Vier Bergepanzer, zehn Hubschrauber: Warum im Hürtgenwald so viel Spezialtechnik nötig ist
Vier Bergepanzer, zehn Hubschrauber und ein 10.000-l-Forwarder kämpfen im Hürtgenwald gegen Feuer und gefährliche Weltkriegsmunition.
Waldbrand im Hürtgenwald: Weltkriegsmunition erschwert den Bodenangriff. Spezialfahrzeuge, Hubschrauber und Gegenfeuer sind im Einsatz.
Foto: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Vier Bergepanzer schlagen Schneisen durch den Wald. Zehn Hubschrauber stehen für Löschangriffe aus der Luft bereit. Ein spezielles Forstfahrzeug bringt 10.000 l Wasser ins Gelände, Landwirte fahren mit großen Wasserfässern zwischen Teichen, Talsperren und Einsatzgebiet. Rund 1400 Kräfte kämpfen inzwischen gegen den Waldbrand im Hürtgenwald.
Der massive Technikeinsatz zeigt Wirkung. In der Nacht zum Samstag hat sich der Brand nach Angaben des Kreises Düren nicht weiter ausgebreitet. Die Einsatzleitung bezeichnet die Lage am 15. August als „statisch“. Entwarnung bedeutet das nicht: Rund 300 ha Wald sind nach Angaben des Kreises betroffen, der Ortsteil Gey bleibt evakuiert und aufkommender Wind könnte die Lage erneut verändern. Die nordrhein-westfälische Landesregierung geht davon aus, dass es sich wahrscheinlich um den größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes handelt. Eine endgültige Flächenbilanz ist allerdings erst nach Abschluss der Löscharbeiten möglich.
Dass ein Waldbrand einen solchen Aufwand verlangt, liegt nicht nur an Trockenheit, Wind und schwierigem Gelände. Im Hürtgenwald kommt eine Altlast hinzu, die klassische Methoden der Waldbrandbekämpfung teilweise unmöglich macht: Im Boden liegen noch immer Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg.
Inhaltsverzeichnis
- Explosionen im Wald: Warum die Feuerwehr nicht überall zum Feuer kann
- Vier Bergepanzer schlagen Schneisen durch den Wald
- Zehn Hubschrauber bekämpfen das Feuer aus der Luft
- Warum Löschhubschrauber allein nicht reichen
- 10.000 l Wasser auf einer Forstmaschine
- Gegenfeuer nimmt dem Brand den Brennstoff
- Auch das Löschwasser wird zur logistischen Herausforderung
- Spezialfahrzeuge für munitionsbelastete Wälder
Explosionen im Wald: Warum die Feuerwehr nicht überall zum Feuer kann
Während des Einsatzes kam es bereits zu Explosionen von Weltkriegsmunition. Das überrascht kaum: Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe. Bis heute liegen dort Granaten, Blindgänger, Minen und andere Kampfmittel im Boden.
Für die Feuerwehr ist das ein erhebliches Problem. Normalerweise versuchen Einsatzkräfte bei einem Vegetationsbrand, möglichst nah an die Brandkante vorzurücken. Dort können sie Flammen direkt löschen, Glutnester freilegen und brennendes Material entfernen.
Auf munitionsbelasteten Flächen ist genau das nur eingeschränkt möglich. Einsatzkräfte können nicht jeden Bereich zu Fuß betreten, auch Fahrzeuge dürfen nicht überall eingesetzt werden. Deshalb muss die Löschtaktik angepasst werden: Kontrolllinien und Schneisen sollen die Ausbreitung bremsen, Wasser wird teilweise aus größerer Entfernung eingesetzt und besonders gefährdete Bereiche werden verstärkt aus der Luft bekämpft.

Vier Bergepanzer schlagen Schneisen durch den Wald
Besonders auffällig ist die Unterstützung durch die Bundeswehr. Seit Samstag sind vier Bergepanzer im Hürtgenwald im Einsatz. Es handelt sich nicht um Kampfpanzer, sondern um schwere gepanzerte Kettenfahrzeuge, die normalerweise beschädigte oder liegengebliebene Militärfahrzeuge bergen.
Eingesetzt werden Bergepanzer 2 der Technischen Schule des Heeres aus Aachen sowie Bergepanzer 3 Büffel des Versorgungsbataillons 7 aus Unna. Im Hürtgenwald übernehmen sie eine andere Aufgabe: Sie schaffen Schneisen und Kontrolllinien, um dem Feuer den Brennstoff zu nehmen.
Dafür werden Bäume, Sträucher und andere Vegetation entfernt. Trifft die Feuerfront auf einen solchen Bereich, kann sie sich dort deutlich schwerer weiter ausbreiten. Wie breit die Schneise sein muss, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von Vegetation, Gelände, Wind und Stärke des Feuers.
Ein weiterer Vorteil der Bergepanzer ist der Schutz ihrer Besatzung. Vollständig sicher sind die Fahrzeuge auf munitionsbelastetem Gelände aber nicht. Waldbrandexperte Ulrich Cimolino vom Deutschen Feuerwehrverband weist darauf hin, dass die Panzerung zwar Schutz vor seitlich explodierender Munition bieten kann. Gegen im Boden liegende Minen hilft sie jedoch nur begrenzt. Deshalb müssen Zufahrten und Einsatzbereiche zuvor bewertet oder von Kampfmitteln geräumt werden.

Zehn Hubschrauber bekämpfen das Feuer aus der Luft
Auch aus der Luft wurde der Einsatz deutlich verstärkt. Am Samstag stehen nach Angaben des Kreises Düren insgesamt zehn Hubschrauber von Bundespolizei, Landespolizei und Bundeswehr für die Brandbekämpfung bereit.
Allein zwei NH90 der Bundeswehr warfen am Freitag rund 57.000 l Löschwasser über dem Brandgebiet ab. Am Samstag kommen zusätzlich zwei CH-53 der Luftwaffe hinzu. Die vier Bundeswehrmaschinen stammen vom Transporthubschrauberregiment 10 aus Faßberg und vom Hubschraubergeschwader 64 aus Holzdorf.
Die CH-53 kann bei der Waldbrandbekämpfung bis zu 5000 l Wasser in einem Außenlastbehälter transportieren. Dafür wird ein sogenannter Smokey oder Bambi Bucket unter dem Hubschrauber eingehängt, in einem geeigneten Gewässer gefüllt und anschließend über dem Brandgebiet entleert.
Warum Löschhubschrauber allein nicht reichen
So wichtig die Unterstützung aus der Luft ist: Einen Waldbrand können Hubschrauber meist nicht allein löschen. Ein Wasserabwurf drückt die Flammen zurück und kühlt den betroffenen Bereich, doch Glut kann unter Laub, Totholz oder im Boden weiterbrennen.
Deshalb müssen Einsatzkräfte nach einem Abwurf möglichst schnell am Boden nacharbeiten. Genau das ist im Hürtgenwald wegen der Kampfmittelbelastung vielerorts nur eingeschränkt möglich. Dadurch verliert auch der Löschangriff aus der Luft einen Teil seiner Wirkung.
Hinzu kommt die notwendige Sicherheitsdistanz. Auf Munitionsverdachtsflächen können nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbands Abwurfhöhen von mehr als 500 m erforderlich sein. Aus großer Höhe verteilt sich das Wasser jedoch stärker. Bei hohen Temperaturen kann ein Teil zudem zerstäuben oder verdunsten, bevor er den Boden erreicht. Das erschwert einen gezielten und wirksamen Löschangriff zusätzlich.

10.000 l Wasser auf einer Forstmaschine
Neben Bergepanzern und Löschhubschraubern ist im Hürtgenwald noch ein weiteres Spezialfahrzeug im Einsatz: der Fire Fighter von Wald und Holz NRW. Dahinter steckt ein 10.000-l-Wassertank auf einem sogenannten Forwarder – einer geländegängigen Forstmaschine, die normalerweise Holz aus schwer zugänglichem Gelände transportiert.
Genau das macht das Fahrzeug für Waldbrände interessant. Es kommt auch dort voran, wo steile Hänge, weicher Untergrund oder fehlende Waldwege klassische Löschfahrzeuge ausbremsen.
Der Tank lässt sich nach Angaben des Landes in rund sieben Minuten befüllen. Ein ferngesteuerter Wasserwerfer gibt bis zu 900 l/min ab und erreicht Brandstellen in bis zu etwa 50 m Entfernung. Bedient werden kann er aus bis zu 100 m Entfernung.
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: Nordrhein-Westfalen hatte den zweiten dieser Fire Fighter erst wenige Wochen vor dem Brand in Dienst gestellt – und zwar im Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde. Ein weiteres Fahrzeug steht im Arnsberger Wald. Damit kommt die Spezialtechnik nun genau in dem Gelände zum Einsatz, für das sie angeschafft wurde.
Gegenfeuer nimmt dem Brand den Brennstoff
Im Hürtgenwald setzt die Feuerwehr nicht nur auf Löschwasser. Am Freitag kamen auch Gegenfeuer zum Einsatz. Dabei wird Vegetation vor der herannahenden Feuerfront kontrolliert abgebrannt. Trifft der eigentliche Waldbrand später auf diese Fläche, findet er dort deutlich weniger brennbares Material vor und kann sich schwerer ausbreiten.
Die Methode ist allerdings anspruchsvoll. Windrichtung, Windstärke, Gelände und Brandverhalten müssen genau eingeschätzt werden. Ändern sich die Bedingungen, kann auch ein kontrolliert gelegtes Feuer außer Kontrolle geraten.
Im Hürtgenwald ergänzt das Gegenfeuer deshalb andere Maßnahmen wie Schneisen, Wasserwerfer und Löschangriffe aus der Luft. Der Kreis Düren meldete am Freitag eine Mischung aus Boden- und Wipfelfeuern. Besonders kritisch wird es, wenn die Flammen in die Baumkronen übergreifen, weil sich das Feuer dann deutlich schneller ausbreiten kann.

Auch das Löschwasser wird zur logistischen Herausforderung
Der massive Einsatz von Fahrzeugen und Hubschraubern hat noch eine weitere Folge: Sie brauchen ständig neues Löschwasser.
Am Samstag rief der Kreis Düren deshalb die Bewohner mehrerer Ortsteile dazu auf, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Zusätzlich bringen Landwirte und Fuhrunternehmen Wasser aus Teichen, Seen und Talsperren ins Einsatzgebiet. Für private Hilfsangebote werden inzwischen nur noch Wasserfässer mit einem Fassungsvermögen von mehr als 8000 l benötigt.
Damit wird die Wasserversorgung selbst zu einem wichtigen Teil des Einsatzes. Wasserwerfer, Löschfahrzeuge und Spezialmaschinen müssen laufend versorgt werden. Gleichzeitig sind die Hubschrauber auf geeignete Wasserentnahmestellen angewiesen, die möglichst nah am Brandgebiet liegen.
Denn bei Löschflügen zählt nicht nur, wie viel Wasser ein Hubschrauber transportieren kann. Entscheidend ist auch, wie schnell er Wasser aufnehmen, zum Brand fliegen, abwerfen und zurückkehren kann. Je länger dieser Kreislauf dauert, desto weniger Löschwasser erreicht über mehrere Stunden hinweg tatsächlich das Feuer.
Spezialfahrzeuge für munitionsbelastete Wälder
Der Einsatz im Hürtgenwald wirft auch die Frage auf, wie gut Feuerwehren auf Brände in munitionsbelasteten Gebieten vorbereitet sind.
Waldbrandexperte Ulrich Cimolino sieht hier Nachholbedarf. Er verweist auf Brandenburg, wo drei ferngesteuerte Spezialfahrzeuge für Einsätze auf solchen Flächen beschafft wurden. Sie können in gefährdete Bereiche vordringen, ohne dass sich eine Besatzung direkt im Fahrzeug aufhalten muss.
Ob solche Fahrzeuge den Einsatz im Hürtgenwald entscheidend erleichtert hätten, lässt sich nicht pauschal sagen. Gelände, Vegetation und Kampfmittelbelastung unterscheiden sich von Region zu Region. Klar ist aber: Je größer der Abstand zwischen Einsatzkräften und Gefahrenzone, desto sicherer lassen sich Brände auf munitionsbelasteten Flächen bekämpfen.
Quellen
- Kreis Düren: Aktuelle Lageinformationen zum Waldbrand im Hürtgenwald, laufend aktualisiert am 15.8.2026
- Kreis Düren: „Waldbrand im Hürtgenwald: Die Lage am Samstagmorgen“, 15.8.2026
- Bundeswehr: „Bundeswehr hilft bei Waldbrandbekämpfung in der Eifel“, Update vom 15.8.2026
- Land Nordrhein-Westfalen: „Akute Waldbrand-Lage im Hürtgenwald“, 14.8.2026
- Land Nordrhein-Westfalen: Technische Daten des Fire Fighters, 17.7.2026
- Deutscher Feuerwehrverband: Fachempfehlung „Luftfahrzeugeinsatz/Aerial Firefighting Air Operations“
- WDR: „Erbe des Zweiten Weltkriegs erschwert Löscharbeiten“, 14.8.2026
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