Seltene Erden 02.07.2013, 14:17 Uhr

Grönland könnte den Rohstoffbedarf der Industrieländer decken

Grönland ist eines der rohstoffreichsten Länder der Welt. Längst haben Bergbaukonzerne das Land im Fokus. Gefördert wird trotzdem wenig, denn es mangelt an Straßen, Häfen und Kraftwerken.

Grönland ist reich an wichtigen Rohstoffen. Doch der Abbau fällt schwer, weil das Land kaum Infrastruktur bietet. Oft fehlen sogar Straßen zwischen den Städtchen.

Grönland ist reich an wichtigen Rohstoffen. Doch der Abbau fällt schwer, weil das Land kaum Infrastruktur bietet. Oft fehlen sogar Straßen zwischen den Städtchen.

Foto: dpa-Bildfunk

Nach Grönland verirren sich Extremsportler, Fischer und Geologen. Die vom Nordpol nur 700 km entfernte Insel ist eine von Eis bedeckte Schatztruhe. Darin schlummern riesige Vorkommen von Gold, Platinmetallen, Seltenen Erden, Thorium, Uran und Coelestin. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Rohstoffagentur (DERA), die die deutsche Wirtschaft in Rohstoff-Fragen berät. „Die gesamten grönländischen Vorräte an Seltenen Erden reichen aus, um den gegenwärtigen Weltbedarf für 150 Jahre zu decken“, sagt Studienautor Harald Elsner.

Laut dem Rohstoffexperten verfügt die größte Insel der Erde auch über bedeutende Vorkommen von Eisen, Zink, Blei, Molybdän, Beryllium, Lithium und Niob. Dabei dürften viele weitere Vorkommen nicht einmal bekannt sein. „Grönland ist unterexploriert“, sagt Elsner.

Grönland ist voller begehrter Rohstoffe

Der Rohstoffreichtum lässt auch die Unternehmen nach Norden blicken. Bei den aktuellen Vorschriften und Nutzungsbeschränkungen hat Grönland das weltweit größte mineralische Potenzial. Zu diesem Ergebnis kommt das kanadische Fraser-Institut, das für eine Studie 742 Bergbauunternehmen befragte.

Den Minenbetreibern kommt die politische Stabilität des autonomen, aber außenpolitisch an Dänemark gebundenen Landes zugute. Oftmals beherbergen politisch zerrüttete Staaten Rohstoffe. In Grönland herrscht dagegen ein wirtschaftsorientiertes Klima, bestätigt Carina Korsgaard von KPMG Greenland. Das Land, dessen Hauptwirtschaftssektor bisher die Fischerei ist, sei sehr daran interessiert, ausländische Rohstoff-Förderer anzuziehen.

Auch die Gesetzeslage soll laut Korsgaard dafür angepasst werden: Das Parlament will das bisherige Verbot zur Uranförderung aufheben. Davon profitiert, wer Seltene Erden fördern will. Denn diese liegen in Grönland gemeinsam mit dem Uran im Gestein. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass ein Gesetz drei Lesungen braucht, um verabschiedet zu werden und das Parlament der großteils vom Eis bedeckten Insel nur zwei Mal im Jahr tagt.

Die fehlende Infrastruktur bremst den Abbau

Dass die Konzerne und Investoren bisher noch zögern, in Grönland Rohstoffe zu fördern, liegt an der Infrastruktur – beziehungsweise dem totalen Mangel daran. Alles, was ein Minenbetreiber bräuchte, um Metalle aus dem felsigen Boden zu fördern, muss erst noch gebaut und eingerichtet werden. Weder gibt es ein Straßennetz noch Seehäfen in ausreichender Zahl. Von Kraftwerken zur Stromerzeugung ganz zu schweigen.

Die vorhandene Infrastruktur besteht zum Großteil aus aufwendigen Insellösungen, die einzelne Betriebe für ihre Zwecke errichtet haben. „Einen Ort, in dem die Straßen nicht am Ortsausgangsschild aufhören“, sagt der Geschäftsführer der deutsch-dänischen Handelskammer, Rainer Perau, „gibt es in Grönland nicht“. Straßen zwischen den Städten oder ins Innere der Insel: Fehlanzeige.

Fachkräfte sind Mangelware

Und nicht nur technisches Equipment ist rar. Laut Henrik Stendal, dem Chefgeologen der Regierung Grönlands, gibt es auch zu wenig gut ausgebildete Rohstoffspezialisten. All das macht einen ertragreichen industriellen Abbau schwierig. Hinzu kommt, dass sich die Metallpreise seit der Hausse 2010/11 im laufenden Jahr deutlich entspannt haben. Das schmälert die möglichen Gewinne auf der Insel – Projekte bleiben vorerst aus.

Elsner: „Grönland besitzt zwar bedeutendes Potenzial, das aber unter den derzeitigen globalen rohstoffwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht genutzt werden kann.“

Von I. Hartbrich/C. Böckmann

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