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Bio-LNG-Premiere in Europa: Schiffs-Bunkerung direkt vom Terminal

30. März 2026

LNG-betriebenes Schiff
LNG-betriebenes Schiff im Einsatz: Flüssigerdgas gilt als Brückentechnologie – zunehmend ergänzt durch Bio-LNG zur Emissionsminderung. Foto: picture alliance / Photoshot | TANG KE / Avalon
Bio-LNG erreicht erstmals über eine komplette Lieferkette die Schifffahrt. Fortschritt – oder nur begrenzt skalierbare Lösung?
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Die Schifffahrt sucht händeringend nach Wegen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. In Litauen ist nun ein weiterer wichtiger Schritt gelungen. Am LNG-Terminal in Klaipėda fand eine Bio-LNG-Bunkerung statt, die vor allem durch ihre durchgängige Lieferkette auffällt. Das Unternehmen Anew Climate lieferte den zertifizierten, aus biogenen Reststoffen gewonnenen Kraftstoff an ein Spezialschiff von Avenir LNG. Von dort aus trat das Gas seine Reise über die Ostsee nach Schweden an.

Das Ziel der Ladung ist die Flotte der Reederei Destination Gotland. Dort fließt das Bio-LNG in die Tanks der Passagierfähren. Neu ist dabei weniger der Kraftstoff selbst, sondern die Organisation der gesamten Logistikkette: Erstmals wurde der Kraftstoff vom Terminal über ein Bunkerschiff direkt in eine operative Flotte überführt.

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Inhaltsverzeichnis

Die Technik hinter dem grünen Gas

Technisch gesehen ist Bio-LNG ein sogenannter Drop-in-Fuel. Das bedeutet, er ist chemisch nahezu identisch mit seinem fossilen Gegenstück. Bestehende Motoren und Infrastrukturen verarbeiten das verflüssigte Gas ohne jede Anpassung. Der entscheidende Unterschied liegt allein in der Entstehung:

Prozessschritt Beschreibung
Rohstoffe Einsatz von Gülle, organischen Abfällen oder Reststoffen.
Vergärung Mikroorganismen zersetzen die Biomasse zu gasförmigem Methan.
Aufbereitung Reinigung des Gases von CO₂ und Schwefelwasserstoff.
Verflüssigung Abkühlung auf circa -162 °C zur Volumenreduzierung.

Für die aktuelle Lieferung nutzten die Partner die „Avenir Ascension“. Dieses Bunkerschiff verfügt über ein Volumen von 7500 m³ und ist Teil einer wachsenden Flotte, die gezielt auf die Versorgung im Ostseeraum spezialisiert ist. Mit jährlich mehr als 200 Versorgungsmanövern beweist das Schiff die Praxistauglichkeit der Technologie.

Klimabilanz: Ein zweischneidiges Schwert

Die Bilanz von Bio-LNG fällt deutlich günstiger aus als die von fossilem LNG. Je nach Herkunft der Reststoffe lassen sich die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren. Dennoch gibt es kritische Aspekte:

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  1. Der Methanschlupf: Entlang der Lieferkette oder bei der Verbrennung im Motor kann unverbranntes Methan entweichen. Da Methan als Treibhausgas (über 20 Jahre betrachtet) deutlich potenter ist als CO₂, kann dieser Schlupf die Klimavorteile teilweise wieder zunichtemachen.
  2. Begrenzte Ressourcen: Die Produktion hängt von biogenen Reststoffen ab, die nicht unbegrenzt verfügbar sind. Bio-LNG konkurriert hier zudem mit dem Luftverkehr und der chemischen Industrie. Eine globale Skalierung für die gesamte Weltschifffahrt ist daher kaum absehbar.

Warum der Wechsel jetzt erfolgt

Der Antrieb für diesen Wandel ist weniger technischer Enthusiasmus als vielmehr regulatorische Notwendigkeit. Die Europäische Union verschärft die Regeln massiv: Mit Verordnungen wie FuelEU Maritime und dem Emissionshandel (EU ETS) steigen die Kosten für fossile Brennstoffe spürbar.

Reedereien müssen die Treibhausgasintensität ihrer eingesetzten Energie drastisch senken. Bio-LNG bietet hier den schnellsten Ausweg, um Quoten einzuhalten, ohne Milliarden in völlig neue Antriebssysteme (wie Ammoniak oder Wasserstoff) investieren zu müssen.

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„Das Projekt zeigt, dass zertifizierte Bio-LNG-Lieferketten in Europa praktikabel und kurzfristig umsetzbar sind“, betont John Cosmo Dwelle, Geschäftsführer bei Anew Climate Europe.

Strategische Einordnung: Zertifikate vs. Physischer Fluss

In der Praxis bedeutet der Einsatz von Bio-LNG nicht zwingend, dass jedes Molekül physisch im jeweiligen Schiff verbrannt wird. Häufig kommen Book-and-Claim-Modelle zum Einsatz. Dabei werden Emissionsvorteile bilanziell zugeordnet, während der physisch eingesetzte Kraftstoff im Tank noch fossilen Ursprungs sein kann. Entscheidend für die Behörden ist die lückenlose Zertifizierung.

Henry Hammarström von Destination Gotland ergänzt: „Wir weiten den Einsatz von Bio-LNG aus, um die FuelEU-Maritime-Vorgaben zu erfüllen – insbesondere für Schiffe, die Unterstützung bei der Einhaltung der Kriterien im Rahmen von Pooling-Modellen benötigen.“

Fazit: Logistik schlägt Labor

Dass Bio-LNG die vorhandene Infrastruktur nutzt, schont das Kapital der Reeder, birgt aber das Risiko eines „Lock-in-Effekts“. Wer heute massiv in LNG-Strukturen investiert, bindet sich langfristig an diese Verbrennungstechnologie.

Der wahre Erfolg dieses Projekts liegt jedoch in der Logistik: Wenn Terminal, Bunkerschiff und Fähre reibungslos ineinandergreifen, fällt die größte Hürde – die praktische Umsetzung im harten Alltag auf See.



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