Houston hatte ein Problem: Bauchlandung eines Nasa-Fliegers
Nasa-Forschungsjet landet ohne Fahrwerk in Houston. Ein Funkmitschnitt liefert neue Hinweise auf die Ursache.
Eine WB-57 der Nasa bei der Landung im Jahr 2024: Ein solcher Höhenforschungsjet setzte jetzt in Houston nach einem mechanischen Defekt ohne ausgefahrenes Fahrwerk auf und kam kontrolliert zum Stillstand.
Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | NASA
Es ist Dienstagvormittag, 27. Januar, kurz nach 11:30 Uhr, auf dem Ellington Field im Südosten von Houston. Ein Forschungsflugzeug der Nasa befindet sich im Landeanflug. Routine eigentlich. Doch diesmal läuft etwas anders. Die WB-57 setzt auf – ohne ausgefahrenes Fahrwerk. Der Rumpf schleift über den Asphalt, Funken sprühen, Rauch steigt auf. Für Sekunden wirkt die Szene bedrohlich. Dann kommt der Jet zum Stillstand. Die Crew bleibt unverletzt.
Videos des Lokalsenders zeigen, wie das Flugzeug gerade auf der Bahn bleibt. Kein Ausbrechen, kein Dreher. Der Pilot hält die Maschine unter Kontrolle, bis die Reibung sie abbremst. Was für Außenstehende spektakulär aussieht, ist aus fliegerischer Sicht vor allem eines: eine sauber geflogene Notlage.
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Inhaltsverzeichnis
Erste Reaktion: Technik als Ursache
Die Nasa bestätigte wenig später den Vorfall. Sprecherin Bethany Stevens erklärte: „Heute führte ein mechanisches Problem mit einer der WB-57 der Nasa zu einer Landung ohne ausgefahrenes Fahrwerk auf dem Ellington Field.“ Alle Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit.
Weiter sagte sie: „Wie bei jedem Vorfall wird die Nasa eine gründliche Untersuchung der Ursache durchführen. Die Nasa wird die Öffentlichkeit transparent auf dem Laufenden halten, sobald wir weitere Informationen gesammelt haben.“
Rettungskräfte erreichen die Landebahn schnell. Sie sichern die Maschine, löschen kleinere Brandstellen. Der Flugbetrieb ruht, bis der Jet abtransportiert ist. Auch die Federal Aviation Administration nimmt Ermittlungen auf. An Bord sind zwei Personen. Beide kommen mit dem Schrecken davon.
Ein Funkmitschnitt verändert den Blick
Einige Tage später taucht neues Material auf. Der YouTube-Kanal VASAviation veröffentlicht den Funkverkehr der Minuten vor der Landung. Und der wirft Fragen auf. Dem Mitschnitt zufolge plante die Crew keinen vollständigen Stopp, sondern ein Touch-and-Go-Manöver. Ein Trainingsverfahren, bei dem ein Flugzeug kurz aufsetzt und sofort wieder startet.
Beim ersten Anflug meldet der Pilot, das Fahrwerk sei ausgefahren. Der Tower gibt einen Tiefanflug frei. Danach folgt eine verkürzte Platzrunde. Es geht ruhig zu. Standardfunk. Hinweise auf anderen Verkehr. Rückfragen zur Flughöhe.
Dann der entscheidende Moment. Aus dem Cockpit kommt die Meldung: „NASA927, gear down, touch and go.“ Der Lotse bestätigt Landebahn, Wind und Manöver: „NASA927, runway 17R, wind 230 at 4, cleared touch and go.“ Der Pilot liest alles korrekt zurück. Sekunden später berührt der Rumpf die Landebahn. Das Fahrwerk bleibt oben.
Versehen, Anzeigeproblem oder Technikfehler?
Der Funkmitschnitt lässt zwei Deutungen zu. Entweder hat der Pilot das Fahrwerk nicht ausgefahren, obwohl er es meldete. Oder das System zeigte „Fahrwerk unten“, obwohl es das nicht war. Beides wäre erklärungsbedürftig.
Auffällig ist: Weder die Crew noch der Tower gehen von einem Notfall aus. Es stehen keine Rettungsfahrzeuge bereit. Auch der Lotse weist nicht auf ein fehlendes Fahrwerk hin. Das ist bei Trainingsanflügen nicht ungewöhnlich. Die Verantwortung liegt im Cockpit. Was dort angezeigt wurde und welche Checklisten liefen, ist nun Teil der Ermittlungen.
Warum die Landung dennoch überzeugt
So paradox es klingt: Die Bauchlandung gilt in Fachkreisen als professionell. Eine Landung ohne Fahrwerk gehört zu den schwierigsten Situationen für Pilotinnen und Piloten. Ziel ist es, das Flugzeug stabil aufzusetzen, die Geschwindigkeit gleichmäßig abzubauen und ein seitliches Ausbrechen zu vermeiden. Genau das gelingt hier.
Der Pilot entscheidet sich gegen riskante Manöver. Keine abrupte Kurskorrektur, kein Versuch, doch noch durchzustarten. Stattdessen ein gerader, flacher Aufsetzpunkt. Das schont Struktur und Crew.
Ein Flugzeug mit Geschichte
Die WB-57 ist kein modernes Verkehrsflugzeug. Ihre Geschichte reicht bis in die 1940er-Jahre zurück. Grundlage ist die britische Canberra, in den USA als B-57 gebaut. Für die NASA wird sie umfassend umgerüstet: längere Tragflächen, Messinstrumente, Einsätze in großen Höhen. Über 60.000 Fuß, rund 18 km, sind möglich.
Seit 1972 nutzt die NASA die WB-57 für Forschung. Die Jets fliegen durch Hurrikane, messen Gase in der oberen Atmosphäre und analysieren Abgase von Raketenstarts. Betrieben werden die verbliebenen Maschinen vom Johnson Space Center. Eine davon wurde 2013 aus dem Flugzeugfriedhof in Arizona zurückgeholt und restauriert. In den vergangenen Jahren unterstützten die Flugzeuge auch Beobachtungen von Starts bei SpaceX. Geplant waren zudem Einsätze im Umfeld von Artemis II.
Wie es weitergeht
Wie stark die betroffene WB-57 beschädigt ist, ist noch offen. Möglich ist eine Reparatur. Möglich auch, dass das Flugzeug ausgemustert wird. Ob Missionen verschoben werden, sagt die NASA bislang nicht.
Der Vorfall zeigt vor allem eines: Luftfahrt ist nie fehlerfrei. Technik kann täuschen, Menschen können sich irren. Entscheidend ist, wie in kritischen Sekunden reagiert wird. In Houston endet ein heikler Moment ohne Verletzte. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
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