Satellitentechnik 29.04.2025, 12:00 Uhr

Trudelnder Sputnik-Enkel Cosmos 2553 eine nukleare Zeitbombe?

Der russische Satellit 2553 trudelt reichlich unkoordiniert durch seinen Orbit, dabei wird er als Teil eines Antisatellitenwaffenprogramms gehandelt.

PantherMedia 38231230

Symbolbild für einen Satelliten im Erdorbit. Der russische Satellit Cosmos 2553 trudelt derzeit wohl reichlich unkoordiniert durch seinen Orbit, dabei wird er als Teil eines Antisatelliten-Waffenprogramms gehandelt.

Foto: PantherMedia / Sergiy Artsaba

Russland könnte im Weltraum einen Satelliten verlieren, der nach Ansicht von US-Behörden mit einem nuklearen Antisatelliten-Waffenprogramm in Verbindung steht. Der betreffende Satellit Cosmos 2553 scheint sich unkontrolliert zu drehen und nicht mehr betriebsbereit zu sein. Denn nicht nur auf der Erde, sondern auch im Weltraum herrscht technologischer Wettbewerb auf höchster Stufe mit zivilen und militärischen Zielen. Sollte sich der Funktionsverlust des Satelliten 2553 tatsächlich bestätigen, droht Russland eine Niederlage. Daten der kalifornischen Weltraumbeobachtungsfirma LeoLabs zeigten, dass die Umlaufbahn von Comos 2553 seit Mitte November 2024 taumelt.

„Diese Beobachtung deutet stark darauf hin, dass der Satellit nicht mehr betriebsbereit ist“, heißt es in der Jahresanalyse zu Bedrohungen aus dem Weltall, die das renommierte Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington am 25. April veröffentlichte. Am 5. Februar 2022 hatte der staatliche Weltraumkonzern Roskosmos über die Stationierung des Satelliten im All informiert, der seither auf einer Umlaufbahn mit einer Erdentfernung von etwa 2000 km kreist. „Cosmos 2553 ist mit neu entwickelten Bordinstrumenten und -systemen für Tests unter Strahlungs- und Schwerteilchenbelastungsbedingungen ausgestattet“, so Roskosmos.

Russischer Satellit Cosmos 2553 Waffe oder Forschungsinstrument?

Nach dem Start zur Umlaufbahn hätten Beamte des Weltraumkontrollzentrums mit der Analyse und Verarbeitung von koordinativen und nicht koordinativen Informationen über das neue Weltraumobjekt begonnen, um die neue Raumsonde für die Verfolgung und Aufklärung durch Luft- und Raumfahrtstreitkräfte am Boden freizugeben, so Roskosmos. Damit ist sie im Hauptkatalog der Weltraumobjekte, einer einheitlichen Informationsdatenbank erfasst, die koordinierte und nicht koordinierte Informationen zu jedem Weltraumobjekt enthält. „Cosmos 2553 ist ein russischer militärischer Aufklärungssatellit, der von NPO Mashinostroyeniya entwickelt wurde, möglicherweise ein Radaraufklärungssatellit“, heißt es im Nasa Space Science Data Coordinated Archive.

Des Start des Satelliten Cosmos 2553 sehen Sie hier:

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
RSE+ Architekten Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Bauleiter Hochbau, Baumanagement - LPH 6-9, Industrie & Gewerbe (m/w/d) RSE+ Architekten Ingenieure GmbH
Stuttgart, Kassel, Göttingen Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement Universität zu Köln
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte wpd infrastruktur GmbH
wpd construction GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) wpd construction GmbH
Bietigheim-Bissingen Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung Universität zu Köln
BS+P INGENIEURE-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) für Statik und Tragwerksplanung BS+P INGENIEURE
Stuttgart Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Ingenieur oder Techniker (m/w/d) HKLS im Bundesbau Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 

Betonte Russland hierbei nachfolgend Forschungszwecke, erhärtete sich in den USA die Ansicht, dass der Satellit mit einem nuklearen Antisatelliten-Waffenprogramm in Verbindung steht und zu militärischen Zwecken genutzt werden soll. Dieser Satellit trägt Berichten zufolge einen „Attrappensprengkopf“, während US-Beamte betont hätten, dass die Auswirkungen einer Detonation einer Atomwaffe in 2000 km Höhe „unkritisch“ wären und den Erdtrabanten „für einen gewissen Zeitraum“, etwa ein Jahr, unbrauchbar machen würden, ist in der Jahresanalyse vom CSIS nachzulesen.

Cosmos 2553 fliegt da, wo sich sonst vor allem Weltraumschrott tummelt

Die einzigen anderen Satelliten auf Umlaufbahnen in der Nähe von Cosmos 2553 sind laut CSIS-Analyse ein nicht einsatzfähiger russischer Satellit und zehn nicht funktionstüchtige US-Satelliten. Zugleich könnte der Satellit in solch einer entfernten Höhe platziert worden sein, um Messfehler und Effekte auf andere Satelliten zu vermeiden.

Präsident Wladimir Putin sprach sich im Februar während eines Arbeitstreffens in Moskau mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu gegen Atomwaffen im Weltraum aus: „Unsere Position ist klar und transparent: Wir waren schon immer kategorisch gegen die Stationierung von Atomwaffen im Weltraum und sind es auch jetzt. Im Gegenteil, wir fordern die Einhaltung aller bestehenden Vereinbarungen in diesem Bereich und haben vorgeschlagen, diese Zusammenarbeit um ein Vielfaches zu intensivieren.“

Ob Cosmos 2553 inzwischen unsteuerbar und damit verloren ist, bleibt unklar

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 25. April, dass das US-Weltraumkommando, das Objekte im Weltraum verfolgt und in der Vergangenheit russische Militärsatelliten verurteilt hat, von einer Höhenänderung von Cosmos 2553 Kenntnis habe, aber ablehnte, eine weitere Einschätzung seines aktuellen Zustands abzugeben.

Der Satellit zeigte schon früher Anzeichen merkwürdigen Verhaltens. So verfolgt das globale Teleskopnetzwerk von Slingshot aus Colorado die Raumsonde bereits seit ihrem Start am 5. Februar 2022 und registrierte im Mai 2024 Bewegungen. „Slingshot stellte fest, dass die Helligkeit des Objekts variabel wurde, was auf einen möglichen Sturz hindeutet“, sagte hierzu ein Unternehmenssprecher. Doch laut Slingshots neuesten Beobachtungen scheint sich Kosmos C553 stabilisiert zu haben, erklärte Belinda Marchand, Chief Science Officer des Unternehmens. Auch Slingshot versorgt wie LeoLabs das CSIS mit Daten.

Bessere Sicht im Orbit ist gefragt

So wie der Zweck des Satelliten im Dunkeln bleibt, so herrscht um die Funktionstüchtigkeit offenbar ebenso Gemunkel. Um festzustellen, ob es sich bei derartigen Objekten um zivile oder militärische Vermögenswerte handelt, haben das US-Verteidigungsministerium und die Streitkräfte anderer Länder den Berichten der Agentur Reuters zufolge einer besseren Sicht im Orbit höchste Priorität eingeräumt. Kommerzielle Weltraumverfolgungsdienste seien hierfür relativ jung, entwickelten sich aber schnell und seien sehr gefragt, da die Zahl ziviler und militärischer Satelliten im Weltraum stark wächst.

Dass Moskau, China und die USA Milliarden von Dollar in militärische Weltraumkapazitäten investieren und im Geheimen eine Reihe von Technologien im Orbit testen, die für feindliche militärische Zwecke genutzt werden könnten, dürfte indes keine Überraschung sein. Was US-Präsident Donald Trump hier von Präsident Wladimir Putin erwartet, ist noch nicht bekannt. In Russland herrscht zum aktuellen Zustand des geheimnisumwobenen Satelliten von offiziellen Stellen und Medien Schweigen. Dieses Feld überlassen sie Reuters und ausländischen Medien, auf die sich russische Fachportale in ihren Berichten beziehen.

Ein Beitrag von:

  • Josephine Bolinger-Kanne

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.