EU-Satellitendienst Copernicus 14.01.2026, 04:21 Uhr

Klima: 2025 drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen

Die Atmosphäre der Erde erwärmt sich weiter viel zu schnell. Eine Pause ist nicht in Sicht, berichtet der EU-Klimawandeldienst Copernicus.

Wildfire In Delvine, South-East Albania - 13 August 2025

Ein allbanischer Militärhubschrauber bei der Feuerbekämpfung im August 2025. Eine Hitzewelle mit temperaturen über 40 ° C traf Albanien und andere Balkanländer im Sommer des vergangene Jahres. Dass Hitzewellen verstärkt auftreten, ist nach dem jüngesten Klimabericht des EU-Satellitendienstes Coperniucs im Rahmen des zunehmenden Klimawandels zu erwarten.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gent Shkullaku

Die Erderwärmung legt keine Pause ein – nicht wirklich, wie erste Auswertung von Daten des europäischen Umweltsatellitendienstes Copernicus und anderer Klimaforschungseinrichtungen belegen. 2025 war demnach das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – nach 2024 (0,13 °C wärmer als 2025 )und 2023 (0,01 °C wärmer als 2025). Smanatha Burgess, stellvertretende Direktorin des Copernicus-Klimawandel-Dienstes (C3S), nannte „2025 eine anderes außergewöhnliches Jahr für unseren Planeten.“

Das war von der Australierin bei der Vorstellung der Ergebnisse nicht positiv gemeint. Die drei Jahre 2023 bis 2025 haben es nach Angabe von Copernicus in sich. Sie waren aus zwei Gründen außergewöhnlich warm:

  • Die Emissionen hielten an, gleichzeitig nahmen natürliche Senken weniger CO2 auf. Als Folge reichten sich mehr Treibhausgase in der Atmosphäre an als zuvor.
  • Die Meeresoberflächentemperaturen im Ozean waren außergewöhnlich hoch. Ursache war ein großskaliges Klimaphänomen, das die Wissenschaft „El Niño–Southern Oscillation“ (Enso) nennt. Das El-Niño-Ereignis und anderen Faktoren der Ozeanvariabilität erwärmten die Meere. Das Gesamtsystem des Enso selbst wiederum wird durch durch den Klimawandel verstärkt.

2025 reiht sich ein in ein Jahr der Wärmerekorde

Im Jahr 2025 lag die globale Oberflächenlufttemperatur der Erde um 1,47 °C über dem vorindustriellen Niveau. Im bisher wärmsten Jahr der Aufzeichnungen, 2024, lag sie 1,60 °C darüber. Der weltweite Klimareanalyse-Datensatz ERA5, den das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) erstellt, deckt den Zeitraum von Januar 1940 bis heute ab.

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2024 gilt als wärmste Jahr aller Zeiten. 2025 reiht sich eine in eine Dekade sehr warmer Jahre: Die letzten elf Jahre waren die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Und die globalen Temperaturen der letzten drei Jahre (2023 bis 2025) lagen im Durchschnitt um mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900). Damit wurde zum ersten Mal die Grenze von 1,5 °C in einem Dreijahreszeitraum überschritten.

Nein, das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad ist noch nicht gerissen. Kommt aber.

Seit 25 Jahren wird es immer wärmer, wie aus dieser Graifk zu entnehmen ist. sie zeigt die jährliche Abweichungen der bodennahen Lufttemperatur von 2001 bis 2025 im Vergleich zum Mittelwert des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020. Die nichtlineare Farbskala dient zur besseren Sichtbarkeit kleinerer Abweichungen und zur Unterscheidung größerer Unterschiede. Datenquelle: ERA5. Foto/Grafik: C3S/ECMWF.

Damit ist das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, dass die Erderwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzen will, noch nicht gerissen. Paris geht von einem längeren Zeitraum aus. Dass Paris wirklich eingehalten werden kann, darauf wollte bei einem Pressegespräch am 12. Januar allerdings keine der beteiligten Expertinnen und Experten wirklich wetten.

Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Dienstes zum Klimawandel, sieht in den Zahlen für 2025 einen weiteren „Beweis für den unverkennbaren Trend zu einem heißeren Klima. Die Welt nähert sich rasch der im Pariser Abkommen festgelegten langfristigen Temperaturgrenze. Wir werden sie zwangsläufig überschreiten.“ Die Frage sei vielmehr, wie wir mit der unvermeidlichen Überschreitung und ihren Folgen für Gesellschaften und natürliche Systeme am besten umgehen könnten.

Die Wissenschaft jedenfalls schätzt – unter Verwendung verschiedener Methoden – das aktuelle Niveau der langfristigen Erderwärmung auf etwa 1,4 °C über dem vorindustriellen Niveau ein. Erwärmt sich die Erde mit dem bisherigen Tempo weiter, könnte das im Übereinkommen von Paris festgelegte Ziel von 1,5 °C bereits bis zum Ende dieses Jahrzehnts, also 2030, erreicht sein. Als 2015 die Staaten der Welt das Abkommen in Paris unterzeichneten, ging man noch von 2040 aus. Es ist also deutlich schneller wärmer geworden.

2025 ein Klimajahr der Paradoxe: Lokale Rekorde an den Polen, kühlere Tropen

2025 war ein erheblicher Teil der Erde deutlich wärmer als im bisherigen Durchschnitt. Allerdings: Die Luft- und Meeresoberflächentemperaturen in den Tropen waren niedriger als 2023 und 2024, lagen jedoch in vielen Gebieten außerhalb der Tropen immer noch weit über dem Mittel. Ursache: das Anhalten von nahezu durchschnittlichen oder schwachen La-Niña-Bedingungen im äquatorialen Pazifik während des gesamten Jahres 2025 zurückzuführen. Die höheren Temperaturen der beiden Vorjahre waren teilweise durch ein starkes El-Niño-Ereignis beeinflusst. Auch die Temperaturen über dem tropischen Atlantik und dem Indischen Ozean waren 2025 weniger extrem als 2024.

Verteilung der täglichen globalen Anomalien der bodennahen Lufttemperatur in °C relativ zum Zeitraum 1991 bis 2020 für jedes Jahr von 1940 bis 2025. Ausgewählte wichtige Klimaereignisse sind markiert. Visualisierung basierend auf der Arbeit von Erwan Rivault (BBC). Datenquelle: ERA5. Foto/Grafik: C3S/ECMWF.

La-Niña- gehört zum großskaligen Klimaphänomen „El Niño–Southern Oscillation“ (Enso). Die eher erwärmenden El-Niño- und eher kühlenden La-Niña-Ereignisse und anderen Faktoren der Ozeanvariabilität führen zu zeitweisen Effekten im Klimasystem. Generell verstärkt der Klimawandel das Gesamtsystem des Enso.

Höhere Temperaturen in den Polarregionen glichen die niedrigeren Temperaturen in den Tropen teilweise aus. Die Jahresdurchschnittstemperaturen erreichten ihren höchsten jemals gemessenen Wert in der Antarktis und ihren zweithöchsten Wert in der Arktis. Rekordhohe Jahrestemperaturen wurden auch in mehreren anderen Regionen beobachtet, insbesondere im nordwestlichen und südwestlichen Pazifik, im nordöstlichen Atlantik, im fernöstlichen und nordwestlichen Europa sowie in Zentralasien.

Copernicus-Klimabeobachtungen werden wichtiger, wenn die USA aus der Klimaforschung aussteigen

Mauro Facchini, Leiter der Abteilung Erdbeobachtung in der Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Weltraum der Europäischen Kommission, führt aus: „Copernicus wurde ins Leben gerufen, um zuverlässige, unabhängige Erkenntnisse über das Klima und die Atmosphäre für fundierte Entscheidungen zur Verfügung zu stellen. Die heutigen Ergebnisse zeigen, wie wichtig diese Mission geworden ist. Der Dreijahresdurchschnitt, der um mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau liegt, ist ein Meilenstein, den keiner von uns erreichen wollte.“

In Zeiten, in denen die USA sich aus zahlreichen globalen Organisationen zurückzieht, bleibt abzuwarten, inwieweit in Zukunft die beiden behördlichen US-Organisationen Nasa und NOAA sich an der bisher jährlichen Veröffentlichung der Klimadaten weiter beteiligen werden. Facchini erwartet, dass „Copernicus eine wichtige Rolle bei der Umsetzung maßgeschneiderter neuer Instrumente für die Klimaresilienz und das Risikomanagement in Europa spielen wird.“

Hitzewellen und andere regionale Extreme prägen 2025

Anomalien in der Anzahl der Tage im Jahr 2025 mit mindestens starker Hitzebelastung (links) und mindestens starker Kältebelastung (rechts) im Vergleich zum Durchschnitt des Referenzzeitraums 1991 bis 2020. Ein Tag mit mindestens starker Hitzebelastung weist eine maximale gefühlte Temperatur von 32 °C oder mehr auf, ein Tag mit mindestens starker Kältebelastung eine minimale gefühlte Temperatur von -13 °C oder darunter. Datenquelle: ERA5-HEAT. Foto/Grafik: C3S/ECMWF.

Dass Klimaforschung nicht nur das Wärmer-Werden, den Klimawandel dokumentiert, sondern die Daten lokal und regional helfen, mit den Folgen das Klimawandels gut umgehen zu können, ist eine wichtige Erkenntnisse der Klimadaten für das Jahr 2025. Europa war von den Klimaextremen 2025 besonders betroffen, die Oberflächentemperaturen erreichten hier einen neuen Rekordwert. Abzulesen auch an den Hitzewellen, die durch Europa schwappten.

Weltweit war die Hälfte der weltweiten Landfläche mehr als durchschnittlich vielen Tagen mit starker Hitzebelastung ausgesetzt – definiert als gefühlte Temperatur von 32 °C oder mehr. Hitzebelastung wird von der WHO als Hauptursache für wetterbedingte Todesfälle weltweit anerkannt. In Gebieten mit trockenen und oft windigen Bedingungen trugen hohe Temperaturen auch zur Ausbreitung und Verschärfung außergewöhnlicher Waldbrände bei, die Kohlenstoff, giftige Luftschadstoffe wie Feinstaub und Ozon produzieren, was sich auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Jährliche Anomalien der bodennahen Lufttemperaturen 2025 im Vergleich zum Mittelwert des Referenzzeitraums 1991 bis 2020. Der Vergleich kann regional sehr unterscheidlich ausfalllen, wie die Tabelle zeigt. Datenquelle: ERA5. Foto/Grafik: C3S/ECMWF.

Betroffen besonders, so Daten des Copernicus-Dienst zur Überwachung der Atmosphäre (CMAS), waren dieses Jahr Teile Europas – wo die höchsten jährlichen Gesamtemissionen durch Waldbrände verzeichnet wurden – und auch Nordamerikas. Diese Emissionen verschlechterten die Luftqualität erheblich und hatten potenziell schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowohl auf lokaler als auch auf weitreichenderer Ebene.

Die außergewöhnlichen Bedingungen von 2025 traten in einem Jahr auf, das von bemerkenswerten Extremereignissen in vielen Regionen geprägt war, darunter Rekordhitzeperioden, schwere Stürme in Europa, Asien und Nordamerika sowie Waldbrände in Spanien, Kanada und Südkalifornien. Diese einzelnen Ereignisse werden in dem Bericht zwar nicht analysiert oder zugeordnet, aber sie bieten einen aktuellen Kontext für die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit für Klimarisiken im Jahr 2025.

Vor allem die Meere erwärmen sich deutlich stärker

Anomalien und Extremwerte der Meeresoberflächentemperatur für 2025. Die Werte wurden nur für eisfreie Ozeane berechnet. Datenquelle: ERA5. Foto/Grafik: C3S/ECMWF.

Die globale Meeresoberflächentemperatur (außerhalb der Pole) betrug 20,73 °C und war damit die drittwärmste nach 2024 und 2023. Dieser Wert liegt 0,38 °C über dem Referenzwert des Zeitraums 1991 bis 2020. Obwohl das Jahr insgesamt kühler war als 2024, blieben die Temperaturen im extrapolaren Ozean (60°S bis 60°N) das gesamte Jahr über auf einem historisch hohen Niveau, selbst ohne die verstärkende Wirkung eines El-Niño-Phänomens.

In etwa 9 % der extrapolaren Ozeane wurden im Jahr 2025 neue Rekordwerte der jährlichen Meeresoberflächentemperatur gemessen. Über 42 % dieser Meeresgebiete waren die Temperaturen „viel wärmer als im Durchschnitt“. Rekordhohe Temperaturen traten insbesondere in folgenden Regionen auf:

  • Westlicher und nordwestlicher Pazifik
  • Indischer Sektor des Südpolarmeeres
  • Nordöstlicher Nordatlantik sowie die angrenzende Norwegische See und die Barentssee
  • Teile des westlichen Mittelmeers

Gleichzeitig war 2025 ein Jahr, in dem die kombinierte Meereisbedeckung beider Pole auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Satellitenbeobachtungen Ende der 1970er-Jahre schrumpfte:

  • In der Arktis war die monatliche Meereisausdehnung im Januar, Februar, März und Dezember die niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen für diese Jahreszeit und im Juni und Oktober die zweitniedrigste. Der März stellte den niedrigsten jemals gemessenen jährlichen Höchstwert dar, während der September nur den 13. niedrigsten Wert erreichte.
  • In der Antarktis erreichte die monatliche Ausdehnung im Februar das viertniedrigste jährliche Minimum und im September das drittniedrigste jährliche Maximum.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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