Katastrophenmanagement 09.02.2015, 06:55 Uhr

Rettungsarmband eTriage beschleunigt Abtransport von Schwerverletzten

Welche Unfallopfer müssen bei Großunfällen am schnellsten abtransportiert werden? Eine Antwort liefert das Rettungsarmband eTriage, das das Fraunhofer-Institut auf der Cebit 2015 vorstellt. Es hält die Einsatzleitung über den Zustand jedes Opfers auf dem Laufenden, indem es die Vitaldaten per Funk übermittelt.   

Bislang markieren Ersthelfer die Opfer von Großunfällen mit farbigen Papierkarten, um Schweregrad der Verletzung und Reihenfolge des Abtransports festzulegen. Elektronische Armbänder schlagen beispielsweise dann Alarm, wenn es einem Verletzten schlagartig schlechter geht.

Bislang markieren Ersthelfer die Opfer von Großunfällen mit farbigen Papierkarten, um Schweregrad der Verletzung und Reihenfolge des Abtransports festzulegen. Elektronische Armbänder schlagen beispielsweise dann Alarm, wenn es einem Verletzten schlagartig schlechter geht.

Foto: dpa/Andreas Rosar

Bislang erfolgt die als Triage bezeichnete Erstsichtung von Opfern bei Naturkatastrophen, Zugunglücken oder Großbränden rein manuell. Mithilfe farbiger Papierkarten markieren die Ersthelfer die Opfer und geben ihren Kollegen so eine Information zum Schweregrad der Verletzung. Die Farben Grün, Gelb, Rot und Schwarz signalisieren, wer besonders schnell in ein Krankenhaus gebracht werden muss und bei wem eine Versorgung vor Ort ausreicht. Puls oder Atemfrequenz werden zusätzlich auf die Karten geschrieben.

Ein Problem dabei: Diese notierten Daten zeigen zwar, wie es dem Opfer ging, als die Retter es vorfanden. Mal eben aktualisiert werden können sie aber nicht. Das EU-Projekt Bridge will das Katastrophenmanagement bei Großunfällen mit dem System eTriage vereinfachen. Verantwortlich für die technische Gesamtkoordination ist das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) in Sankt Augustin. Im März wird die Entwicklung auf der CeBIT in Hannover vorgestellt.

eTriage soll Abtransport von Schwerverletzten beschleunigen

eTriage funktioniert folgendermaßen: Anstatt Papierkarten legen die Helfer den Opfern elektronische Armbänder an, die einerseits eine schnelle Ortung ermöglichen, in bestimmten Fällen aber auch ständig Vitaldaten an die Einsatzleitstellen übermitteln. Unversehrte oder nur leicht Verletzte bekommen ein grün gekennzeichnetes Armband, das lediglich einen GPS-Sensor zur Ortung enthält. Bei instabilen und schwerverletzten Opfern werden zusätzlich Körpersensoren eingesetzt, die kontinuierlich Vitaldaten übermitteln.

Anstelle von herkömmlichen Papierkarten versehen Ersthelfer die Verletzten mit farbigen Elektroarmbändern. Das verbessert den Überblick bei der Koordination der Rettungsmaßnahmen.

Anstelle von herkömmlichen Papierkarten versehen Ersthelfer die Verletzten mit farbigen Elektroarmbändern. Das verbessert den Überblick bei der Koordination der Rettungsmaßnahmen.

Foto: Fraunhofer FIT

Wie bei den Papierkarten signalisieren auch die Plastikarmbänder die Schwere des Verletzungsgrades durch Farbkodierungen. „Mit unserem eTriage-System ist ein mit rot kategorisiertes schwerverletztes Opfer spätestens nach 30 Sekunden gemeldet und kann sofort abtransportiert werden“, erläutert Erion Elmasllari, Wissenschaftler am FIT. „Bei der herkömmlichen Papier-Methode dauert es bis zum Abtransport oftmals bis zu 30 Minuten.“

Der enorme Zeitgewinn bis zum Abtransport ist damit zu erklären, dass die elektronische Übermittlung die Gesamtsituation schneller übersichtlich macht. Dr. René Reiners, Projektleiter am FIT, erklärt: „Die Daten werden auf Großbildschirmen in den Einsatzleitstellen oder auch auf mobil eingesetzten Tablets und Smartphones visualisiert. Ersthelfer und Einsatzleiter erhalten so ein genaues Bild der aktuellen Lage vor Ort. Die Retter erkennen sofort, wo sich die meisten Schwerverletzten befinden und können umgehend entsprechende Rettungsmaßnahmen koordinieren.“

Datenübertragung per WLAN oder ZigBee

Die Daten werden per WLAN oder über das Mobilfunknetz übertragen, aber auch über ein sogenanntes ZigBee – ein langsames, aber weitreichendes Funknetz. FIT-Wissenschaftler Elmasllari: „Dies ist ein großer Vorteil, denn bei Katastrophen ist es oft die Kommunikation, die zuerst zusammenbricht. Wir benutzen die anderen Netze, wenn sie da sind, aber wenn nicht, dann bauen wir einfach unser unabhängiges, voll funktionierendes ZigBee-Netz.“

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