Kunststoffabfall im Medizinsektor 13.10.2025, 10:00 Uhr

Plastikflut im Krankenhaus: MACS macht Recycling trotz Keimen möglich

Im Gesundheitswesen fallen Millionen Tonnen Plastikmüll an – nun zeigt ein deutsches Projekt, wie sich selbst kontaminierte Kunststoffe sicher recyceln lassen.

Mit moderner Sterilisationstechnik soll Krankenhausmüll künftig zu wertvollem Rohstoff werden – wenn die Gesetze mitziehen.

Mit moderner Sterilisationstechnik soll Krankenhausmüll künftig zu wertvollem Rohstoff werden – wenn die Gesetze mitziehen.

Foto: Smarterpix/eplisterra

Egal ob Einwegspritzen, Schutzkleidung oder Infusionsschläuche – das Gesundheitswesen strotzt vor Kunststoff. Allein Krankenhäuser sind mit rund 5 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr der fünftgrößte Abfallproduzent in Deutschland. In Zeiten, wo Nachhaltigkeit, Recycling und Umweltschutz immer wichtiger werden, müssen Wege gefunden werden, das Abfallaufkommen zu reduzieren. Doch wie hoch ist der Müllanteil in der Gesundheitsbranche und was kann getan werden, um dem entgegenzuwirken?

Plastikflut im Krankenhaus

In Gesundheitseinrichtungen, wie Kliniken, Laboren, Pflegeheimen oder Arztpraxen fallen täglich große Mengen an Einmal-Kunststoffartikeln an:

  • Pro Patienten fallen durchschnittlich rund 400 Gramm Plastik pro Tag an
  • Im Durchschnitt entstehen pro Patienten und Krankenhausaufenthalt etwa 8,3 Kilogramm Abfall
  • 13-mal mehr Abfall pro Person im Medizinsektor als in Privathaushalten

Neben Plastik entsteht in der Gesundheitsbranche aber auch anderer Abfall, wie Glasflaschen, Desinfektionsmittelbehälter, Kanülen, Organe oder Medikamentenreste. Auch chemische Abfälle und veraltete Medizingeräte müssen fachgerecht entsorgt werden. Rund ein Viertel des jährlichen Abfalls beinhaltet allerdings Kunststoffe, welche nach einmaliger Benutzung direkt entsorgt und im Anschluss verbrannt werden.

Recycling von kontaminiertem Plastik möglich?

Im Gesundheitssektor können die meisten Materialien aus gutem Grund nur einmal verwendet werden – wegen der Infektionsgefahr. Der Abfall kann kontaminiert und dementsprechend gefährlich sein.

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Hier kommt das derzeit laufende Projekt des Prüflabors für Desinfektionsmittel und Medizinprodukte HygCen Germany, des Maschinenbauers ERMAFA und des Instituts für Polymer- und Produktionstechnologien ins Spiel: Gemeinsam arbeiten sie an einer Lösung, wie sich Einmal-Kunststoffartikel aus Krankenhäusern und medizinischen Laboren stofflich recyceln und daraus hygienisch unbedenkliche Rezyklate herstellen lassen, die wiederum für die Produktion neuer Produkte genutzt werden können.

Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

MACS-System: Gefährlicher Plastikmüll wird unschädlich gemacht

Das Herzstück des Projekts ist das sogenannte MACS-System (Machine Autoclave Cutting Sterilization) – ein System des Maschinenbauers ERMAFA.

(v.l. Andreas Faber, Ulf Jacob) Das MACS-System sterilisiert und recycelt kontaminiertes Plastik - mithilfe von Vakuum und heißem Wasserdampf. Foto: Tim Stockhausen

(v.l. Andreas Faber (ERMAFA), Ulf Jacob (DBU)) Das MACS-System sterilisiert und recycelt kontaminiertes Plastik – mithilfe von Vakuum und heißem Wasserdampf.

Foto: Tim Stockhausen

Die Maschine bietet eine effiziente Lösung zur Behandlung medizinischen Abfalls mittels Dampfsterilisierung. Nach dem die Materialien zerkleinert werden, erfolgt die Sterilisierung sämtlicher schädlicher Mikroorganismen, einschließlich Bakterien, Viren und Sporen. Dafür wird Vakuum und gesättigter Wasserdampf eingesetzt. Nach dem Verfahren bleibt nur noch ein ungefährlicher und stark volumenreduzierter Abfall zurück – vergleichbar mit herkömmlichem Hausmüll. Dieser kann im Anschluss sicher weiterverarbeitet, recycelt oder umweltgerecht entsorgt werden.

So kann in allen Bereichen, in denen sortiert hochwertiger Kunststoffabfall entsteht, ein hygienisch unbedenkliches Rezyklat von hoher Qualität erzeugt werden. Im Rahmen des Projekts werden die Materialeigenschaften der Rezyklate optimiert, damit sie im Sinne einer Kreislaufwirtschaft erneut eingesetzt werden können.

Langfristig soll das Rezyklat möglichst regional für die Wiederverwertung genutzt werden, beispielsweise über eine Rohstoffbörse oder die Rücknahme durch die Hersteller der Kunststoffmaterialien. Dafür bräuchte es ein Netzwerk – zwei wichtige Instanzen deckt das Projekt bereits ab: Die Krankenhäuser und Labore sind die Bereitsteller, ERMAFA ist der Gerätehersteller zur Inaktivierung des Mülls. Was es aber noch bräuchte, wären die Sortierbetriebe, die den inaktivierten Müll in wiederverwertbare Fraktionen auftrennen, die Regranulierer, die Rezyklat aus diesen Fraktionen produzieren und die Abnehmer des entstandenen Rezyklats.

Trotz Plastikflut kein Einsatz von medizinischem Rezyklat möglich

Bisher müssen infektiöse Abfälle aus dem Gesundheitssektor in Deutschland auch nach Sterilisation verbrannt werden – der Wiedereinsatz von Rezyklaten ist nicht erlaubt. Das Projekt zeigt, dass auch verschmutzte und hygienisch problematische Kunststoffmaterialien sicher recycelt werden können.

„Das Hauptziel wäre, dass Recycling bei medizinischem Abfall möglich ist. Was wir uns wünschen, ist, dass die Regularien geändert werden, dass man das auch darf.“ – Andreas Felber, ERMAFA Sondermaschinen & Anlagenbau GmbH

Laut den Projektleitenden muss ein hoher Infektionsschutz nicht im Widerspruch zu einem ressourcenschonenden Umgang mit Kunststoffprodukten stehen. Damit die Recyclingquoten bei Einweg-Plastikutensilien in der Medizinbranche steigen, muss der rechtliche Rahmen angepasst werden. Das würde dazu beitragen, die großen Abfallmengen im Gesundheitssektor zu verringern.

Ein Beitrag von:

  • Anastasia Pukhovich

    Anastasia Pukhovich ist Volontärin beim VDI Verlag. Ihre Tätigkeit beim Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien weckte ihr Interesse an allen Themen rund um Wissenschaft und Technik. Besonders gerne verfolgt sie journalistisch die Themen Medizintechnik und Karriere.

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