Plastikmüll bekämpfen 05.06.2024, 10:45 Uhr

Plastik fressender Meerespilz entdeckt: Gibt es noch viele mehr davon?

Nach wie vor gelangt viel Plastikmüll ins Meer. Forschende aus den Niederlanden haben nun einen neuen Pilz entdeckt, der den Kunststoff Polyethylen abbauen kann.

Plastikmüll im Meer

Plastikmüll im Meer ist eine ökologische Katastrophe.

Foto: PantherMedia / gualtiero boffi

Ein im Meer lebender Pilz kann den Kunststoff Polyethylen abbauen, wenn dieser zuvor der UV-Strahlung des Sonnenlichts ausgesetzt wurde. Forschende des Königlich Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) und weitere internationale Partner veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment. Sie vermuten, dass in tieferen Ozeanschichten noch viele weitere plastikabbauende Pilze existieren.

Der Pilz und seine Umgebung

Der Pilz mit dem Namen Parengyodontium album lebt gemeinsam mit anderen Mikroben in dünnen Schichten aus Plastikmüll im Meer. Das Forschungsteam stellte fest, dass dieser Pilz in der Lage ist, Polyethylen (PE), den häufigsten Kunststoff im Meer, abzubauen. Diese Entdeckung erweitert die bisher bekannte Liste der plastikabbauenden Meerespilze, zu der bislang nur vier Arten gehörten.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten den Plastikmüll in den stark verschmutzten Bereichen des Nordpazifiks. Dort isolierten sie den Pilz und züchteten ihn im Labor auf speziell markiertem Kunststoff. Hauptautorin Annika Vaksmaa vom NIOZ erklärt, dass sie mit 13C-Isotopen den Abbauprozess genau verfolgen konnten. „Unsere Forschung zeigt, dass P. album PE mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,05 Prozent pro Tag abbaut. Dabei wird der meiste Kohlenstoff aus dem PE in Kohlendioxid umgewandelt, das der Pilz wieder ausscheidet.“

Ein Plastikteilchen (rot) wird von dem Meerespilz Parengyodontium album besiedelt

Ein Plastikteilchen (rot) wird von dem Meerespilz Parengyodontium album besiedelt.

Foto: Annika Vaksmaa/NIOZ

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UV-Licht als notwendiger Faktor

Für den Abbau von PE benötigt der Pilz Sonnenlicht. Im Labor zeigte sich, dass P. album nur PE abbauen kann, das zuvor UV-Licht ausgesetzt war. Das bedeutet, dass der Pilz im Meer nur Plastik abbauen kann, das nahe der Oberfläche schwimmt. UV-Licht erleichtert nicht nur den mechanischen Abbau von Plastik, sondern auch den biologischen Abbau durch marine Pilze.

Da viele Kunststoffe in tiefere Meeresschichten absinken, bevor sie UV-Licht ausgesetzt sind, geht Vaksmaa davon aus, dass es noch weitere unbekannte Pilze gibt, die Plastik abbauen können. Diese könnten in den tieferen Schichten des Ozeans aktiv sein. Meerespilze haben die Fähigkeit, komplexe kohlenstoffhaltige Materialien zu zersetzen, und es gibt zahlreiche Arten, die möglicherweise zum Plastikabbau beitragen könnten.

Dringender Handlungsbedarf

Die Suche nach plastikabbauenden Organismen ist dringend notwendig. Jährlich produziert der Mensch mehr als 400 Milliarden Kilogramm Plastik, und diese Menge könnte sich bis 2060 mindestens verdreifachen. Ein erheblicher Teil dieses Plastikmülls gelangt ins Meer und sammelt sich in subtropischen Wirbeln.

Allein im Subtropischen Wirbel des Nordpazifiks schwimmen bereits 80 Millionen Kilogramm Plastik. Es ist daher von großer Bedeutung, effektive Methoden zur Reduzierung dieser Verschmutzung zu finden. Der pazifische Müllstrudel wird auch als Great Pacific Garbage Patch bezeichnet.

Die Ansammlung von Plastik und schwimmendem Müll stammt aus dem pazifischen Raum, zum Beispiel aus Ländern in Asien, Nordamerika und Südamerika. Erstmals wurde die Müllansammlung  1988 in einem von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) veröffentlichten Papier beschrieben. Die Beschreibung beruhte auf Untersuchungen mehrerer Forscher aus Alaska, die 1988 im Nordpazifik neustonisches Plastik gemessen hatten.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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