Kreislaufwirtschaft 22.07.2025, 17:30 Uhr

Erdüberlastungstag 2025: Kritisches Niveau erreicht

Der diesjährige Erdüberlastungstag fällt auf den 24. Juli und verdeutlicht die dramatische Übernutzung natürlicher Ressourcen. Der BUND fordert entschlossenes Handeln der Bundesregierung, um den Verbrauch durch gezielte Förderung der Kreislaufwirtschaft zu reduzieren.

Eine Weltkugel liegt auf einer Handfläche.

Der Mensch hat den Ressourcenverbrauch im wahrsten Wortsinn selbst in der Hand.

Foto: SmarterPix/jordygraph

Das Datum des globalen Erdüberlastungstags hat sich in diesem Jahr erneut nach vorne verschoben und fällt nun auf den 24. Juli. Dieser negative Trend zeigt, dass die Menschheit die natürlichen Ressourcen der Erde schneller verbraucht, als diese sich regenerieren können. Ab diesem symbolträchtigen Tag beanspruchen wir mehr Ackerland, Weideflächen, Fischgründe und Wälder, als uns rechnerisch zur Verfügung stehen. Zudem emittieren wir weitaus größere Mengen an Kohlendioxid, als Ozeane und Wälder aufnehmen können. Besonders Industrienationen wie Deutschland tragen zu dieser Entwicklung bei und gefährden damit langfristig unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Um dieser bedrohlichen Situation entgegenzuwirken, drängt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Bundesregierung zum raschen Ergreifen wirksamer Maßnahmen, die den Ressourcenverbrauch deutlich einschränken.

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, kritisiert den verschwenderischen Umgang mit wertvollen Ressourcen und betont die weitreichenden Konsequenzen: „Wir verschwenden unsere Ressourcen, als gäbe es kein Morgen. Wir übernutzen unser Wasser, unsere Böden und unsere Wälder. Die katastrophalen Folgen unseres Wirtschaftens wie Starkregen, Überschwemmungen und Trockenheit zeigen sich weltweit und auch bei uns immer deutlicher. Städte müssen sich anpassen; die Landwirtschaft muss sich umstellen; Mikro- und Nanoplastik sind überall. Wir sind abhängig von Rohstoffen, deren Abbau die Natur zerstört und die Klimakrise weiter befeuert.“ Der Erdüberlastungstag verdeutliche die Dringlichkeit eines Umdenkens und eines nachhaltigen Ressourcenmanagements.

Verfrühter Erdüberlastungstag als Warnsignal

Seit 1970 hat sich der Erdüberlastungstag im Kalender immer weiter nach vorne verlagert. Diese Entwicklung spiegelt den stetig wachsenden Verbrauch nachwachsender Rohstoffe wider, der sich in diesem Zeitraum ungefähr verdoppelt hat. Auch der Konsum nicht nachwachsender Ressourcen wie Metalle, Gas oder Baustoffe hat sich mehr als verdreifacht. Das verursacht spürbare Umweltschäden, trägt zu steigenden Treibhausgasemissionen bei und führt zu sozialen Verwerfungen.

Olaf Bandt betont die Notwendigkeit eines Systemwandels und zeigt konkrete Handlungsoptionen auf: „Wir leben in einem System, das immer mehr an seine Grenzen kommt. Doch wir können dagegen steuern: Mit besseren Mehrwegsystemen verbrauchen wir weniger Verpackungen und Plastik, Duch gutes Design halten unsere Elektrogeräten länger und sind leichter zu reparieren. Das ist nicht nur sinnvoll für die Umwelt, sondern schont auch noch den Geldbeutel.“

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BUND fordert ambitionierte Maßnahmen

Deutschland hat im vergangenen Jahr eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) verabschiedet, für die die neue Regierung derzeit ein „Eckpunktepapier kurzfristig realisierbarer Maßnahmen“ erarbeitet. Der BUND fordert, in diesem Papier einen rechtlichen Rahmen zu verankern, wie sich der Primärrohstoffverbrauch verringern lässt. Zudem sollten Maßnahmen aus der NKWS priorisiert, ein wirksames Monitoring etabliert und eine ausreichende Finanzierung sichergestellt werden. Aus Sicht des Umweltverbandes ist zudem eine starke Plattform unter Beteiligung der Zivilgesellschaft erforderlich, um den Wandel hin zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft voranzutreiben und den Erdüberlastungstag langfristig nach hinten zu verschieben.

Olaf Bandt begrüßt grundsätzlich das Bestreben der Bundesregierung, die Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken, mahnt jedoch an: „Um den Ressourcenverbrauch wirklich zu senken, reichen aber nicht nur ein paar Anreize hier und ein bisschen mehr Recycling da. Auf einem endlichen Planeten können wir mit unserer Wirtschaftsweise nicht auf ewig weiteres Wachstum setzen. Deshalb muss die Ressourcenverschwendung gestoppt werden. Deutschland hat die Köpfe und Unternehmen, die einen unabhängigen und beständigen Wohlstand trotz begrenzter inländischer Ressourcen sichern können.“

Erdüberlastungstag: Ressourcenschutzgesetz unbedingt notwendig

Um den Ressourcenverbrauch wirksam zu senken, fordert der BUND verbindliche Reduktionsziele im Rahmen eines Ressourcenschutzgesetzes. Weitere zentrale Maßnahmen sind die gezielte Förderung von Mehrwegsystemen, Recycling und der Einsatz von Sekundärrohstoffen. Dafür muss die Infrastruktur für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene gezielt ausgebaut und finanziell unterstützt werden, beispielsweise über den Klima- und Transformationsfonds. Nur so können wertvolle Ressourcen wie Holz, Kunststoffe, Metalle, Elektrogeräte oder Biomüll effektiv gesammelt, hochwertig recycelt oder wiederverwendet werden.

Der BUND betont jedoch auch die Grenzen der Kreislaufwirtschaft: Kreisläufe lassen sich physikalisch nicht vollständig schließen und Primärrohstoffe nur teilweise durch Sekundärrohstoffe ersetzen. Daher ist das in der NKWS verankerte Ziel, den Primärrohstoffverbrauch bis 2045 zu halbieren, ein richtiger Schritt. Darüber hinaus ist der BUND überzeugt, brauche es weiter verbindliche Ziele und ambitionierte Maßnahmen, wenn die angestrebte Lenkungswirkung und Planungssicherheit für die Wirtschaft auch Realität werden solle. Nur so lasse sich der Erdüberlastungstag langfristig wieder nach hinten verschieben.

Ein Beitrag von:

  • Julia Klinkusch

    Julia Klinkusch ist seit 2008 selbstständige Journalistin und hat sich auf Wissenschafts- und Gesundheitsthemen spezialisiert. Seit 2010 gehört sie zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima, KI, Technik, Umwelt, Medizin/Medizintechnik.

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