kurzwellengerät von Isamu Noguchi. Zu sehen sind auch die berühmten Kunststoffschalenstühle von Charles und Ray Eames. Die Namensliste der Gestalter liest sich wie ein Who“s who der Designgeschichte, sie reicht von Friedrich Adler bis zu Wilhelm Wagenfeld, dessen Leistungen auf dem Gebiet der Kunststoffgestaltung erstmals umfassend gezeigt werden.

Kunststoffe sind Riesenmoleküle, sogenannte Polymere. In der Natur vorkommende Polymere (Biopolymere) wurden schon sehr früh zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet, z. B. Schellack, oder Bois Durci, Blutmehl mit Füllstoffen, das unter Hitze und Druck ab 1862 häufig zu dekorativen Gegenständen verpresst wurde. Biopolymere, die chemisch verändert werden, nennt man halbsynthetische Kunststoffe, z.B. Celluloid, das seit 1870 der bekannteste und am meisten verbreitete Massenkunststoff war. Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise, die bei den Vorläufern der modernen Kunststoffe im 19. Jahrhundert beginnt. Der früheste Einsatz professioneller Gestalter für die Industrie ist seit Ende der 1920er-Jahre in Deutschland nachweisbar. In einer gesonderten Abteilung sind erstmals in einer öffentlichen Ausstellung Plastikgeschirre aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu sehen, echte Kleinode. Führende deutsche Presswerke waren die ersten, die um 1929/30 Gestalter engagierten. Der Stoff war neu, und sie mussten mit Skepsis rechnen. Deshalb engagierten sie Designer wie Friedrich Adler, Christian Dell und Ludwig König. Von Christian Dell ist unter anderem die „Wunderkanne“ zu sehen, sie ist frühestes Beispiel eines Stapelgeschirrs.

Kunststoffe: Zukunftsperspektiven im Bereich Wohnen

Zur Verfügung gestellt hat einige der Exponate der Ausstellungskurator und Kunststoff-Fachmann Günter Lattermann. Auch die erste Leuchte aus Kunststoff von Christian Dell ist zu sehen. Sie wurde in nur leicht veränderter Form bis in die 1960er-Jahre in der DDR, in der UdSSR sogar bis in die 1980er-Jahre weiterproduziert.

Einen Ausblick auf die Zukunft des Werkstoffes bietet der Bereich Wohnen. Hier ist der „Hemp Chair“ von Werner Aisslinger zu sehen. Er wurde 2011 auf der Mailänder Messe erstmals vorgestellt. Für den Stuhl verwendete Aisslinger einen umweltfreundlichen Verbundwerkstoff, der aus 70 % Pflanzenfasern und einem umweltfreundlichen, formaldehydfreien Acrylharz besteht.

„Die wachsende Nachfrage nach erschwinglichen Serienprodukten aus umweltverträglichen Materialen dürfte in den kommenden Jahren die Entwicklung und Verarbeitung von Biokunststoffen weiter begünstigen“, meint die Geschäftsführerin der Wilhelm Wagenfeld Stiftung Beate Manske.  

Von Claudia Hantrop

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