China will Roboterhunde auf den Mond schicken, das sollen sie dort tun
Roboterhunde sollen Astronauten auf dem Mond begleiten. Eine neue chinesische Studie zeigt, welche Aufgaben die Vierbeiner übernehmen könnten.
Noch ist alles in der Planungs- und Entwurfsphase: China entwickelt ein Konzept für Roboterhunde auf dem Mond. Sie sollen Gelände erkunden, Gefahren erkennen und eine künftige Mondstation unterstützen.
Foto: Smarterpix / EvgeniyShkolenko
Zwei vierbeinige Roboter laufen über die Mondoberfläche, begleitet von einem Astronauten. Sie erkunden das Gelände, suchen nach Gefahren und helfen dabei, wissenschaftlich interessante Gesteine aufzuspüren. So könnte nach Vorstellungen chinesischer Raumfahrtexperten die Arbeit auf einer künftigen Mondstation aussehen. Eine konkrete Mission für die „Roboterhunde“ ist allerdings noch nicht angekündigt.
Das Szenario stammt aus einer Studie von Forschern der China Academy of Space Technology (CAST) und des Beijing Spacecraft System Design Department. Wang Xiang und Huang Zhen beschreiben darin, wie Astronauten und Robotersysteme auf einer bemannten Mondforschungsstation zusammenarbeiten könnten. Die Arbeit erschien Ende Juli 2026 im Fachjournal Chinese Space Science and Technology.
Inhaltsverzeichnis
- Zwei Roboterhunde begleiten drei Astronauten
- Das sollen die Roboter auf dem Mond übernehmen
- Warum ausgerechnet vier Beine?
- Mondstaub trifft auf zahlreiche Gelenke
- Wann darf der Roboter selbst entscheiden?
- GPS funktioniert auf dem Mond – aber anders als auf der Erde
- Chang’e-7 soll bereits beinbasierte Fortbewegung testen
- Mondstation soll bis 2035 entstehen
Zwei Roboterhunde begleiten drei Astronauten
Besonders anschaulich wird das Konzept bei einem Außeneinsatz mit drei Astronauten. Ein Besatzungsmitglied soll zwei vierbeinige Roboter über die Mondoberfläche führen. Ein zweiter Astronaut sammelt Gesteinsproben und übernimmt anspruchsvollere wissenschaftliche Arbeiten. Der dritte bleibt in einem druckbeaufschlagten Rover und koordiniert die Mission sowie weitere Robotersysteme.
Die Rollenverteilung ist kein Zufall. Die Autoren sehen Menschen vor allem dort im Vorteil, wo unbekannte Situationen beurteilt, präzise Arbeiten ausgeführt, Störungen behoben oder schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Roboter eignen sich dagegen für repetitive Tätigkeiten, körperlich belastende Arbeiten, gefährliche Bereiche und die Erkundung größerer Flächen.
Für eine Mondstation wäre diese Arbeitsteilung besonders wertvoll. Außeneinsätze kosten Zeit und setzen die Besatzung unter anderem Strahlung, starken Temperaturschwankungen und Mondstaub aus.
Das sollen die Roboter auf dem Mond übernehmen
Die beiden Vierbeiner könnten zunächst als Begleiter bei Erkundungstouren eingesetzt werden. Sie sollen Gefahren auf der Strecke erkennen und Astronauten bei der Suche nach wissenschaftlich interessanten Gesteinen unterstützen. Auch regelmäßige Patrouillen und Inspektionen einer Forschungsstation nennt die chinesische Planung.
Das Gesamtkonzept reicht jedoch erheblich weiter. Robotersysteme sollen langfristig auch bei der Nutzung lokaler Ressourcen helfen. Die Forscher nennen unter anderem Wasser, mineralische Rohstoffe und lokale Baumaterialien. Weitere denkbare Aufgaben reichen von der Kontrolle technischer Anlagen bis zu Routinearbeiten innerhalb der Station.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Nicht alle in der Studie beschriebenen Arbeiten sind für vierbeinige Roboter vorgesehen. Die Forscher entwerfen ein Gesamtsystem aus Astronauten, Raumanzügen, druckbeaufschlagten Fahrzeugen, verschiedenen Robotern sowie Infrastruktur auf dem Mond und auf der Erde.
Warum ausgerechnet vier Beine?
Warum die Autoren für einen Teil der Erkundungsarbeiten Vierbeiner vorsehen, erläutert der öffentlich zugängliche Abstract der Studie nicht näher. Technisch gibt es dafür jedoch einen naheliegenden Grund: Schwieriges und stark unebenes Gelände stellt andere Anforderungen an eine Maschine als eine vergleichsweise ebene Fahrstrecke.
Eine weitere aktuelle chinesische Übersichtsstudie zu Robotern für extraterrestrische Himmelskörper nennt die sichere Fortbewegung in schwierigem Gelände ausdrücklich als eine der Schlüsseltechnologien. Untersucht werden sowohl rad- als auch beinbasierte Systeme. Hinzu kommen autonome Lokalisierung, Navigation mit mehreren Sensoren und die Zusammenarbeit mehrerer Roboter.
Laufroboter können ihre Füße gezielt auf geeignete Auftrittspunkte setzen und Hindernisse übersteigen. Dafür erkaufen sie sich ihre Beweglichkeit mit mehr Gelenken, Aktuatoren und einer komplexeren Steuerung. Ein vierbeiniger Roboter ist deshalb nicht automatisch die bessere Alternative zum Rover. Welche Plattform sinnvoll ist, hängt von Gelände und Aufgabe ab.
Mondstaub trifft auf zahlreiche Gelenke
Gerade die vielen beweglichen Teile könnten auf dem Mond zum Problem werden. Regolith ist fein und abrasiv. Gelangt er in Lager, Dichtungen oder andere bewegliche Komponenten, kann er Mechanismen beschädigen.
NASA untersuchte dieses Problem unter anderem beim Mondrover VIPER. Die Raumfahrtagentur weist darauf hin, dass zusätzliche Gelenke auch zusätzliche Stellen schaffen, an denen Staub in eine Maschine eindringen kann. Beim VIPER-Antrieb wurden deshalb unter anderem flexible Abdeckungen und mehrere Dichtungssysteme vorgesehen.
Ausgerechnet die hohe Beweglichkeit der Roboterhunde verschärft damit eine der zentralen Konstruktionsaufgaben: Beine und Gelenke müssen funktionieren, obwohl sie immer wieder mit Mondstaub in Kontakt kommen.
Dazu kommen Vakuum, Strahlung und große Temperaturschwankungen. Auch die geringere Schwerkraft verändert die Dynamik beim Laufen oder Überschreiten von Hindernissen.
Wann darf der Roboter selbst entscheiden?
Mindestens ebenso wichtig wie die Mechanik ist die Steuerung. Die CAST-Forscher gliedern ihr Konzept in vier Ebenen: Wahrnehmung, Entscheidung, Planung und Ausführung.
Zugleich definieren sie vier Abstufungen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Sie reichen von direkter Befehlssteuerung bis zu einem weitgehend autonomen Betrieb, bei dem ein Mensch erst eingreift, wenn eine Ausnahmesituation auftritt. Welcher Modus gewählt wird, soll von Sicherheit und Effizienz der jeweiligen Aufgabe abhängen.
Das ist für größere Entfernungen auf der Mondoberfläche entscheidend. Ein Roboter muss Hindernisse erkennen, seine Position bestimmen, einen Weg planen und auf unerwartete Situationen reagieren können, ohne dass jeder einzelne Schritt vorgegeben wird.
Chinesische Forschende nennen dafür unter anderem Kameras, LiDAR, SLAM-Verfahren und die Kombination mehrerer Sensorquellen.
GPS funktioniert auf dem Mond – aber anders als auf der Erde
Eine mit der Erde vergleichbare flächendeckende Satellitennavigation gibt es auf dem Mond bislang nicht. Die früher verbreitete Annahme, GPS sei dort grundsätzlich nicht nutzbar, ist jedoch überholt.
Das Lunar GNSS Receiver Experiment, kurz LuGRE, von NASA und italienischer Raumfahrtagentur ASI empfing im März 2025 auf der Mondoberfläche Signale von GPS und Galileo. Das Experiment errechnete daraus erstmals direkt auf dem Mond eine GNSS-basierte Positionslösung.
Damit ist grundsätzlich gezeigt, dass vorhandene Navigationssatelliten auch Mondmissionen unterstützen können. Künftige Robotersysteme dürften dennoch mehrere Navigationsverfahren kombinieren müssen, insbesondere in schwierigem Gelände oder Regionen mit eingeschränkter Sicht zur Erde.
Chang’e-7 soll bereits beinbasierte Fortbewegung testen
Noch bevor eine bemannte chinesische Mondstation Realität wird, steht ein wichtiger Test an. China bereitet derzeit Chang’e-7 für einen Start in der zweiten Jahreshälfte 2026 vor. Die dafür vorgesehene Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 5 Y14 erreichte am 13. Juli den Weltraumbahnhof Wenchang.
Nach Angaben der chinesischen Raumfahrtbehörde CNSA soll Chang’e-7 mehrere Schlüsseltechnologien erproben. Dazu gehören eine hochpräzise weiche Mondlandung, beinbasierte Fortbewegung, Sprung- beziehungsweise Flugbewegungen auf der Oberfläche und die Erkundung permanent verschatteter Krater. Ziel ist die Untersuchung von Umwelt und Ressourcen am lunaren Südpol.
Diese Technik darf allerdings nicht mit den zwei Roboterhunden aus der CAST-Studie gleichgesetzt werden. Die Studie beschreibt ein mögliches Einsatzszenario für eine spätere bemannte Forschungsstation.
Mondstation soll bis 2035 entstehen
Diese Station soll Teil der International Lunar Research Station, kurz ILRS, werden. China plant nach Angaben der CNSA, bis 2035 eine erste Ausbaustufe fertigzustellen. Bis 2045 ist eine erweiterte Station vorgesehen. Die Forschungsinfrastruktur soll langfristig autonom arbeiten können und zeitweise von Menschen genutzt werden.
Vorgesehen sind unter anderem Energieversorgung, Kommunikation und Navigation, Transport sowie wissenschaftliche Einrichtungen. Chang’e-7 und Chang’e-8 gelten als Bestandteile der geplanten ersten Ausbaustufe.
Quellen
- Chinese Space Science and Technology: Originalstudie zur Mensch-Roboter-Zusammenarbeit auf einer bemannten Mondforschungsstation.
- Chinese Space Science and Technology: Überblick zu Mobilität, Navigation und Autonomie von Robotern für extraterrestrische Oberflächen.
- China National Space Administration (CNSA): aktueller Stand von Chang’e-7 und geplante Schlüsseltechnologien.
- China National Space Administration (CNSA): Planung der International Lunar Research Station bis 2035 und 2045.
- NASA: LuGRE und der erste GNSS-Navigationsfix mit GPS und Galileo auf der Mondoberfläche.
- NASA: Auswirkungen von Mondstaub auf Gelenke, Antriebe und Dichtungen.
- South China Morning Post: Details zum Szenario mit drei Astronauten und zwei vierbeinigen Robotern.
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