Nasa enthüllt ihre Mondbasis und die Technik dahinter
Die Nasa plant eine dauerhafte Mondbasis am Südpol und stellt neue Rover, Landefähren und Missionen für langfristige Einsätze vor.
Modelle künftiger Mondtechnik der Nasa: Zu sehen sind (von links) die Mondlandefähre „Blue Moon Mark 1“ von Blue Origin, der bemannte Rover von Astrolab, der Mondrover „Pegasus“ von Lunar Outpost sowie der Orbiter „Firefly Elytra Dark“. Mit diesen Systemen will die Nasa langfristige Einsätze am Mond-Südpol vorbereiten.
Foto: NASA/Aubrey Gemignani
Die Nasa will den Mond nicht mehr nur besuchen. Sie will dort dauerhaft arbeiten. Genau dafür hat die Raumfahrtbehörde jetzt neue Missionen, Rover und Landefähren vorgestellt. Schritt für Schritt soll am Südpol des Mondes eine Infrastruktur entstehen, die langfristige Einsätze überhaupt erst möglich macht.
Damit verändert sich auch die Strategie der amerikanischen Raumfahrt. Während das Apollo-Programm vor allem auf spektakuläre Landungen setzte, plant die Nasa heute deutlich weiter. Fahrzeuge sollen Material transportieren, autonome Systeme gefährliche Regionen erkunden und robotische Missionen den Boden für spätere Artemis-Crews vorbereiten.
Im Mittelpunkt steht der Südpol des Mondes. Dort vermuten Forschende größere Mengen Wassereis. Genau dieses Eis könnte künftig über Erfolg oder Scheitern langfristiger Mondmissionen entscheiden. Denn daraus ließen sich Sauerstoff, Wasser und sogar Treibstoff gewinnen.
Nasa-Administrator Jared Isaacman formulierte das Ziel ungewöhnlich deutlich: „Die Mondbasis wird Amerikas und der Menschheit erster Außenposten auf einem anderen Himmelskörper sein.“ Von einer fertigen Mondbasis ist die Nasa zwar noch weit entfernt. Doch erstmals geht es nicht mehr nur um die Landung selbst, sondern um die Technik für den dauerhaften Betrieb danach.
Inhaltsverzeichnis
Warum der Südpol des Mondes so wichtig ist
Die Nasa konzentriert sich vor allem auf den Südpol des Mondes. Dort vermuten Forschende größere Mengen Wassereis in dauerhaft verschatteten Kratern. Dieses Eis könnte später eine Schlüsselrolle spielen.
Denn Wasser auf dem Mond wäre weit mehr als nur Trinkwasser. Daraus ließen sich:
- Sauerstoff für Astronautinnen und Astronauten,
- Wasserstoff als Raketentreibstoff,
- sowie Wasser für technische Systeme gewinnen.
Gleichzeitig zählt die Region zu den schwierigsten Gebieten des Mondes. Viele Krater liegen permanent im Schatten. Dort fallen die Temperaturen auf weit unter minus 150 °C. Andere Bereiche heizen sich dagegen über Tage hinweg stark auf.
Hinzu kommt der Mondstaub. Das feine, scharfkantige Material bereitete bereits während der Apollo-Missionen Probleme. Es dringt in Dichtungen ein, beschädigt Mechanik und setzt technische Systeme langfristig unter Stress.
Drei Missionen sollen die Grundlagen schaffen
Die Nasa stellte zunächst drei „Moon Base“-Missionen vor. Sie sollen Risiken reduzieren und Technologien unter realen Bedingungen testen.
Die erste Mission soll frühestens im Herbst 2026 starten. Dafür nutzt die Nasa den Lander „Blue Moon Mark 1 Endurance“ des Unternehmens Blue Origin. Geplant ist eine Landung nahe der Shackleton-Region am Südpol. An Bord befinden sich spezielle Kamerasysteme, die untersuchen sollen, wie Triebwerksstrahlen den Mondboden beeinflussen.
Das klingt auf den ersten Blick wenig spektakulär, ist technisch aber hochrelevant. Bei jeder Landung wirbeln Raketen große Mengen Staub und Gesteinspartikel auf. Diese können Sensoren beschädigen, Solarpaneele verschmutzen oder andere Systeme gefährden. Künftige Mondlandungen brauchen deshalb deutlich präzisere Daten über diese Effekte.
Zusätzlich transportiert die Mission Laser-Reflektoren. Sie helfen Raumfahrzeugen später dabei, ihre Position genauer zu bestimmen.
Rover werden zum Schlüssel der Mondstrategie
Besonders wichtig für die Nasa sind neue Mondfahrzeuge. Ohne mobile Systeme wäre ein langfristiger Betrieb kaum möglich. Astronautinnen und Astronauten könnten sich sonst nur wenige Kilometer vom Landeplatz entfernen.
Deshalb vergab die Nasa neue Entwicklungsaufträge an Astrolab und Lunar Outpost. Beide Unternehmen bauen sogenannte Lunar Terrain Vehicles, kurz LTVs.
CLV-1 von Astrolab
Astrolab entwickelt den Rover CLV-1 auf Basis seiner FLEX-Plattform. Das Fahrzeug soll Astronautinnen und Astronauten transportieren, Material bewegen und auch ferngesteuerte Einsätze ermöglichen.
Der Rover wiegt rund 900 kg und erreicht Geschwindigkeiten von knapp 10 km/h auf ebenem Gelände. Entscheidend ist allerdings weniger das Tempo als die Flexibilität. Die Fahrzeuge sollen Material transportieren, Gelände erkunden und später wissenschaftliche Geräte bewegen.
Pegasus von Lunar Outpost
Der Rover „Pegasus“ verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Das Fahrzeug fällt leichter aus und soll bis zu einem Jahr autonom arbeiten können. Laut Nasa sind Geschwindigkeiten von rund 14 km/h möglich.
Die Behörde versucht damit bewusst, mehrere technische Konzepte parallel zu entwickeln. Das soll verhindern, dass das gesamte Artemis-Programm erneut von einzelnen Systemen oder Anbietern abhängt.
MoonFall soll gefährliche Regionen erkunden
Besonders interessant wirkt die geplante Mission „MoonFall“. Dabei sollen vier autonome Fluggeräte schwer zugängliche Regionen des Mondes erkunden. Entwickelt wurde das Konzept am Jet Propulsion Laboratory.
Allerdings bleibt die Nasa bei der Technik bislang auffallend vage. Das hat einen Grund: Klassische Rotor-Drohnen funktionieren auf dem Mond praktisch nicht, weil dort fast keine Atmosphäre existiert.
Die Fluggeräte dürften daher eher hüpfende oder triebwerksgestützte Systeme sein als klassische Drohnen. Genauere technische Details nannte die Behörde bislang nicht.
Die Mission soll dennoch eine zentrale Aufgabe übernehmen: gefährliches Gelände kartieren, potenzielle Landeplätze analysieren und hochauflösende Bilder liefern.
Der Mond wird zum Testfeld für den Mars
Viele Technologien der geplanten Mondbasis dienen eigentlich einem anderen Ziel: späteren Missionen zum Mars. Die Nasa will auf dem Mond unter anderem testen:
- autonome Fahrzeuge,
- robotische Wartung,
- Langzeitbetrieb technischer Systeme,
- Ressourcengewinnung vor Ort,
- sowie den Umgang mit extremer Strahlung und Staub.
Gerade die Mondnacht gilt als großes Problem. Sie dauert etwa zwei Wochen. Während dieser Zeit liefern Solaranlagen keinen Strom. Gleichzeitig sinken die Temperaturen massiv ab. Systeme müssen daher entweder Energie speichern oder alternative Energiequellen nutzen.
Auch die Kommunikation am Südpol ist kompliziert. Viele Regionen liegen außerhalb direkter Sichtverbindung zur Erde. Künftige Missionen benötigen deshalb zusätzliche Kommunikationssatelliten oder Relaisstationen.
Noch ist vieles ungelöst
Die aktuellen Pläne zeigen vor allem eines: Die Nasa denkt inzwischen deutlich weiter als nur bis zur nächsten Mondlandung. Gleichzeitig stehen viele Technologien erst am Anfang. Kein Rover hat bislang dauerhaft unter den extremen Bedingungen des Mond-Südpols gearbeitet. Auch langfristige Energieversorgung, Staubschutz und autonome Systeme bleiben technische Großbaustellen.
Dennoch verändert sich der Ansatz der Raumfahrt gerade deutlich. Während Apollo vor allem kurze Missionen ermöglichte, arbeitet die Nasa nun an einem kompletten Betriebssystem für Einsätze auf einem anderen Himmelskörper.
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