„Jeder Indikator steht auf Rot“: WMO veröffentlicht Klimabericht 2025
Die WMO schlägt in ihrem neuen Klimabericht Alarm: 2025 war das elfte Hitzejahr in Folge und das drittwärmste Jahr aller Zeiten. Zudem nimmt die Erde deutlich mehr Energie auf, als sie abgibt.
Ein allbanischer Militärhubschrauber bei der Feuerbekämpfung im August 2025. Eine Hitzewelle mit temperaturen über 40 ° C traf Albanien und andere Balkanländer im Sommer des vergangene Jahres. Dass Hitzewellen verstärkt auftreten, ist nach dem jüngesten Klimabericht des EU-Satellitendienstes Coperniucs im Rahmen des zunehmenden Klimawandels zu erwarten.
Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gent Shkullaku
Die Erderwärmung legt keine Pause ein. Wie der heute (23. März) veröffentlichte „State of the Global Climate“-Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) zeigt, war 2025 das zweit- oder drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – und das wärmste Jahr, in dem kein El Niño die Temperaturen zusätzlich erhöhte. Die globale Durchschnittstemperatur lag 2025 rund 1,4 °C über dem vorindustriellen Niveau. Die vergangenen elf Jahre (2015 bis 2025) waren die elf heißesten, die je gemessen wurden.
Die Ursache für die Temperaturrekorde: Die Erde nimmt dauerhaft mehr Energie auf, als sie abgibt. Dieses Energieungleichgewicht hat die WMO jetzt erstmals als eigenen Schlüsselindikator in ihren Klimabericht aufgenommen. Mehr als 91 % der überschüssigen Energie landet demnach im Ozean, mit gravierenden Folgen für Meeresspiegel, Meereis, Gletscher und Extremwetter.
Inhaltsverzeichnis
- WMO-Klimabericht bestätigt beschleunigte Erderwärmung
- Warum die WMO einen neuen Indikator nutzt
- Meeresspiegel und CO₂ steigen beschleunigt
- Verheerende Extremereignisse weltweit
- Erstmals Kapitel zu Klima und Gesundheit
- Nein, das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad ist noch nicht gerissen. Kommt aber.
- 2025, ein Klimajahr der Paradoxe
- Copernicus-Klimabeobachtungen werden wichtiger, wenn die USA aus der Klimaforschung aussteigen
- Hitzewellen und andere regionale Extreme prägen 2025
- Rekordwärme der Ozeane
WMO-Klimabericht bestätigt beschleunigte Erderwärmung
Die WMO hat am Welttag der Meteorologie ihren Jahresbericht zum Zustand des Weltklimas veröffentlicht. Laut der Organisation handelt es sich um den umfassendsten Klimazustandsbericht des UN-Systems. Er basiert auf neun internationalen Temperaturdatensätzen.
Die globale Durchschnittstemperatur lag 2025 demnach bei 1,43 °C ± 0,13 °C über dem vorindustriellen Niveau. Das liegt etwas unter dem im Januar publizierten Wert des Wetterbeobachtungsdienstes Copernicus von 1,47 °C, der auf einem einzigen Datensatz (ERA5) basierte.
2024 bleibt mit 1,55 °C das wärmste Jahr aller Zeiten. Bemerkenswert: 2025 war laut WMO das wärmste Jahr ohne El-Niño-Bedingungen, das jemals gemessen wurde.
Warum die WMO einen neuen Indikator nutzt
Erstmals hat die WMO das Energieungleichgewicht der Erde (Earth’s Energy Imbalance, EEI) als Schlüsselindikator in ihren Bericht aufgenommen. Er misst, wie viel mehr Energie die Erde aufnimmt, als sie wieder abgibt. 2025 erreichte dieser Indikator den höchsten Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 1960.
Der Ozean speichert mehr als 91 % dieser überschüssigen Energie. Sein Wärmeinhalt erreichte 2025 zum neunten Mal in Folge einen Rekord. Die Erwärmungsrate der Ozeane hat sich in den letzten 20 Jahren (11,0–12,2 Zettajoule pro Jahr) im Vergleich zum Zeitraum 1960 bis 2005 (3,1–3,9 ZJ/Jahr) mehr als verdoppelt: Das entspricht dem Achtzehnfachen des jährlichen menschlichen Energieverbrauchs. Trotz La-Niña-Bedingungen erlebten 90 % der Meeresoberfläche mindestens eine marine Hitzewelle.
Meeresspiegel und CO₂ steigen beschleunigt
Auch der Meeresspiegel steigt beschleunigt: Ende 2025 lag er rund 11 cm über dem Beginn der Satellitenmessungen 1993. Die Anstiegsrate hat sich von 2,65 mm pro Jahr (1993–2011) auf 4,75 mm pro Jahr (2012–2025) fast verdoppelt. Die CO₂-Konzentration erreichte 2024 mit 423,9 ppm den höchsten Stand seit zwei Millionen Jahren, der Anstieg um 3,5 ppm war der größte seit Beginn moderner Messungen 1957. Hauptursache sind die anhaltenden fossilen Emissionen, ein Anstieg der Emissionen aus Waldbränden sowie der Rückgang natürlicher Senken. Auch 2025 stiegen die Werte weiter.
Verheerende Extremereignisse weltweit
2025 war auch ein Jahr verheerender Extremereignisse. Der WMO-Bericht dokumentiert unter anderem:
- Hurrikan Melissa traf Jamaika Ende Oktober mit 298 km/h Windgeschwindigkeit und einem Rekord-Kerndruck von 892 hPa. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf mindestens 8,8 Mrd. US-Dollar.
- Die Waldbrände in Südkalifornien im Januar verursachten über 60 Mrd. US-Dollar Schaden, den höchsten Wert aller Zeiten bei einem Waldbrandereignis.
- In Europa brachen Hitzerekorde: Portugal verzeichnete 46,6 °C im Juni, die Türkei 50,5 °C im Juli, Japan 41,8 °C im August.
- Die Zyklone Senyar und Ditwah forderten im November mehr als 2000 Todesopfer in Südostasien bei über 20 Mrd. US-Dollar Schaden.
- In Spanien brannten bis Jahresende mehr als 390.000 Hektar – das Fünffache des Durchschnitts der Vorjahre.
- Sturzfluten in Texas töteten im Juli 135 Menschen – die schlimmste Binnenhochwasserkatastrophe in den USA seit fast 50 Jahren.
Erstmals Kapitel zu Klima und Gesundheit
Auch inhaltlich geht die WMO neue Wege: Erstmals enthält der Bericht ein Kapitel zu Klima und Gesundheit. Der Schwerpunkt liegt auf Dengue-Fieber, dessen Verbreitungsgebiet sich durch steigende Temperaturen ausdehnt. Die gemeldeten Fälle sind laut WHO auf dem höchsten Stand aller Zeiten.
Zudem analysiert der Bericht Hitzestress am Arbeitsplatz: Mehr als ein Drittel der weltweiten Belegschaft (1,2 Mrd. Menschen) ist demnach mindestens zeitweise Hitzerisiken ausgesetzt. Dennoch biete nur etwa die Hälfte aller Länder hitzebasierte Frühwarndienste für den Gesundheitssektor an.
UN-Generalsekretär António Guterres fand drastische Worte für den Bericht: Der Zustand des Weltklimas sei ein Notfall, jeder zentrale Klimaindikator stehe auf Rot. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo betonte, dass die Menschheit mit den Konsequenzen ihres Handelns Hunderte und Tausende von Jahren werde leben müssen. Die Ozeanerwärmung und der Meeresspiegelanstieg seien auf Jahrhunderte irreversibel.
Nein, das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad ist noch nicht gerissen. Kommt aber.

Damit ist das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, das die Erderwärmung auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzen will, noch nicht gerissen. Paris geht von einem längeren Zeitraum aus. Dass Paris wirklich eingehalten werden kann, darauf wollte bei einem Pressegespräch am 12. Januar allerdings keine der beteiligten Expertinnen und Experten wetten.
Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Dienstes zum Klimawandel, sieht in den Zahlen für 2025 einen weiteren „Beweis für den unverkennbaren Trend zu einem heißeren Klima. Die Welt nähert sich rasch der im Pariser Abkommen festgelegten langfristigen Temperaturgrenze. Wir werden sie zwangsläufig überschreiten.“ Die Frage sei vielmehr, wie wir mit der unvermeidlichen Überschreitung und ihren Folgen für Gesellschaften und natürliche Systeme am besten umgehen könnten.
Erwärmt sich die Erde mit dem bisherigen Tempo weiter, könnte das im Pariser Übereinkommen festgelegte Ziel von 1,5 °C bereits bis zum Ende dieses Jahrzehnts erreicht sein. Als die Staaten das Abkommen 2015 unterzeichneten, ging man noch von 2040 aus.
2025, ein Klimajahr der Paradoxe
2025 war ein erheblicher Teil der Erde deutlich wärmer als im bisherigen Durchschnitt. Allerdings: Die Luft- und Meeresoberflächentemperaturen in den Tropen waren niedriger als 2023 und 2024, lagen jedoch in vielen anderen Gebieten immer noch weit über dem Mittel. Die Ursache ist das Anhalten von nahezu durchschnittlichen oder schwachen La-Niña-Bedingungen im äquatorialen Pazifik während des gesamten Jahres 2025.
Die höheren Temperaturen der beiden Vorjahre waren teilweise durch ein starkes El-Niño-Ereignis beeinflusst. Auch die Temperaturen über dem tropischen Atlantik und dem Indischen Ozean waren 2025 weniger extrem als 2024.
La-Niña gehört zum großskaligen Klimaphänomen „El Niño–Southern Oscillation“ (Enso). Die eher erwärmenden El-Niño- und eher kühlenden La-Niña-Ereignisse und andere Faktoren der Ozeanvariabilität führen zu zeitweisen Effekten im Klimasystem. Generell verstärkt der Klimawandel das Gesamtsystem des Enso.
Copernicus-Klimabeobachtungen werden wichtiger, wenn die USA aus der Klimaforschung aussteigen
Mauro Facchini, Leiter der Abteilung Erdbeobachtung in der Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Weltraum der Europäischen Kommission, führt aus: „Copernicus wurde ins Leben gerufen, um zuverlässige, unabhängige Erkenntnisse über das Klima und die Atmosphäre für fundierte Entscheidungen zur Verfügung zu stellen. Die heutigen Ergebnisse zeigen, wie wichtig diese Mission geworden ist. Der Dreijahresdurchschnitt, der um mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau liegt, ist ein Meilenstein, den keiner von uns erreichen wollte.“
In Zeiten, in denen sich die USA aus zahlreichen globalen Organisationen zurückziehen, bleibt abzuwarten, inwieweit sich die beiden US-Organisationen Nasa und NOAA weiterhin an der jährlichen Veröffentlichung der Klimadaten beteiligen werden. Facchini erwartet, dass „Copernicus eine wichtige Rolle bei der Umsetzung maßgeschneiderter neuer Instrumente für die Klimaresilienz und das Risikomanagement in Europa spielen wird.“
Hitzewellen und andere regionale Extreme prägen 2025
Dass Klimaforschung nicht nur die Klimaerwärmung dokumentiert, sondern die Daten lokal und regional helfen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, ist eine wichtige Erkenntnis der Klimadaten für das Jahr 2025. Europa war von den Klimaextremen 2025 besonders betroffen, die Oberflächentemperaturen erreichten hier einen neuen Rekordwert. Abzulesen auch an den Hitzewellen, die durch Europa schwappten.
Weltweit war die Hälfte der weltweiten Landfläche mehr als durchschnittlich vielen Tagen mit starker Hitzebelastung ausgesetzt – definiert als gefühlte Temperatur von 32 °C oder mehr. Hitzebelastung wird von der WHO als Hauptursache für wetterbedingte Todesfälle weltweit anerkannt. In Gebieten mit trockenen und oft windigen Bedingungen trugen hohe Temperaturen auch zur Ausbreitung und Verschärfung außergewöhnlicher Waldbrände bei, die Kohlenstoff, giftige Luftschadstoffe wie Feinstaub und Ozon produzieren, was sich auf die menschliche Gesundheit auswirkt.
Rekordwärme der Ozeane

In etwa 9 % der extrapolaren Ozeane wurden im Jahr 2025 neue Rekordwerte der jährlichen Meeresoberflächentemperatur gemessen. Über 42 % dieser Meeresgebiete waren die Temperaturen „viel wärmer als im Durchschnitt“. Rekordhohe Temperaturen traten insbesondere in folgenden Regionen auf:
- Westlicher und nordwestlicher Pazifik
- Indischer Sektor des Südpolarmeeres
- Nordöstlicher Nordatlantik sowie die angrenzende Norwegische See und die Barentssee
- Teile des westlichen Mittelmeers
Gleichzeitig war 2025 ein Jahr, in dem die kombinierte Meereisbedeckung beider Pole auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Satellitenbeobachtungen Ende der 1970er-Jahre schrumpfte.
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