Bergischer Bezirksverein 10.09.2010, 19:48 Uhr

Dreifachglas wird zum Standard

Über Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten von Dreifachverglasung sowie über deren Rolle im Konzert der Energiesparbemühungen diskutierten Mitglieder des Arbeitskreises Bautechnik. 30 % Einsparungen forderte allein die letzte Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2009, eine weitere Verschärfung der Werte ist zwischen 2012 und 2014 zu erwarten.

Frank Horstmann, Objektberater bei der Flachglas MarkenKreis GmbH in Gelsenkirchen, und Referent an jenem Vortragsabend beim Bergischen Bezirksverein, betonte, dass die Bedeutung von Dreifachglas bei Neubauten und Renovierungen in den letzten drei bis vier Jahren deutlich ansteige: „Die Dämmwerte des Dreifachglases sind denen von Zweifachglas deutlich überlegen“, so Horstmann. Wie beim Zweifachglas seien die Einsparungen abhängig von der Bilanz aus Wärmeverlusten, die der U-Wert beschreibt, und dem solaren Wärmegewinn, dem g-Wert. Letzterer ist abhängig von der Himmelsrichtung, zu der das Fenster zeigt.

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Dreifachglas ist in der Regel mit wärmedämmenden Beschichtungen auf den zum Scheibenzwischenraum weisenden Oberflächen der äußeren Scheiben ausgestattet. Außerdem werden die Scheibenzwischenräume mit Edelgas, überwiegend Argon, gefüllt. „In der Regel kommen wir bei einem so aufgebauten Dreifachglas auf einen Ug-Wert von 0,7 W/m²K“, sagte Horstmann. „In Sonderaufbauten ist ein Ug-Wert von 0,5 W/m²K möglich. Das heißt, Dreifachglas isoliert etwa doppelt so gut wie Zweifachglas. Die Wärmeverluste am Rand eines Fensters können außerdem reduziert werden, indem man einen thermisch verbesserten Randverbund verwendet.“

Die Beschichtungen der Scheiben könnten je nach Anforderung – Schutz gegen Sonneneinstrahlung oder Wärmedämmung – variieren und seien überwiegend nahezu farbneutral, so der Referent weiter.

Während die Sonnenschutzwirkung und Wärmedämmung durch beschichtetes Dreifachglas optimal seien, so Horstmann, biete die Technologie im Hinblick auf den Schallschutz kaum Vorteile gegenüber der Doppelverglasung: „Hier gilt nicht die Devise: Viel hilft viel. Selbst, wenn das wesentlich teurere Füllgas Krypton verwendet wird, verbessert sich der Schallschutz bei Dreifachverglasung nur minimal. Es gibt jedoch mittlerweile eine breite Palette geprüfter Aufbauten mit optimierter Schalldämmung.“

Zum Thema Selbstreinigung stellte Horstmann das System „Pilkington Activ“ vor. „Hier wird die UV-Strahlung im Tageslicht benötigt. Die mit dem Glas dauerhaft verbundene Beschichtung auf der Witterungsseite zersetzt aktiv organische Verschmutzungen wie Staub, Harz oder Vogelkot. Dazu braucht man keine direkte Sonneneinstrahlung, es funktioniert also auch an der Nordseite.“ Die Beschichtung bewirkt zudem, dass sich das Regenwasser nicht in Tropfen auf der Scheibe sammelt, sondern vollflächig verteilt. „Das einzige, das man dabei beachten muss, ist, dass die Scheibe dem Regenwasser ausgesetzt ist.“

Die Mehrkosten von Dreifachglas im Vergleich zu Zweifachglas bezifferte der Experte etwa auf den Faktor 1,7. Schon jetzt sei absehbar, dass Dreifachglas bei einer Verschärfung der EnEV in den kommenden Jahren zum Standard werde. „Dreifach-Isoliergläser hatten in der Vergangenheit einen eher geringen Marktanteil, sodass wir noch nicht über die Erfahrungswerte wie bei den Zweifachverglasungen verfügen können“, erklärte der Referent. „Beim Zweifachglas gehen wir von mindestens 20 Jahren Lebensdauer aus. Beim Dreifachglas sind aufgrund des komplizierten Aufbaus und der höheren Belastung des Randverbunds besondere Anforderungen an die Produktion zu stellen, damit von der gleichen Lebensdauer ausgegangen werden kann.“

Horstmann wies auch darauf hin, dass sich bei Dreifachglas aufgrund der guten Dämmwirkung in kalten Nächten Kondensat oder sogar Eis auf der äußeren Scheibe bilden kann: „Das ist ein Zeichen für die gute Isolationswirkung und verschwindet spätestens in der Morgensonne wieder.“ CHRISTIANE GIBIEC

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