Biowerkstoffe 19.10.2012, 19:55 Uhr

Biokunststoffe setzen zum Höhenflug an

Biokunststoffe liegen im Trend. Bis zum Jahr 2016 wird deren Markt um den Faktor fünf wachsen. Zu den Wachstumstreibern zählt biobasiertes PET. In diesem Segment rechnen Experten mit einer Verzehnfachung der Kapazitäten. Denn globale Markenhersteller verpacken ihre Produkte heute zunehmend in biobasierte Polymere.

Der Marktanteil biobasierter Kunststoffe wächst.

Der Marktanteil biobasierter Kunststoffe wächst.

Foto: BASF

Von den neuesten Wachstumsprognosen für Biokunststoffe wurden selbst die Experten überrascht. Ihre kühnsten Erwartungen werden in den kommenden Jahren weit übertroffen. Bis 2016 wird der globale Markt sein Produktionsvolumen auf voraussichtlich knapp 6 Mio. t verfünffachen. Im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 1,2 Mio. t Biokunststoffe produziert. Dies geht aus einer aktuellen Marktprognose hervor, die der Branchenverband European Bioplastics, Berlin, jährlich in Kooperation mit dem Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover veröffentlicht.

Deutliches Wachstum bei biobasierten, nicht biologisch abbaubaren Biokunststoffen

Deutlich am stärksten wächst demnach die Gruppe der biobasierten, nicht biologisch abbaubaren Biokunststoffe. Vor allem bei „Drop-in“-Lösungen, also bei Massenkunststoffen wie PE und PET, die jetzt auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden, erwachsen neue Produktionskapazitäten. Teilbiobasiertes PET ist hierbei führend: Bereits heute stellt es rund 40 % aller Biokunststoff-Produktionskapazitäten. Diesen Vorsprung wird teil-biobasiertes PET bis 2016 weiter ausbauen. Die dann erreichte Jahreskapazität von mehr als 4,6 Mio.  t entspräche 80 % der gesamten Biokunststoff-Produktionskapazitäten. Hinter PET folgt biobasiertes PE mit 250 000 t/a, das sind gut 4 % der gesamten Produktionskapazitäten.

Aber auch die Sparte der biologisch abbaubaren Kunststoffe zeigt hohe Wachstumsraten: „Um zwei Drittel werden die Produktionskapazitäten voraussichtlich bis 2016 steigen“, berichtet Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von European Bioplastics, über weitere Ergebnisse der Studie. Führende Wachstumsträger seien hier die Biokunststoffe PLA und PHA.

Coca-Cola setzt auf Biokunststoffe bei Verpackungen

Als neuen Trend sieht European Bioplastics den Einsatz von Bioverpackungen für Markenprodukte. In 2009 führte Coca-Cola nach Angaben des Branchenverbands biobasierte PET-Flaschen ein. Volvic sei ein Jahr später mit Wasserflaschen in Europa gefolgt. Inzwischen sei auch der Lebensmittelkonzern Heinz mit 500-ml-Ketchup-Flaschen gestartet. Biobasiertes PE werde zudem von Danone Frankreich für Joghurt-Drinks genutzt und Procter & Gamble verwende es für Shampooflaschen.

Markenartikler setzen nach Verbandsangaben aber nicht nur auf Drop-in-Lösungen, sondern entwickeln auch Verpackungen aus neuen Werkstoffen: Danone stelle seine Premiumjoghurtmarke Activia in Deutschland komplett auf PLA-Becher um. Der italienische St. Anna Brunnen vermarkte Premiumwasser seit zwei Jahren in PLA-Flaschen. Ontex-Mayen nutze seit bereits acht Jahren Stärkewerkstoffe als Umverpackung ihrer Moltex-Öko-Babywindel.

Biokunststoffverpackungen: Trend geht zu Verpackungen aus Bio-PE und Bio-PET

Auch in einer aktuell vom Ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg, im Auftrag des Berliner Bundesumweltministeriums erstellten Studie „Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen“ wird davon ausgegangen, dass die eingeführten Biokunststoffverpackungen der Markenartikler einen Marktimpuls auslösen werden. Angesichts der sich andeutenden Verknappung von Erdöl werde der Kunststoffverpackungsmarkt zudem langfristig ohnehin auf ein überwiegend biogenes Kohlenstoffgerüst angewiesen sein. Dabei gehe der Trend hin zu biobasierten, aber nicht bioabbaubaren Verpackungen aus Bio-PE und Bio-PET.

Bei den formstabilen PLA-Verpackungen scheine der Aspekt der Bioabbaubarkeit in der Marktbewertung der Produkte zugunsten einer Strategie in Richtung roh- beziehungsweise werkstofflicher Verwertung an Bedeutung zu verlieren. Die Ifeu-Forscher gehen vielmehr davon aus, dass flexible Folien zu 50 % und Becher/Schalen zu 80 % im gelben Sack landen. Die verbliebene Menge würde dann in die Abfallbehandlung in die Müllverbrennungsanlage oder Kompostierungsanlage gelangen. Zu welchen Anteilen sei jedoch nur schwer einzuschätzen.

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