Messe Automatica 27.06.2025, 17:13 Uhr

Humanoider Roboter von Neura im Messestress

Das deutsche Start-up Neura Robotics präsentierte in München auf der Messe Automatica einen humanoiden Roboter und einen Haushaltsroboter. In Aktion waren dort allerdings andere spannende Roboter zu sehen.

Der Haushaltsroboter Mipa und die neue Generation des Humanoiden 4NE1 gehörten auf der Messe Automatica zu den Highlights von Neura Robotics. Für Bewegung sorgten allerdings andere Roboter. Foto: M. Ciupek

Der Haushaltsroboter Mipa und die neue Generation des Humanoiden 4NE1 gehörten auf der Messe Automatica zu den Highlights von Neura Robotics. Für Bewegung sorgten allerdings andere Roboter.

Foto: M. Ciupek

Kaum ein Roboterhersteller zog vor der Branchenmesse Automatica in München so viel Aufmerksamkeit auf sich, wie das deutsche Start-up Neura Robotics. Schon vor der Messe hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Metzingen angekündigt, die neuesten Versionen des humanoiden Roboters 4NE1 sowie den ersten serienmäßigen Haushaltsroboter Mipa live zu präsentieren. Dazu hatte das Unternehmen Partnerschaften mit Unternehmen wie dem Hausgerätehersteller Vorwerk, dem Automobilzulieferer Schaeffler sowie Vodafone bekannt gegeben. Mit der in den Robotern integrierten 5G-Technik des Telekommunikationskonzerns sollen Daten übertragen und verarbeitet werden. Die sammeln die selbstlernenden Maschinen beispielsweise beim Ausräumen der Spülmaschine oder beim Staubsaugen.

Medien, wie Bild, FAZ und Wirtschaftswoche schrieben über die Pläne. Fernsehteams reisten zur Messe, um die Roboter in Aktion zu sehen. Zum angekündigten Präsentationstermin am vergangenen Dienstagvormittag war der Messestand deshalb übervoll. Als Neura-Gründer David Reger dann ankündigte, dass die Humanoiden noch nicht da sind, war vielen Gästen die Verwunderung anzusehen. Die technischen Innovationen, wie eine berührungslose Sensorhaut, ein Sensorsystem, das zwischen Menschen und Gegenständen unterscheiden kann, sowie die Präsentation des Robotik-Ökosystems Neuraverse, wurden da für viele zur Nebensache.

Die Sensorhaut von Neura detektiert berührungslos. Das ist für eine sichere Interaktion zwischen Mensch und Roboter wichtig. Foto: M. Ciupek

Die Sensorhaut von Neura detektiert berührungslos. Das ist für eine sichere Interaktion zwischen Mensch und Roboter wichtig.

Foto: M. Ciupek

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Humanoider Roboter von Neura kommt zu spät zu seiner Präsentation

Doch was war passiert? Am frühen Morgen hatte es auf der Autobahn A8 einen Unfall mit mehrstündiger Vollsperrung gegeben. Laut Reger standen die Roboter deshalb im Stau. Aber auch als die Roboter endlich da waren, konnten sie nicht direkt in Betrieb genommen werden. Lediglich der Haushaltsroboter war danach zumindest kurzzeitig kurz in Aktion sehen.

Arne Nordmann, Entwicklungsleiter bei Neura, erklärte dazu gegenüber VDI nachrichten: „Das war unserer Start-up Geschwindigkeit geschuldet. Wir waren zur Vorbereitung ziemlich lang in den Laboren und sind dann durch die Sperrung der A8 in den Stau gekommen.“ Dadurch kamen die humanoiden Roboter nicht rechtzeitig auf den Messestand. „Das hat uns leider die Reveal-Show am Dienstag etwas verhagelt“, räumt er ein.

Deshalb war der humanoide Roboter von Neura nicht in Aktion

Auch humanoide Roboter brauchen eine Eingewöhnungsphase. „Wir hatten nicht genug Zeit, um den Roboter auf der Messe einzurichten. Bislang trainieren wir den Roboter hauptsächlich in Produktionsszenarien. Wir mussten feststellen, dass der Messekontext dazu sehr unterschiedlich ist“, erklärt Nordmann. Beleuchtungsbedingungen, Anzahl der Menschen, Konnektivität der Maschinen, all das bereitete den humanoiden Robotern Probleme.

Nahaufnahme der dritten Generation des humanoiden Roboters 4NE1. Foto: M. Ciupek

Nahaufnahme der dritten Generation des humanoiden Roboters 4NE1.

Foto: M. Ciupek

Zunächst versuchte man diese noch in Griff zu bekommen. Nordmann dazu: „Nachdem die Roboter angekommen waren, haben wir dann über Nacht unsere Teams drangesetzt. Wir mussten aber feststellen, dass die Performance nicht die war, die wir kennen. Deshalb kam die klare Ansage vom CEO David Reger: ‚Wir zeigen den hier in Aktion, wenn zu erkennen ist, dass es der beste Roboter der Welt ist.‘ “ Die Folge: „Weil wir vorher in der Umgebung nicht trainieren konnten, haben wir die Leistungsfähigkeit aber nicht erreicht. Deswegen zeigen wir ihn aktuell nicht live vor Kameras.“ Gleiches gilt für den Haushaltsroboter MiPA, der zumindest zeitweise im Betrieb zu sehen war.
In diesem Punkt wählte Neura-Chef Reger also eine andere Strategie als Tesla-Boss Musk. Bei dem waren die Humanoiden während ihrer ersten Live-Präsentation Ende 2024 teleoperiert und hatten menschliche Aufpasser an ihrer Seite. Dafür hatte es in der Roboterbranche Kritik gegeben.

Die Branche reagiert unterschiedlich auf die Automatica-Präsentation von Neura

In der Branche gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Grundsätzlich finden viele Experten aus der Branche, dass die Robotik von der großen Aufmerksamkeit profitieren kann. Potenzielle Anwender würden dadurch auf die Möglichkeiten von Robotern und KI aufmerksam und landeten dann – so die Hoffnung – bei den Roboterherstellern mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Es gab aber auch Stimmen, die die misslungene Produktpräsentation als Bärendienst für die Roboterbranche betrachten. Sie befürchten einen Vertrauensverlust, weil durch das Marketing im Stil von Elon Musk Erwartungen entstehen, die sich nicht so schnell erfüllen lassen.

Diese anspruchsvollen Roboter-Applikationen funktionieren auch auf der Messe

Dabei gab es auf der Automatica durchaus Lösungen, die auch in der Messehalle zuverlässig funktionierten. Beispielsweise belegten am Stand von Fanuc zwei Roboter im Messe-Hochbetrieb hunderte Baguettes. Direkt gegenüber von Neura Robotics zeigte ein weiteres großes Start-up die Interaktion verschiedener Roboter in einer nachgestellten Produktionsumgebung. Agile Robots aus München hatte dazu den Ablauf allerdings von vornherein abgespeckt und für die Messeumgebung angepasst. Statt Endstücke eines Kabelbaums per Roboter zu stecken, mit einem mobilen Transportsystem zur nächsten Station zu bringen und dort zu verkleben, hatte man z.B. auf das Verkleben verzichtet. Sonst hätte das Team nach jedem Durchlauf einen neuen Kabelstrang auflegen müssen.

ABB zeigte hinter großen Glasscheiben, wie mehrere mobile und stationäre Roboter beim Schweißen größerer Bleche miteinander interagieren. Auch hier wurde der Schweißprozess lediglich angedeutet. Kuka präsentierte in Kooperation mit dem Maschinenbauer Heller ebenfalls mobile Roboter in Aktion, z.B. beim Beladen einer nachgestellten Maschine.

Erste Einblicke in die automatisierte Produktion bei Neura

Aber auch bei Neura waren bewegte Roboter zu sehen. Das Unternehmen zeigte damit beispielsweise, wie die voll automatisierte Produktion seiner Humanoiden künftig aussehen könnte. In der hintersten Ecke bewegten sich mehrere mobile Logistikroboter für unterschiedliche Aufgaben. Ein flaches Transportsystem beförderte Paletten. Ein weiteres System mit einem aufgesetzten Teilelager und angebautem Roboterarm verdeutlichte Handling und Kommissionierung einzelner Bauteile. Parallel zeigte ein mobiler Manipulationsroboter mit zwei Armen wie Komponenten der Roboter entgratet werden können. Etwas verloren sah dagegen der Multiarmroboter aus. Dort hätte eigentlich ein humanoider Roboter platziert werden sollen, dem seine Haut angelegt wird.

Außerdem präsentierten einige Neura-Partner, wie die Roboter eingesetzt werden können. QPS Engineering aus der Schweiz nutzt beispielsweise einen Roboterarm zur Inspektion von befüllten Gläsern für die Medizin- und Pharmabranche. Der Roboter bringt dazu den Inhalt in Bewegung, um kurz danach mit Kameras Verunreinigungen zu erkennen, die sich am Boden abgesetzt haben könnten. Es gibt also viele Roboterlösungen, die auch unter Messestress bereits zuverlässig funktionieren.

Partner QPS Engineiering nutzt einen Knickarmroboter von Neura für die Inspektion von gläsernen Ampullen. Foto: M. Ciupek

Partner QPS Engineiering nutzt einen Knickarmroboter von Neura für die Inspektion von gläsernen Ampullen.

Foto: M. Ciupek

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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