Extremwetterereignisse 06.06.2024, 15:10 Uhr

10-Punkte-Plan: Verbände fordern besseren Hochwasserschutz

Die beiden Verbände DNR und BDEW legen ein 10-Punkte-Papier zu Konsequenzen der Hochwasserkatastrophe in Süddeutschland vor.

Hochwasser

Extremwetterereignisse werden künftig immer häufiger für Hochwasser sorgen, es besteht dringender Handlungsbedarf.

Foto: PantherMedia / Chalabala

Die Hochwasserkatastrophe in Süddeutschland im Juni 2024 zeigt wiederholt, dass dringend etwas für den Hochwasserschutz getan werden muss. Der Deutsche Naturschutzring (DNR) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben aus diesem Anlass Handlungsempfehlungen zusammengestellt, welche Maßnahmen dringend angegangen werden müssen. Wir stellen Sie Ihnen vor.

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Empfehlung #1: Nachhaltiger Wasserrückhalt für stabile Landschaften

Ein nachhaltiger Wasserrückhalt in der Landschaft ist entscheidend, um Abflussspitzen zu mindern und die Versickerung zu fördern. Moore, Wälder und renaturierte Hangflächen verbessern den Wasserrückhalt und bieten Reserven für Dürreperioden. Ein veränderter Anbau und stärkere Wasserhaltung verhindern das Austrocknen des Bodens bei Trockenheit und reduzieren den Nährstoffeintrag in Gewässer.

Dafür sollten bestehende Drainagen und Entwässerungsgräben zurückgebaut oder geschlossen werden. Es sollten keine neuen Drainagen genehmigt werden. Maßnahmen zur Wiedervernässung von Moorböden und zur Renaturierung erosionsgefährdeter Flächen im Zufluss zu Bächen und Flüssen müssen beschleunigt werden.

Empfehlung #2: Natürliche Hochwasserschutzmaßnahmen durch Auenwiederherstellung

Heutzutage können nur noch ein Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen als Retentionsflächen bei Hochwasser genutzt werden. Dies hat zu einer beschleunigten Abflussgeschwindigkeit und massiven Hochwasserwellen geführt. Um dies zu verhindern, müssen Flüsse wieder mit Auenflächen verbunden und diese als natürliche Rückhalteräume genutzt werden.

Die Wiedervernetzung der Flüsse mit den Auen senkt bei Hochwasser den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in nachfolgende Gewässer. Es ist daher entscheidend, Vorgaben wie die Einhaltung von Gewässerrandstreifen konsequent umzusetzen.

Empfehlung #3: Stärkung des natürlichen Hochwasserschutzes durch das ANK

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist entscheidend, um bundesweit den natürlichen Hochwasserschutz in Auen, Mooren und naturnahen Grünflächen in Städten zu fördern. Es darf daher nicht im Bundeshaushalt gekürzt werden, sondern muss langfristig und ausreichend finanziell gesichert sein.

Die jüngste Hochwasserkatastrophe zeigt die Bedeutung des auf EU-Ebene verhandelten Nature Restoration Law (NRL). Eine gezielte Renaturierung besonders gefährdeter Hochwassergebiete ist auch volkswirtschaftlich notwendig. Auf nationaler Ebene müssen verbindliche Ziele für die Renaturierungspolitik festgelegt und die rechtlichen sowie organisatorischen Rahmenbedingungen für Renaturierungsmaßnahmen deutlich verbessert werden.

Empfehlung #4: Maßnahmen gegen Bodenversiegelung in Städten

Versiegelte Böden können kein Niederschlagswasser aufnehmen. In urbanen Räumen führt dies dazu, dass Wasser nicht im Boden versickert, was zu zunehmender Trockenheit und Hitze in den Städten führt. Das Ziel der Bundesregierung, die Versiegelungsrate auf maximal 30 Hektar pro Tag zu reduzieren, ist bisher nicht erreicht. Zusätzliche Maßnahmen sind notwendig, um einen Netto-Null-Flächenverbrauch zu erreichen. Zudem muss das bestehende Neubauverbot in Überschwemmungsgebieten konsequent durchgesetzt werden.

Empfehlung #5: Wasserressourcen vor Ort erneuern

Eine nachhaltige Gewässerschutzpolitik muss die Erneuerung von Wasserressourcen vor Ort fördern. Dazu gehört, Versickerungsmöglichkeiten zu schaffen und die Grundwasserneubildung zu unterstützen, sowie die Bildung von abflusswirksamem Niederschlag zu verringern. Ein interdisziplinärer Ansatz, der bauliche Maßnahmen mit dem Gewässerschutz verbindet, ist notwendig.

Die „Wasserhaltung“ vor Ort hilft, Städte und Regionen während Hitzeperioden zu kühlen. Durch die Anlage von Flutrinnen, Retentionsräumen und eine multifunktionale Flächennutzung können die Auswirkungen von Starkregenereignissen im urbanen Raum deutlich abgemildert werden.

Empfehlung #6: Hochwasserrisikokartierung an kleinen Gewässern

Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass auch kleine Gewässer eine Hochwasserrisikokartierung nach der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie benötigen. Eine vollständige Umsetzung der 2007 verabschiedeten EU-Richtlinie und die Erstellung von Hochwassermanagementplänen sind zum Schutz von Bevölkerung und Umwelt dringend erforderlich.

Maßnahmen zur Verbesserung der Versickerungs- und Wasserrückhaltefähigkeit von Böden sowie die Festlegung von Überschwemmungsgebieten müssen Teil dieser Pläne sein. Ausreichende finanzielle Mittel sind für die Hochwasseranalyse und -vorhersage bereitzustellen.

Empfehlung #7: Austausch von Ölheizungen in Hochwasserrisikogebieten

Wegen der hohen Risiken für Wasserwirtschaft und Umwelt müssen Gefahrgüter und Schadstoffquellen wie Ölheizungen in Hochwasserrisikogebieten schnell ausgetauscht werden. Förderprogramme sollten Anträgen aus diesen Gebieten höchste Priorität einräumen. Ziel ist, dass Ölheizungen und Öltanks in hochwassergefährdeten Gebieten möglichst flächendeckend ersetzt oder entfernt werden können.

Empfehlung #8: Maßnahmen zum Erosionsschutz

Erosionsschutz ist nicht nur in Hanglagen entscheidend. Daher sollten Maßnahmen zum Humusaufbau im Boden gefördert werden. Der Ackerbau in überschwemmungsgefährdeten Gebieten und starke forstliche Eingriffe an Hängen müssen auf ihre Erosionswirksamkeit überprüft werden.

Der Erhalt bestehender Wälder, besonders naturnaher Laubwälder, trägt wesentlich zum Erosionsschutz bei. In diesem Zusammenhang ist der jüngste Abbau von Mindeststandards in der EU-Agrarpolitik zum Grünlanderhalt und Bodenschutz als kontraproduktiv abzulehnen.

Empfehlung #9: Beschleunigte Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie

Angesichts der Hochwasserkatastrophe muss die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung zügig umgesetzt und um konkrete Maßnahmen zum Hochwasserschutz ergänzt werden. Dazu gehören Sensibilisierungskampagnen zum Hochwasserschutz und die Einrichtung von Regenwasseragenturen, die Länder und Kommunen bei der Umsetzung unterstützen.

Fördermittel sind dringend erforderlich, um Hochwassergefahren durch Regenwassermanagement, Entsiegelung und Kulturumbau in der Land- und Forstwirtschaft abzuwehren.

Empfehlung #10: Nationaler Hochwasserschutzdialog

Bund und Länder müssen sofort einen nationalen Hochwasserschutzdialog mit allen Beteiligten starten, um ein priorisiertes Maßnahmenpaket zu entwickeln. Der BDEW und der DNR stehen mit ihrer Expertise als Partner bereit.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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