Statt Gerst oder Maurer: Italiener fliegt als erster Europäer bei Artemis
Deutscher Mondflug aufgeschoben? Warum die Nasa bei Artemis 3 auf den Italiener Luca Parmitano setzt.
Kein Deutscher dabei! Das soll die Besatzung von Artemis III werden: (von links) Andre Douglas, Luca Parmitano, Randy Bresnik und Frank Rubio.
Foto: picture alliance / NASA via AP | Bill Stafford
Die Nasa und die Europäische Weltraumorganisation ESA haben mit der Bekanntgabe der Artemis-3-Crew für eine Überraschung gesorgt. Als erster Europäer wird nicht wie erwartet ein deutscher Astronaut an einer Artemis-Mission teilnehmen, sondern der Italiener Luca Parmitano. Die Entscheidung wirft Fragen auf – nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte europäische Raumfahrt.
Dabei ist die Überraschung sogar doppelt. Zum einen hatten viele Beobachtende damit gerechnet, dass ein deutscher ESA-Astronaut als erster Europäer bei einer Artemis-Mission zum Einsatz kommt. Zum anderen sollte nach bisherigen Planungen überhaupt erst bei einer späteren Mission ein Europäer an Bord sein. Nun kommt alles anders.
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Ein Italiener schreibt europäische Artemis-Geschichte
Die Nasa nominierte Luca Parmitano als Pilot der Mission Artemis 3. Zur vierköpfigen Besatzung gehören außerdem die US-Astronauten Randy Bresnik als Kommandant sowie Andre Douglas und Frank Rubio als Missionsspezialisten.
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher zeigte sich erfreut über die Entscheidung: „Wir hätten uns keinen besseren Piloten wünschen können.“
Parmitano wird damit der erste ESA-Astronaut, der an einer Artemis-Mission teilnimmt. Der 49-Jährige ist kein Unbekannter. Er flog bereits zweimal zur Internationalen Raumstation ISS und sammelte dort umfangreiche Erfahrungen bei komplexen Raumfahrtmanövern.
Seine Karriere begann bei der italienischen Luftwaffe. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Testpiloten. Diese Qualifikation dürfte bei der Auswahl eine wichtige Rolle gespielt haben.
Warum kein Deutscher?
Noch Ende 2025 hatte Aschbacher angekündigt, dass die ersten europäischen Artemis-Astronauten aus Deutschland, Frankreich und Italien stammen würden. Deutschland sollte nach seinen damaligen Aussagen sogar den Anfang machen.
Entsprechend groß waren die Hoffnungen auf Alexander Gerst oder Matthias Maurer. Beide Astronauten hatten mehrfach deutlich gemacht, dass sie gerne Teil einer Mondmission werden würden. Nun bleibt offen, ob diese Perspektive weiterhin besteht.
Weder ESA noch Nasa erklärten bislang, warum Parmitano ausgewählt wurde und nicht einer der beiden deutschen Kandidaten. Ebenso unklar ist, ob ein deutscher Astronaut weiterhin für Artemis 4 vorgesehen ist oder ob die neue Missionsplanung weitere Veränderungen nach sich zieht.
Für Deutschland ist die Entscheidung besonders bemerkenswert. Schließlich ist die Bundesrepublik inzwischen der größte Beitragszahler der ESA. Auf der Ministerratskonferenz Ende 2025 erhöhte Deutschland seinen Finanzierungsbeitrag auf 5,4 Mrd. Euro. Im vorherigen Dreijahreszeitraum waren es noch 3,5 Mrd. Euro gewesen.
Artemis 3 wird keine Mondlandung
Ein weiterer Grund für die Verwirrung liegt in einer grundlegenden Kursänderung der Nasa. Ursprünglich sollte Artemis 3 die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 im Jahr 1972 werden. Dieses Ziel wurde inzwischen aufgegeben.
Nasa -Chef Jared Isaacman hatte bereits Anfang 2026 eine neue Strategie vorgestellt. Statt einer Landung auf dem Mond soll Artemis 3 nun verschiedene Technologien für spätere Missionen testen.
Geplant ist ein Flug in eine erdnahe Umlaufbahn. Dort soll die Orion-Kapsel mit einem oder mehreren Mondlandesystemen koppeln. Die Mission dient damit vor allem als Generalprobe für spätere Landungen.
Isaacman begründete den Kurswechsel mit dem zunehmenden internationalen Wettbewerb. „Mit stetig zunehmender glaubhafter Konkurrenz von unserem größten geopolitischen Kontrahenten müssen wir uns schneller bewegen, Verzögerungen eliminieren und unsere Ziele erreichen.“
Damit verschiebt sich auch die Frage, wer tatsächlich der erste Europäer auf dem Weg zum Mond sein wird. Parmitano fliegt zwar als erster ESA-Astronaut bei Artemis mit, erreicht den Mond jedoch nicht.
Der Wettlauf mit China wird härter
Hinter den Änderungen steckt auch geopolitischer Druck. China verfolgt das Ziel, bis 2030 eigene Astronautinnen und Astronauten auf dem Mond landen zu lassen. Das Land baut sein Raumfahrtprogramm seit Jahren konsequent aus. Dazu gehören eine eigene Raumstation, neue Trägerraketen und umfangreiche Mondmissionen.
Die USA wollen verhindern, dass sich die Geschichte des Kalten Krieges wiederholt – diesmal mit vertauschten Rollen. „Die Uhr läuft in diesem Wettkampf der Großmächte“, sagte Isaacman bereits im Frühjahr. Erfolg oder Misserfolg würden heute „in Monaten, nicht Jahren“ gemessen.
Ob die Nasa ihren neuen Zeitplan einhalten kann, bleibt allerdings offen. Das Artemis-Programm wurde bereits mehrfach verschoben. Ursprünglich sollte die erste bemannte Mondlandung schon 2024 stattfinden.
Europa steckt tief im Artemis-Programm
Trotz der aktuellen Enttäuschung für deutsche Raumfahrtfans spielt Europa im Artemis-Programm eine wichtige Rolle.
Ein zentrales Element der Orion-Kapsel entsteht bei Airbus in Bremen. Dort wird das European Service Module (ESM) gebaut. Es versorgt die Raumkapsel mit Strom, Sauerstoff und Wasser und ermöglicht wichtige Kurskorrekturen.
Auch beim ursprünglich geplanten Außenposten Lunar Gateway ist Europa stark eingebunden. Die ESA liefert mehrere zentrale Module für die geplante Mondstation. Allerdings steht auch dieses Projekt inzwischen unter Druck. Nach den jüngsten Kursänderungen der NASA ist unklar, welche Rolle Gateway künftig noch spielen wird. (mit Material der dpa)
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