Blick unter die Haube 15.01.2026, 10:33 Uhr

Neue Mercedes-Benz S-Klasse im Technik-Check

Großes Facelift für die Mercedes S-Klasse 2026: neues MB.OS, stärkere Motoren, intelligentes Fahrwerk. Ein Blick unter die Haube.

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse während der Erprobung: Die Seitenansicht zeigt die zurückhaltend weiterentwickelte Linie der Luxuslimousine, unter der umfassend überarbeitete Technik für 2026 arbeitet.

Foto: Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz Group AG

Das Wichtigste in Kürze
  • Umfangreichstes Facelift der S-Klasse-Geschichte mit über 2700 überarbeiteten Komponenten
  • Einführung von MB.OS als zentrale Software- und Elektronikplattform
  • Weiterentwickelte Benzin-, Diesel- und Plug-in-Hybrid-Antriebe
  • Serienmäßige Hinterachslenkung und neue intelligente Dämpfungsfunktion
  • Produktionsstart 2026 in der Factory 56, Weltpremiere am 29. Januar 2026

Die klassische Luxuslimousine steht unter Druck. Große SUVs dominieren viele Märkte, die Konjunktur schwächelt, und elektrische Wettbewerber holen auf. Trotzdem bleibt die S-Klasse das Flaggschiff von Mercedes-Benz – und nach wie vor die meistverkaufte Luxuslimousine weltweit. Die jüngsten Verkaufszahlen zeigen jedoch Gegenwind. 2024 gingen die Auslieferungen der S-Klasse-Familie, inklusive Maybach und EQS, deutlich zurück. Vor allem der chinesische Markt kühlte spürbar ab.

Für das Modelljahr 2026 reagiert Mercedes-Benz mit dem umfangreichsten Facelift der Baureihengeschichte. Mehr als 2700 Komponenten wurden neu entwickelt oder überarbeitet. Das betrifft über 50 % des Fahrzeugs. Der Fokus liegt weniger auf einem optischen Bruch als auf Technik, Software und Effizienz. Kurz vor der Weltpremiere laufen die letzten Erprobungen.

Ein Facelift, das tiefer greift als üblich

Ein klassisches Facelift beschränkt sich oft auf Scheinwerfer, Stoßfänger und ein paar Software-Updates. Bei der neuen S-Klasse ist der Eingriff deutlich tiefgreifender. Mercedes spricht intern von einer Überarbeitung „in der Tiefe“. Der Anspruch: Das Fahrzeug soll über seine gesamte Lebensdauer digital aktuell bleiben und technisch näher an kommende Modellgenerationen heranrücken.

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Diese Strategie ist kein Zufall. Die Entwicklungszyklen in der Oberklasse werden länger, während sich Software, Assistenzsysteme und Elektronik schneller weiterentwickeln als klassische Hardware. Genau hier setzt Mercedes mit einer neuen Architektur an.

MB.OS: Das neue digitale Fundament

Die wichtigste Neuerung ist unsichtbar. Die S-Klasse ist das erste Verbrenner-Modell, das mit dem Mercedes-Benz Operating System, kurz MB.OS, ausgerüstet wird. Die neue Elektronik-Architektur führt Infotainment, Assistenzsysteme und Antrieb in einer gemeinsamen Plattform zusammen.

Das Ergebnis ist mehr Rechenleistung und eine klarere Struktur der Software. Funktionen lassen sich schneller aktualisieren und gezielter erweitern. Over-the-Air-Updates werden nicht zur Ausnahme, sondern zum Standard. MB.OS bildet die Basis für die nächste Generation von MBUX sowie für die Assistenzfunktionen von MB.DRIVE.

Der Nutzen für Kundinnen und Kunden: Das Fahrzeug altert digital langsamer. Neue Funktionen lassen sich auch nach dem Kauf einspielen. Mercedes verfolgt damit konsequent das Prinzip des „Software-definierten Fahrzeugs“, ohne die klassische Luxusklientel mit radikalen Bedienkonzepten zu überfordern.

Frontansicht der neuen Mercedes-Benz S-

Frontansicht der neuen Mercedes-Benz S-Klasse: Das Facelift setzt auf feine Designanpassungen wie einen vergrößerten Kühlergrill und neue LED-Signaturen, während die eigentlichen Neuerungen vor allem unter der Karosserie liegen.

Foto: Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz Group AG

Antriebe: Evolution statt Abgesang

Trotz Elektrifizierung hält Mercedes an einer breiten Antriebspalette fest. Der V8 bleibt. Der Diesel bleibt. Und auch der Plug-in-Hybrid spielt weiter eine zentrale Rolle.

V8 mit Feinschliff

Im S 580 4MATIC arbeitet der überarbeitete Achtzylinder M 177 Evo. Er leistet 395 kW (537 PS) und stellt 750 Nm Drehmoment bereit. Gegenüber der bisherigen Version entspricht das einem Plus von 11 PS und 50 Nm. Entscheidend sind jedoch die technischen Details: ein weiterentwickeltes Einspritzsystem, optimierte Ein- und Auslasskanäle, eine neue Einlassnockenwelle sowie eine Flatplane-Kurbelwelle mit geänderter Zündfolge. Anpassungen an Verdichterrad und Turboladergehäuse sollen das Ansprechverhalten verbessern und gleichzeitig Geräusche reduzieren.

Sechszylinder mit elektrischem Schub

Auch die Reihensechszylinder-Benziner M 256 Evo im S 450 und S 500 wurden überarbeitet. Das Drehmoment steigt auf bis zu 600 Nm, im Overboost kurzzeitig auf 640 Nm. Ein stärkerer elektrischer Zusatzverdichter verbessert die Zylinderfüllung bei niedrigen Drehzahlen. Zusätzliche Dämmmaßnahmen senken Vibrationen und Geräusche.

Plug-in-Hybride mit mehr Systemleistung

Die Plug-in-Hybride bleiben bei einer elektrischen Reichweite von über 100 km. Sie kombinieren den überarbeiteten Sechszylinder mit einem stärkeren Elektromotor. Die Systemleistung steigt um bis zu 55 kW. Konkrete Leistungsdaten nennt Mercedes noch nicht.

Diesel mit neuer Abgasstrategie

Auch der Diesel bleibt Teil des Portfolios. Der Reihensechszylinder OM 656 Evo erhält als erster Serien-Diesel von Mercedes einen elektrisch beheizten Katalysator. Dieser erreicht schneller seine Betriebstemperatur und reduziert Emissionen in der Kaltstartphase. Ziel ist die Erfüllung zukünftiger Abgasvorgaben ohne Abstriche bei Laufkultur und Effizienz.

Alle Motoren arbeiten mit einem 48-Volt-System und integriertem Starter-Generator. Dieser unterstützt beim Anfahren, ermöglicht Rekuperation und sorgt für besonders sanfte Start-Stopp-Vorgänge.

Heckansicht der neuen Mercedes-Benz S-Klasse

Heckansicht der neuen Mercedes-Benz S-Klasse: Dezente Änderungen an Leuchten und Linienführung markieren das Facelift, ohne mit der gewachsenen Formensprache der Baureihe zu brechen.

Foto: Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz Group AG

Fahrwerk: Komfort mit Datenvorsprung

Serie ist weiterhin die Luftfederung Airmatic. Neu ist die Funktion „Intelligent Damping“. Das System erkennt Unebenheiten wie Temposchwellen bereits im Voraus und passt die Dämpfung entsprechend an. Grundlage sind Car-to-X-Daten aus der Cloud. Fahrzeuge teilen Informationen über Straßenbeschaffenheit, die dann für eine vorausschauende Regelung genutzt werden.

Optional bleibt die E-Active Body Control verfügbar. Sie erlaubt eine aktive Beeinflussung der Karosseriebewegungen und gleicht Nick- und Wankbewegungen nahezu vollständig aus.

Die Hinterachslenkung ist nun serienmäßig. Bis zu 4,5 Grad Lenkwinkel gehören zur Grundausstattung, 10 Grad bleiben optional. Gerade in der Langversion reduziert sich der Wendekreis damit um fast zwei Meter. Das erleichtert das Rangieren in engen Innenstädten spürbar.

Die Technik im Überblick

  • Elektronik & Software: MB.OS (Mercedes-Benz Operating System) als neue E/E-Architektur. Verbindet Infotainment, Assistenzsysteme und Antrieb in einer gemeinsamen Plattform. Over-the-Air-Updates für zahlreiche Funktionen. Basis für neue MBUX-Generation und MB.DRIVE.
  • Infotainment: Neueste MBUX-Generation. Optional MBUX-Superscreen mit drei integrierten Displays.
  • Benziner V8: S 580 4MATIC mit M 177 Evo: 395 kW (537 PS), 750 Nm. Überarbeitetes Einspritzsystem, optimierte Ein-/Auslasskanäle, neue Einlassnockenwelle, Flatplane-Kurbelwelle mit neuer Zündfolge sowie Änderungen an Verdichterrad und Turboladergehäuse.
  • Benziner R6: S 450 und S 500 mit M 256 Evo: Drehmoment bis 600 Nm, kurzzeitig bis 640 Nm (Overboost). Stärkerer elektrischer Zusatzverdichter, zusätzliche Dämmung gegen Geräusche und Vibrationen.
  • Plug-in-Hybrid: Elektrische Reichweite > 100 km. Überarbeiteter R6 plus stärkerer E-Motor. Systemleistung steigt um bis zu 55 kW (konkrete Leistungsdaten noch nicht genannt).
  • Diesel: S 350 d und S 450 d mit OM 656 Evo. Erstmals elektrisch beheizter Katalysator für strengere Abgasvorgaben.
  • 48-Volt-System: Alle Motoren mit 48-Volt-Bordnetz und integriertem Starter-Generator (ISG) für Boost, Rekuperation und sehr sanfte Start-Stopp-Vorgänge.
  • Fahrwerk: AIRMATIC serienmäßig. Neue Funktion „Intelligent Damping“ passt Dämpfung vorausschauend an (u. a. via Car-to-X/Cloud-Schwarmdaten). Optional E-ACTIVE BODY CONTROL.
  • Lenkung: Hinterachslenkung serienmäßig (bis 4,5°). Optional bis 10°. In der Langversion reduziert sich der Wendekreis um fast 2 m.
  • Design-Updates: Größerer Kühlergrill, neue LED-Signaturen, feinere Karosserieakzente (Evolution statt Bruch).
  • Erprobung & Produktion: Letzte Tests in Sindelfingen, im schwedischen Winter und in Immendingen. Produktionsstart 2026 in der Factory 56 (Sindelfingen). Weltpremiere am 29. Januar 2026. Maybach folgt später und übernimmt die Technik-Updates.

 

Innenraum und Bedienung: Vertraut, aber moderner

Optisch bleibt Mercedes zurückhaltend. Ein größerer Kühlergrill, neue LED-Signaturen und feinere Karosserieakzente schärfen den Auftritt, ohne mit der Tradition zu brechen. Im Innenraum zieht die neueste Generation von MBUX ein.

Optional steht der MBUX-Superscreen zur Wahl, der drei Displays unter einer gemeinsamen Glasfläche vereint. Neu ist auch die Lenkradgeneration mit Walze und Wippe, die eine präzisere Bedienung ermöglicht. Ziel bleibt eine möglichst intuitive Interaktion, trotz wachsender Funktionsvielfalt.

Erprobung und Produktion: Globale Absicherung

Die finale Abstimmung erfolgt auf öffentlichen Straßen rund um Sindelfingen, unter Winterbedingungen in Schweden und im Prüfzentrum Immendingen. Produziert wird die neue S-Klasse ab 2026 in der Factory 56 in Sindelfingen, einer der modernsten Montagehallen der Welt.

Die Weltpremiere ist für den 29. Januar 2026 angesetzt – exakt 140 Jahre nach dem Patent für den Motorwagen von Carl Benz. Die Maybach-Variante folgt später und übernimmt die technischen Neuerungen.

Einordnung: Viel Technik, wenig Show

Mercedes-Benz setzt bei der neuen S-Klasse nicht auf große Gesten, sondern auf strukturelle Verbesserungen. MB.OS, überarbeitete Antriebe und ein vernetztes Fahrwerk zeigen, wohin die Reise geht: weg vom reinen Luxusobjekt, hin zu einer langlebigen, softwarebasierten Plattform. Ob das reicht, um im globalen Wettbewerb wieder stärker zu wachsen, wird sich zeigen. Technisch jedenfalls bleibt die S-Klasse klar auf der Höhe der Zeit.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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