Klimawandel 04.06.2025, 17:30 Uhr

Extremhitze in Europa bleibt auch nach Emissionsstopp bestehen

Eine neue Studie zeigt: Selbst wenn alle Treibhausgasemissionen sofort gestoppt würden, blieben Hitzerekorde in Europa über Jahrhunderte erhalten. Je später der Ausstoß endet, desto drastischer werden die Folgen – vor allem im Mittelmeerraum. Die Forschenden betonen: Jedes Jahr zählt, um das Klima für kommende Generationen zu schützen.

Ein Thermometer in direkter Sonnenstrahlung.

Die Extremhitze in Europa nimmt weiter zu.

Foto: PantherMedia / Taut (YAYMicro)

Hitzerekorde in Europa werden noch jahrhundertelang auftreten, selbst wenn die Weltgemeinschaft ab sofort keine Treibhausgase mehr ausstoßen würde. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Exzellenzclusters CLICCS der Universität Hamburg und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Kooperation mit australischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Forschenden warnen: Schon eine Verzögerung von wenigen Jahren beim Erreichen des „Netto-Null“-Ziels kann Häufigkeit und Intensität extremer Hitzetage spürbar erhöhen. Eduardo Alastrué de Asenjo, Doktorand bei CLICCS und Hauptautor der Studie, erklärt: „Der Zeitpunkt, an dem wir keine Treibhausgase mehr emittieren, ist entscheidend für die zukünftige Entwicklung von Extremhitze in Europa.“

In verschiedenen Szenarien simulierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie sich ein Emissionsstopp zwischen 2030 und 2060 auf das Klima auswirken würde. Das eindeutige Resultat: Je später das „Netto-Null“-Ziel erreicht wird, desto heißer und häufiger werden extreme Hitzetage in Zukunft auftreten. Schon eine Verzögerung um nur fünf Jahre führt zu messbaren Unterschieden, die selbst nach tausend Jahren noch spürbar sind. Besonders betroffen ist der Mittelmeerraum: Dort könnten Extremhitzewellen, wie es sie heute schon ab und zu gibt, dreißigmal häufiger vorkommen, falls die Emissionen erst 2060 gestoppt werden. In Mittel-, Ost- und Nordeuropa steigt das Risiko immerhin um das Zwei- bis Fünffache. Rekordtemperaturen, wie sie 2023 und 2019 gemessen wurden, wären dann keine Ausnahmen mehr, sondern die neue Normalität.

Auswirkungen von Extremhitze bleiben trotz „Netto-Null“ bestehen

Die Studie räumt zudem mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: Selbst wenn ab sofort keine Treibhausgase mehr ausgestoßen würden und das im Pariser Klimaabkommen angestrebte „Netto-Null“-Ziel sofort erreicht wäre, würde sich das Klima nicht schlagartig stabilisieren. Grund dafür sind beispielsweise die eher träge reagierenden Ozeane, die sich weiterhin langsam erwärmen und so den Klimawandel vorantreiben. „Was wir heute als Hitzerekorde erleben, wird in einem zukünftigen, stabilisierten Klima zur durchschnittlichen maximalen Jahrestemperatur werden“, sagt Alastrué de Asenjo vom Team für Klimamodellierung. Die Simulationen der Studie, die tausend Jahre in die Zukunft blicken, zeigen eindrücklich, dass die extremen Temperaturen langfristig auf einem konstant hohen Niveau bleiben werden.

Das Forscher-Team betont, dass jede Verzögerung beim Klimaschutz langfristige Konsequenzen hat – selbst, wenn die Emissionen irgendwann vollständig gestoppt würden. Strategien zur Anpassung an Extremhitze, etwa beim Hitzeschutz in Städten, in der Landwirtschaft oder im Gesundheitswesen, müssen deshalb über viele Generationen hinweg immer weiterentwickelt und umgesetzt werden. Nur so können die Folgen der anhaltenden Hitzebelastung für Mensch und Natur abgemildert werden.

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Langfristige Klimasimulationen zeigen Folgen von verzögertem Klimaschutz

Für ihre Studie nutzten Alastrué de Asenjo und seine Kolleginnen und Kollegen besonders langfristige Klimasimulationen. Sie untersuchten erstmals, wie sich die höchste gemessene Tagestemperatur eines Jahres über Zeiträume von bis zu einem Jahrtausend entwickelt und welche Auswirkungen ein späterer Emissionsstopp hat. Dabei betrachteten sie nicht nur die globale Durchschnittstemperatur, sondern analysierten ausdrücklich die Regionen Mittel- und Westeuropa, Nordeuropa, Osteuropa sowie den Mittelmeerraum. Die regionalen Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage, um Strategien zum Schutz vor Extremhitze in den verschiedenen Teilen Europas zu entwickeln.

Die Kernbotschaft der Studie ist eindeutig: „Es zählt jedes Jahr, in dem wir die Treibhausgasemissionen nicht deutlich reduzieren“, erklärt Eduardo Alastrué de Asenjo. „Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, bestimmen, wie heiß es in Europa über viele Generationen hinweg sein wird.“ Die Forschenden appellieren daher an die Politik, den Klimaschutz konsequent voranzutreiben und keine Zeit mehr zu verlieren. Nur durch entschlossenes Handeln ließen sich die verheerenden Langzeitfolgen von Extremhitze für die Menschen in Europa noch begrenzen.

Extremhitze erfordert entschlossenes Handeln – jetzt

Die vorliegende Studie verdeutlicht die dramatischen Konsequenzen, die eine Verzögerung beim Klimaschutz für die Menschen in Europa haben wird. Extremhitze wird über Jahrhunderte hinweg zur neuen Normalität, selbst wenn die Treibhausgasemissionen irgendwann vollständig gestoppt werden. Die Intensität und Häufigkeit von Hitzewellen hängt dabei entscheidend vom Zeitpunkt des Emissionsstopps ab. Um die schlimmsten Folgen abzuwenden, muss die Politik nach Angaben des Forscher-Teams jetzt entschlossen handeln und die Treibhausgasemissionen schnellstmöglich reduzieren. Gleichzeitig müssen langfristige Strategien entwickelt werden, um die Gesellschaft an die schon jetzt unvermeidlichen Auswirkungen der Extremhitze anzupassen.

Ein Beitrag von:

  • Julia Klinkusch

    Julia Klinkusch ist seit 2008 selbstständige Journalistin und hat sich auf Wissenschafts- und Gesundheitsthemen spezialisiert. Seit 2010 gehört sie zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima, KI, Technik, Umwelt, Medizin/Medizintechnik.

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