Schützt besser als Stahl 15.10.2013, 10:28 Uhr

Aluminium-Panzerung für Kampffahrzeuge und Kriegsschiffe

Der amerikanische Aluminiumproduzent Alcoa, weltweit eines der größten Unternehmen der Branche, hat in Gestalt seiner neuen Legierung ArmX 5083-H4151 einen Werkstoff mit hohem Panzerungs-Schutz für Kampffahrzeuge und Kriegsschiffe entwickelt. Das U.S. Army Research Lab (ARL) hat das neue Material für zukünftige Konstruktionen von miltärischen Land-und Seefahrzeugen bereits offiziell akzeptiert.

FED ALPHA: Der Prototyp eines neuen viersitzigen leichten Kampffahrzeuges für die amerikanischen Truppen wurde größtenteils von Alcoa mitentwickelt. Für die Panzerung wurde Aluminium statt Stahl verwendet.

FED ALPHA: Der Prototyp eines neuen viersitzigen leichten Kampffahrzeuges für die amerikanischen Truppen wurde größtenteils von Alcoa mitentwickelt. Für die Panzerung wurde Aluminium statt Stahl verwendet.

Foto: Alcoa

Der neue Werkstoff verbessert den Panzerungsschutz für Fahrzeuge und Schiffe um etwa 20 Prozent. Zugleich ergibt sich bei Fahrzeugen durch den Ersatz von Stahl durch die Aluminiumlegierung eine Gewichtseinsparung von rund zehn Prozent, was sich in einer Treibstoff-Einsparung von nahezu sieben Prozent niederschlägt.

ArmX 5083-H151 ist schweiss- und lackierbar. Der Nutzen der Schweißbarkeit wird zum einen in der höheren Stabilität der Fahrzeuge, der verbesserten Panzerung durch geschweißte Konstruktionen und nicht zuletzt in der vergleichsweise einfachen Reparierbarkeit in Frontnähe gesehen. 

Bei dem Werkstoff  ArmX 5456-H151 handelt es sich um eine Legierung von Aluminium mit Titan. Zu dem mit Sicherheit höheren Preis des neuen Materials im Vergleich zu Vorgängermaterialien ist allerdings weder von Alcoa noch von den amerikanischen Streitkräften irgendein Hinweis zu erhalten. An und für sich ist Titan ein produktionskostenbedingt sehr teurer Werkstoff. Gerade in jüngerer Zeit bewegt sich der Titan-Preis aber nach unten, weil sich neue Produktionsverfahren eröffnet haben.  Aluminium/Titan-Legierungen könnten in der Zukunft für zahlreiche Anwendungen durchaus zu einem Werkstoff mit hohem Verbreitungsgrad werden.

Hohe Bedeutung von Aluminium für militärische Zwecke

Ungeachtet der auch in der Wehrtechnik unverkennbaren Bemühungen, Aluminium für manche Einsatzzwecke durch die noch wesentlich leichteren Kohlenstofffaser-Verbundwerkstoffe –beispielsweise im Flugzeugbau aber auch schon im militärischen Fahrzeugbau – zu ersetzen, spielen eine Vielzahl von Aluminium-Legierungen, außer auf Titan-Basis etwa auch auf Nickel-Basis, eine ganz erhebliche Rolle.

Alcoa betreibt für diese Zwecke nicht nur ein großes Entwicklungszentrum sondern auch ein spezielles Produktionswerk,  die Alcoa Davonport Works. Sowohl für das Entwicklungszentrum wie für die Produktionsanlagen in Davenport geht die Konzernleitung davon aus, dass es sich um die mit Abstand größten Einrichtungen ihrer Art in der Welt handele.

Die einschlägigen Entwicklungsarbeiten betreffen dabei keineswegs etwa nur neue Aluminium-Legierungen sondern reichen bis hin zur Fahrzeugentwicklung auf der Basis der neuen Legierungen. So ist „FED ALPHA“, der Prototyp eines neuen viersitzigen leichten Kampffahrzeuges für die amerikanischen Truppen größtenteils von Alcoa mitentwickelt worden.

Aluminium büßt beim Ein- und Umschmelzen nichts ein

Zu den Reizen von Aluminium als Werkstoff gehören keineswegs nur das vergleichsweise geringe Gewicht und inzwischen auch eine bemerkenswerte Stabilität bis hin zur Panzerung bei der Legierung ArmX 5456-H151. Besonders wichtig ist vielmehr auch, dass Aluminium im Gegensatz etwa zu Stahl beim Ein- und Umschmelzen keinerlei Qualitätseinbußen erleidet. Das Material kann also schier endlos wiederverwendet werden. Alcoa geht davon aus, dass vom gesamten Aluminium, das der Konzern in seiner inzwischen mehr als 125jährigen Geschichte produziert hat, heute noch 75 Prozent weiterverwendet werden.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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