8 kWh und LFP-Zellen 10.01.2026, 09:44 Uhr

Der neue Mazda CX-6e im Technik-Check

Mazda präsentiert das E-SUV CX-6e mit 78-kWh-LFP-Batterie und 190 kW. Erfahren Sie alles zu Technik, Ladeleistung und der japanischen „Ma“-Philosophie.

Mazda CX 6e

Der Mazda CX-6e von außen: Das vollelektrische SUV markiert Mazdas Einstieg in die nächste E-Generation und kombiniert eine chinesische Elektroplattform mit europäischer Fahrwerksabstimmung und japanischem Designanspruch.

Foto: Mazda

Das Wichtigste zum Mazda CX-6e in Kürze

  • Strategiewechsel: Der CX-6e basiert auf einer chinesischen Elektroplattform aus dem Changan-Mazda-Joint-Venture, wird aber in Europa fahrdynamisch abgestimmt.
  • Antrieb: Heckmotor mit 190 kW (258 PS), kein Allrad zum Marktstart.
  • Batterie: 78-kWh-LFP-Akku mit hoher Zyklenfestigkeit, aber vergleichsweise hohem Gewicht.
  • Laden: Bis zu 195 kW DC, 10–80 % laut Hersteller in rund 24 Minuten.
  • Reichweite: 468–484 km nach WLTP.
  • Innenraum: Großes 32:9-Display, Gestensteuerung, aufgeräumtes Design nach japanischer „ma“-Philosophie.
  • Praxis: Trotz 4,85 m Länge nur 468 l Kofferraumvolumen.
  • Preis: ab 49.990 €, Marktstart in Deutschland im Sommer 2026.

 

Mazda muss im Bereich der Elektromobilität aufholen. Die japanische Marke setzt dabei nicht auf radikale Brüche, sondern auf eine Strategie, die bewährte Markenwerte mit extern zugekaufter Hochvolttechnik kombiniert. Auf der Messe in Brüssel präsentierte Mazda Motor Europe nun den Mazda CX-6e. Das elektrische SUV ist weit mehr als ein weiteres Modell im Portfolio. Es soll Mazda in Europa endlich relevante Marktanteile im Elektrosegment sichern.

Technisch markiert der CX-6e einen Richtungswechsel. Das Fahrzeug basiert nicht auf einer eigens entwickelten Mazda-Plattform, sondern auf einer elektrischen Architektur aus dem chinesischen Changan-Mazda-Joint-Venture. Die Aufgabe der japanischen Ingenieurteams bestand darin, diese Basis für europäische Anforderungen bei Fahrwerk, Bedienung und Sicherheitsausstattung zu adaptieren.

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Raumkonzept mit japanischer Philosophie

Mit einer Länge von 4,85 Metern und einem Radstand von 2,90 Metern bewegt sich der CX-6e klar im Segment der mittelgroßen bis großen E-SUVs. Diese Abmessungen lassen zunächst ein großzügiges Raumangebot erwarten. Im Innenraum bestätigt sich dieser Eindruck: Beinfreiheit und Kopfraum fallen üppig aus, nicht zuletzt dank des serienmäßigen Glasdachs.

Beim Ladevolumen zeigt sich jedoch eine Einschränkung. Der Kofferraum fasst 468 Liter. Ein kürzerer Skoda Enyaq bietet deutlich mehr Stauraum. Ursache ist weniger die Karosserieform als vielmehr die Packaging-Logik der zugrunde liegenden Plattform. Die relativ hohe Bauform des LFP-Batteriepacks beansprucht Platz im Unterboden und schränkt das nutzbare Heckvolumen ein.

Unter der vorderen Haube nutzt Mazda den verfügbaren Bauraum konsequenter. Dort befindet sich ein 83 Liter großer Frunk, ausreichend für Ladekabel oder kleinere Gepäckstücke.

Gestalterisch folgt der Innenraum der japanischen Philosophie „ma“, die den bewussten Einsatz von Leere zwischen Objekten beschreibt. Das Ergebnis ist ein aufgeräumtes, ruhiges Cockpit ohne visuelle Überladung. Anders als bei der Limousine Mazda6e verfügt das SUV über ein elektrisches Rollo für das Glasdach – ein praxisnahes Detail für den europäischen Markt.

Großformatiges Display und experimentelle Bedienkonzepte

Zentrales Element des Cockpits ist ein 26,45 Zoll großes Display im 32:9-Format, das Instrumentenanzeige und Infotainment in einer durchgehenden Fläche vereint. Die Auflösung ist hoch, die Darstellung klar strukturiert. Mazda verzichtet bewusst auf zusätzliche Bildschirme und setzt stattdessen auf eine zentrale Informationsquelle.

Ergänzt wird das System durch eine Gestensteuerung, die auf einer Infrarotkamera in der Dachkonsole basiert. Mazda verwendet ausschließlich fest definierte Gesten, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Eine zur Faust geballte Hand startet beispielsweise die Navigation zur gespeicherten Arbeitsadresse, während eine Herz-Geste den aktuell gespielten Musiktitel zur Favoritenliste hinzufügt. Wischbewegungen dienen dem Blättern durch Menüs oder Radiosender.

Blick ins Cockpit des Mazda CX-6e

Blick ins Cockpit des Mazda CX-6e: Das durchgehende 32:9-Display bündelt Instrumente und Infotainment, während Gestensteuerung und reduzierte Gestaltung Mazdas menschenzentrierten Ansatz im Elektrozeitalter unterstreichen.

Foto: Mazda

Ob diese Funktionen im Alltag einen echten Mehrwert bieten oder eher als Spielerei wahrgenommen werden, müssen Praxistests zeigen. Technisch ist der Ansatz sauber umgesetzt. Die Infrarotsensorik arbeitet unabhängig von den Lichtverhältnissen und bleibt auch bei Dunkelheit zuverlässig.

Ein ungewöhnliches Detail sind Bluetooth-Lautsprecher in den Kopfstützen. Sie ermöglichen gezielte Navigationsansagen für die fahrende Person, ohne den gesamten Innenraum zu beschallen – ein funktionaler Ansatz zur Reduktion akustischer Ablenkung.

Antrieb und Batterie: Heckmotor und LFP-Chemie

Mazda verzichtet beim CX-6e vorerst auf Allradantrieb. Ein permanenter Synchronmotor an der Hinterachse leistet 190 kW (258 PS) und stellt ein maximales Drehmoment von 290 Nm bereit. Damit beschleunigt das SUV in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 185 km/h elektronisch begrenzt – eine bewusste Entscheidung zugunsten von Effizienz und Reichweite.

Als Energiespeicher dient eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 78 kWh Bruttokapazität. Diese Zellchemie gilt als besonders langlebig und thermisch stabil, bringt jedoch eine geringere Energiedichte mit sich. Das Batteriepaket wiegt rund 550 Kilogramm, was maßgeblich zum Leergewicht von 2205 Kilogramm beiträgt.

Das Heck des Mazda CX-6e

Das Heck des Mazda CX-6e: Die klare Linienführung und die flach auslaufende Dachlinie prägen das Design, schränken jedoch das Kofferraumvolumen im Vergleich zu einigen Wettbewerbern ein.

Foto: Mazda

LFP versus NMC: bewusste Prioritäten

Mazda setzt beim CX-6e gezielt auf LFP-Zellen und nimmt damit bekannte Trade-offs in Kauf.

Vorteile der LFP-Chemie:

  • Hohe Zyklenfestigkeit: LFP-Zellen erreichen häufig über 3.000 Ladezyklen, während viele NMC-Akkus früher degradieren.
  • Erhöhte Sicherheit: Die thermische Stabilität ist deutlich höher, das Risiko eines Thermal Runaway wesentlich geringer als bei kobaltbasierten Zellen.
  • Rohstoffstrategie: Verzicht auf Kobalt und Nickel reduziert Kosten und Abhängigkeiten.
  • Alltagstaugliche Ladestrategie: Regelmäßiges Laden auf 100 % ist ohne nennenswerte Alterungsnachteile möglich.

Nachteile:

  • Geringere Energiedichte: Mehr Gewicht pro Kilowattstunde.
  • Kälteempfindlichkeit: Bei niedrigen Temperaturen steigt der Innenwiderstand stärker an – ein Effekt, den Mazda durch aktives Thermomanagement abfedert.

Europäische Fahrwerksabstimmung aus Oberursel

Die Feinabstimmung für den europäischen Markt erfolgte im Mazda-Forschungszentrum in Oberursel. Dort passten Ingenieurinnen und Ingenieure Fahrwerk, Lenkung und Bremsregelsysteme an die Erwartungen europäischer Kundschaft an. Ziel war ein ausgewogener Kompromiss aus Komfort und Agilität.

Drei Fahrmodi – Normal, Sport und Individual – verändern das Ansprechverhalten von Antrieb, Lenkung und Rekuperation.

Der Innenraum des Mazda CX-6e mit den Vordersitzen

Der Innenraum des Mazda CX-6e mit den Vordersitzen: Hochwertige Materialien, großzügige Platzverhältnisse und ein reduziertes Design nach der japanischen „ma“-Philosophie prägen das Raumgefühl im Elektro-SUV.

Assistenzsysteme und Sensor-Fusion

Der CX-6e nutzt Mazdas i-Activsense-Architektur, die verschiedene Sensortypen zu einem konsistenten Umgebungsmodell zusammenführt.

Sensorik:

  • Hochauflösende Kameras zur Spur- und Objekterkennung
  • Millimeterwellen-Radar für Distanz- und Geschwindigkeitsmessungen
  • Ultraschallsensoren für den Nahbereich

Darauf aufbauend bietet das SUV serienmäßig Notbremsassistenten, Spurhalte- und Spurwechselhilfen sowie den Cruising & Traffic Support, der bis 150 km/h im dichten Verkehr beschleunigt, bremst und lenkt. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um ein automatisiertes Fahren der Stufe 3.

Eine Innenraumkamera überwacht zudem, ob Kinder oder Haustiere im Fahrzeug zurückgelassen werden, und warnt die fahrende Person entsprechend.

Vor- und Nachteile im Überblick

Aspekt Pro Contra
Antrieb Effizienter Heckantrieb, ausgewogene Fahrleistungen Kein Allradantrieb zum Marktstart, begrenzte Performance-Optionen
Batterietechnik LFP-Zellen: langlebig, thermisch stabil, keine kritischen Rohstoffe Hohes Batteriegewicht, geringere Energiedichte als NMC
Ladefähigkeit Hohe DC-Ladeleistung für LFP-Akku, Wärmepumpe serienmäßig Ladezeitangaben nur unter Idealbedingungen erreichbar
Innenraum & Bedienung Großes 32:9-Display, ruhiges Design, hochwertige Materialien Gestensteuerung mit fraglichem Alltagsnutzen
Raumangebot Großzügige Platzverhältnisse im Innenraum, zusätzlicher Frunk Kofferraum kleiner als bei vielen kürzeren Wettbewerbern
Fahrwerk Europäische Abstimmung aus Oberursel, ausgewogenes Setup Kein adaptives Fahrwerk angekündigt
Strategie Schneller Marktzugang durch China-Plattform Geringere technologische Eigenständigkeit
Preis-Leistung Faire Basispreis-Positionierung Kurzes Wartungsintervall im Wettbewerbsvergleich

Preis, Garantie und Markteinführung

Der Mazda CX-6e startet in Europa bei 49.990 Euro. Mazda gewährt eine sechsjährige Garantie bis 150.000 Kilometer. Kritisch fällt das Wartungsintervall aus: Alle 20.000 Kilometer oder einmal jährlich ist ein Werkstattbesuch vorgesehen – kürzer als bei einigen Wettbewerbern.

Die Markteinführung in Deutschland ist für den Sommer 2026 geplant. Ob der Mix aus LFP-Batterie, chinesischer Plattformtechnik und europäischer Fahrwerksabstimmung ausreicht, um Mazda im Elektrosegment nachhaltig zu positionieren, wird sich erst im Markt zeigen.

Technik-Fazit

Der Mazda CX-6e ist ein technisch konsequent durchdachtes, aber strategisch hybrides Produkt: Die elektrische Kerntechnik stammt nicht aus einer eigenen Mazda-Entwicklung, sondern aus einer chinesischen Plattformpartnerschaft. Mazda übernimmt hingegen die Feinabstimmung für europäische Anforderungen, was sich in Fahrwerk, Lenkung, Sicherheitsfunktionen und Bedien-/Displaylogik zeigt.

Der LFP-Batterieeinsatz ist kein Rückschritt, sondern ein bewusstes Priorisieren von Zyklenfestigkeit, thermischer Stabilität und Rohstoffunabhängigkeit. Das reduziert langfristige Altersprozesse und senkt Risiken, kostet jedoch Energiedichte und Fahrzeugmasse – was im Vergleich mit Wettbewerbern messbar wird. Die Kombination aus 78-kWh-LFP-Paket und fast 2,2-t-Gesamtgewicht führt zu solider, aber nicht herausragender WLTP-Reichweite.

Die Ladearchitektur ist für LFP-Technik konkurrenzfähig: Bis zu 195 kW DC-Leistung ist für ein Fahrzeug dieser Klasse und Zellchemie hoch, setzt aber optimale Bedingungen voraus, um die beworbene 10–80 %-Zeit von rund 24 Minuten zu erreichen. In der Praxis werden Ladeplattform-Varianten, Batterietemperatur und SoC-Verlauf diesen Wert puffern.

Der Vorderaum des Mazda CX-6e mit Lenkrad

Der Vorderaum des Mazda CX-6e mit Lenkrad: Das aufgeräumte Cockpit, das breite 32:9-Display und die klar strukturierte Bedienlogik rücken die fahrende Person konsequent in den Mittelpunkt.

Foto: Mazda

Im Innenraum zeigt Mazda Mut zur eigenen Bedienphilosophie, mit großem, durchgehendem Display und fest definierten Gesten-Interaktionen. Technisch sauber umgesetzt, bleibt der Alltagsnutzen der Gestensteuerung jedoch offen und muss sich in der Praxis beweisen. Ebenso verdient die Kombination aus hochwertigen Materialien und zusätzlichem Frunk Anerkennung, auch wenn der Kofferraum im Wettbewerbsumfeld kleiner ausfällt als bei vielen Konkurrenten.

Fahrwerk und Assistenzsysteme liegen auf dem erwarteten europäischen Kompakt-SUV-Niveau. Die i-Activsense-Architektur bietet solide, breitbandige Sensorfusion für Assistenzfunktionen, bleibt aber klar unter Level-3-Automatisierung. Innovative Features wie Occupancy-Monitoring und 360°-See-Through-View sind nette Mehrwerte, keine Systemrevolutionen.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Wert
Antrieb Heckantrieb (Synchronmotor)
Leistung 190 kW (258 PS)
Max. Drehmoment 290 Nm
Batteriekapazität 78 kWh (Brutto)
Zellchemie LFP (Lithium-Eisenphosphat)
Ladeleistung DC / AC 195 kW / 11 kW
Ladezeit (10-80%) 24 Minuten
Reichweite (WLTP) 468 – 484 km
Länge / Radstand 4.850 mm / 2.900 mm
Kofferraum (hinten/vorn) 468 l / 83 l
Beschleunigung 0-100 km/h 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Leergewicht 2.205 kg

 

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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