Falcon-9-Oberstufe 05.08.2026, 14:30 Uhr

Rund 4 t Elektroschrott treffen den Mond, ein unfreiwilliger Crash-Test

Eine ausgediente Falcon-9-Oberstufe dürfte mit 8700 km/h auf dem Mond eingeschlagen sein. Nasa-Orbiter sollen nun den neuen Krater suchen.

Am 15. Januar 2025 brachte eine Falcon-9-Rakete die Mondlander Blue Ghost und Resilience ins All

Am 15. Januar 2025 brachte eine Falcon-9-Rakete die Mondlander Blue Ghost und Resilience ins All. Die dabei eingesetzte Oberstufe dürfte am 5. August 2026 auf dem Mond eingeschlagen sein.

Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner-Pressefoto/Coleman

Eine ausgediente Oberstufe einer Falcon-9-Rakete dürfte am Mittwochmorgen unkontrolliert auf dem Mond eingeschlagen sein. Berechnungen zufolge traf das mehrere Tonnen schwere Objekt die Oberfläche am 5. August 2026 gegen 8:35 Uhr MESZ mit etwa 2,4 km/s. Eine direkte Beobachtung des Aufpralls oder eine Aufnahme des neuen Kraters lag am frühen Mittwochnachmittag noch nicht vor.

Bei dem Objekt mit der Bezeichnung 2025-010D handelt es sich um die zweite Stufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX. Sie war am 15. Januar 2025 vom Kennedy Space Center gestartet. An Bord befanden sich die Mondlander Blue Ghost 1 des US-Unternehmens Firefly Aerospace und Resilience des japanischen Raumfahrtunternehmens ispace.

Blue Ghost landete im März 2025 erfolgreich auf dem Mond. Der Landeversuch von Resilience scheiterte im Juni. Die Falcon-9-Oberstufe blieb nach dem Aussetzen der beiden Raumfahrzeuge auf einer weit in den Erde-Mond-Raum hinausführenden Bahn zurück.

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Einschlag nahe den Kratern Einstein und Bell

Der berechnete Einschlagspunkt liegt am westlichen Rand der sichtbaren Mondhälfte, in der Nähe der Krater Einstein und Bell. Das Center for Near Earth Object Studies am Jet Propulsion Laboratory der Nasa bestätigte vor dem erwarteten Aufprall eine Einschlagwahrscheinlichkeit von 100 %.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Einschlag bereits direkt nachgewiesen wurde. Der erwartete Ort lag zum Zeitpunkt des Aufpralls auf der beleuchteten Mondoberfläche. Ein kurzer Lichtblitz oder aufgewirbeltes Material waren deshalb von der Erde aus nur schwer zu erkennen.

Die Nasa hatte gemeinsam mit mehreren Observatorien versucht, das Ereignis mit bodengebundenen Teleskopen zu beobachten. Ob dabei verwertbare Daten entstanden sind, war zunächst nicht bekannt.

Mehr als 1000 Messungen zur Bahn der Raketenstufe

Die Vorhersage beruhte auf umfangreichen Teleskopbeobachtungen. Nach Angaben des Bahnberechners Bill Gray lagen bis Februar 2026 mehr als 1000 Positionsmessungen der Raketenstufe vor.

Die Bahn wurde vor allem von der Gravitation von Erde, Mond und Sonne beeinflusst. Auch der Strahlungsdruck des Sonnenlichts spielte bei den Berechnungen eine Rolle. Das Sonnenlicht übt auf die Oberfläche eines Objekts eine geringe Kraft aus, die sich über lange Zeiträume auf dessen Flugbahn auswirken kann.

Eine aktuelle Untersuchung der Lichtkurve deutet darauf hin, dass die Raketenstufe taumelte. Die Forschenden ermittelten eine Rotationsperiode von ungefähr sieben Minuten.

Nach Angaben von SpaceX hatte die Stufe ihren verbliebenen Treibstoff abgelassen. Danach ließ sie sich nicht mehr steuern. Der Einschlag war nicht als wissenschaftliches Experiment geplant.

Raketenstufe traf mit rund 8700 km/h auf

Die Masse der Oberstufe ist nicht exakt bekannt. Verschiedene Berechnungen gehen von etwa 3,9 bis 4,9 t aus. Die häufig genannte Angabe von rund 4 t ist daher ein Näherungswert.

Die Geschwindigkeit beim Aufprall lag den Berechnungen zufolge bei etwa 2,43 km/s. Das entspricht rund 8700 km/h. Die Bewegungsenergie betrug je nach angenommener Masse ungefähr 12 bis 15 Mrd. J. Das entspricht grob der Explosionsenergie von etwa 3 t TNT.

Die Bezeichnung „Mach 7“, die in einigen Medien verwendet wird, ist dagegen wenig sinnvoll. Auf dem Mond gibt es praktisch keine Atmosphäre und damit keine atmosphärische Schallgeschwindigkeit, auf die sich eine Machzahl beziehen könnte.

Wie groß ist der neue Krater?

Die Nasa rechnet mit einem Krater von etwa 18 m Durchmesser und knapp 4 m Tiefe. Andere Modellrechnungen kommen auf größere Werte. Wie groß der Krater tatsächlich ist, lässt sich erst anhand von Aufnahmen aus der Mondumlaufbahn feststellen.

Der Lunar Reconnaissance Orbiter der Nasa und das Instrument ShadowCam an Bord des südkoreanischen Mondorbiters Danuri sollen nach Möglichkeiten suchen, das Einschlaggebiet zu fotografieren. Wann geeignete Aufnahmen möglich sind, hängt von den Umlaufbahnen, den Kamerapositionen und den Lichtverhältnissen ab.

Die Nasa geht davon aus, dass erste Bilder frühestens nach mehreren Tagen vorliegen könnten. Der Krater ist zu klein, um ihn von der Erde aus direkt aufzulösen.

Ungeplanter Einschlag wird zum Forschungsobjekt

Obwohl der Einschlag nicht geplant war, können Forschende ihn zur Überprüfung von Modellen nutzen. Herkunft, ungefähre Masse, Form, Geschwindigkeit und Flugbahn des Objekts sind vergleichsweise gut bekannt.

Damit lässt sich untersuchen, ob die vorhergesagte Kratergröße mit den späteren Aufnahmen übereinstimmt. Von Interesse ist auch, wie sich eine lange und teilweise hohle Raketenstufe beim Aufprall verhält. Solche Objekte unterscheiden sich deutlich von kompakten natürlichen Meteoroiden.

Die Beobachtungen sollen außerdem Erkenntnisse darüber liefern, wie sich künstliche Objekte in großer Entfernung von der Erde verfolgen lassen. Klassische Systeme zur Überwachung von Weltraumschrott sind vor allem für erdnahe Umlaufbahnen ausgelegt.

Für die Erde ging von dem Einschlag keine Gefahr aus. Auch aktive Raumfahrzeuge auf oder nahe dem Mond waren nach Angaben der Nasa nicht unmittelbar bedroht. Natürliche Körper mit einer vergleichbaren Einschlagsenergie treffen den Mond nach Schätzungen der Nasa durchschnittlich etwa alle sechs Tage.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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