Präplanetarer Nebel im Detail 11.02.2026, 07:04 Uhr

Zwischen Leben und Tod eines Sterns: Das Drama im Eiernebel

Hubble liefert neue Details zum Eiernebel: Bipolare Ausflüsse, Staubscheiben und die Physik eines Sterns am Lebensende.

Das Hubble-Weltraumteleskop der NASA liefert die bislang klarste Aufnahme des Eiernebels

Spektakulär: Das Hubble-Weltraumteleskop der NASA liefert die bislang klarste Aufnahme des Eiernebels – eines vorplanetaren Nebels aus Gas und Staub, der von einem sterbenden, sonnenähnlichen Stern erzeugt wurde.

Foto: NASA, ESA, Bruce Balick (UWashington)

Der sogenannte Eiernebel liegt rund 1000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Cygnus. Was das Hubble-Weltraumteleskop dort eingefangen hat, zeigt keinen spektakulären Knall. Es zeigt einen langsamen, strukturierten Abschied. Sie blicken auf einen Stern, der sein Leben als sonnenähnliches Objekt beendet – und dabei sein Umfeld neu formt.

Im Zentrum verbirgt sich ein alternder Stern hinter einer dichten Staubscheibe. Das Bild erinnert an ein Eigelb in trübem Eiweiß. Direkt sichtbar ist der Stern nicht. Sein Licht entweicht nur durch schmale Öffnungen entlang der Rotationsachse. Von dort beleuchtet es die umgebenden Gas- und Staubstrukturen.

Kurze Phase mit hoher Aussagekraft

Der Eiernebel gilt als präplanetarischer Nebel. Dieser Begriff sorgt oft für Verwirrung. Mit Planeten hat er nichts zu tun. Gemeint ist eine Übergangsphase zwischen dem Roten Riesen und einem planetarischen Nebel. Letzterer entsteht, wenn der freigelegte Sternkern ultraviolette Strahlung aussendet und das zuvor abgestoßene Gas zum Leuchten bringt.

Im präplanetarischen Stadium ist der Kern noch nicht heiß genug, um das Gas zu ionisieren. Der Nebel leuchtet deshalb nicht selbst. Er reflektiert das Sternlicht. Genau das sehen Sie hier. Diese Phase dauert nur wenige tausend Jahre. Astronomisch betrachtet ist das ein Augenblick. Deshalb liefern Objekte wie CRL 2688 seltene Einblicke in die späte Sternentwicklung.

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Geordnete Strukturen statt Explosion

Auffällig sind zwei helle, bipolare Lappen. Sie schießen mit hoher Geschwindigkeit aus dem Zentrum und durchdringen ältere, langsamere Materieschichten. Um sie herum liegen konzentrische Bögen. Sie wirken fast wie Jahresringe eines Baumes.

Diese Muster sprechen gegen eine Supernova. Eine Explosion würde chaotische Trümmer hinterlassen. Hier dominieren Symmetrie und Wiederholung. Forschende gehen davon aus, dass der Stern seine äußeren Hüllen in mehreren Schüben abgestoßen hat. Die Ausrichtung der Lappen deutet zudem auf gravitative Einflüsse hin. Wahrscheinlich existiert mindestens ein Begleitstern. Solche Doppel- oder Mehrfachsysteme können Materieströme bündeln und in definierte Richtungen lenken.

Staub als Rohstoff künftiger Welten

Wenn Sterne wie unsere Sonne ihren Wasserstoff- und Heliumvorrat verbraucht haben, blähen sie sich auf. Sie verlieren Masse durch starke Sternwinde. Im Inneren entstehen dabei schwerere Elemente wie Kohlenstoff. Diese Partikel kondensieren zu Staubkörnern. Genau dieser Staub prägt das Erscheinungsbild des Eiernebels.

Langfristig mischt sich dieses Material mit interstellarem Gas. Neue Sterne und Planetensysteme entstehen daraus. Auch unser Sonnensystem formte sich vor rund 4,5 Milliarden Jahren aus solchem Recyclingmaterial. In diesem Sinn beobachten Sie hier nicht nur ein Ende, sondern auch die Vorbereitung für künftige Generationen von Sternen.

Hubble blickt mehrfach auf das „kosmische Ei“

Das aktuelle Bild kombiniert ältere und neuere Datensätze. Bereits 1997 nahm Hubble den Nebel mit der WFPC2-Kamera im sichtbaren Licht auf. Später ergänzten NICMOS-Beobachtungen im nahen Infrarot die Analyse, weil Infrarotstrahlung tiefer in Staubwolken eindringt. 2003 zeigte die ACS-Kamera großräumige Staubwellen. 2012 zoomte die WFC3 auf die zentrale Region und die Gasströme.

Die nun veröffentlichte Fassung vereint diese Beobachtungen. Sie liefert den bislang klarsten Blick auf die Staubscheibe, die Polarlappen und die konzentrischen Bögen. Damit entsteht ein konsistenteres Bild der Massenverluste in der Endphase sonnenähnlicher Sterne.

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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