Roboter 29.07.2019, 07:00 Uhr

Per Anhalter durch den Körper

Diagnostische Verfahren sind für Patienten mitunter recht belastend, etwa die Endoskopie. Auch bei der Therapie greifen Ärzte oft zum Skalpell. Beide Bereiche könnten Mikroroboter übernehmen.

Bakterien im Darm werden durch eine osmotische "Pumpe" in der Pille in die spiralförmigen Kanäle gezogen.
Foto: Nano Lab, Tufts University

Bakterien im Darm werden durch eine osmotische "Pumpe" in der Pille in die spiralförmigen Kanäle gezogen.

Foto: Nano Lab, Tufts University

Unser Darmmikrobiom, sprich die Gesamtheit aller Bakterien im Darm, wird mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Dazu zählen Entzündungen, Tumore, aber auch Stoffwechselstörungen. Da sich der Darm in mehrere Abschnitte gliedert, war es bislang nur mit belastenden Koloskopien (Darmspiegelungen) möglich, die räumliche Verteilung von Bakterien zu untersuchen. Ingenieure der Tufts University in Boston zeigen jetzt, dass eine Hightech-Pille Proben nehmen kann, ohne Patienten zu beeinträchtigen.

Per 3D-Druck zur nicht invasiven Diagnostik 

Die Pille wird über 3D-Druckverfahren hergestellt. Sie besteht aus feinsten Kanälchen, bekannt als Mikrofluidik, um Flüssigkeiten mit Bakterien aufzunehmen. Als Oberfläche kommt eine pH-sensitiven Beschichtung zum Einsatz. Ziel der Entwickler ist, dass nicht im sauren, bakterienfreien Milieu des Magens Proben genommen werden, sondern erst im basischen Bereich des Dünndarms. Bei pH-Werten deutlich über 7,0 löste sich die Beschichtung auf. Erst dann liegen die Kanälchen frei.

Eine semipermeable Membran trennt zwei Kammern in der Pille – eine mit spiralförmigen Kanälen, die die Bakterien aufnehmen, und die andere mit einer Calciumverbindung gefüllt. Die Salzkammer hilft, einen osmotischen Fluss durch die Membran zu erzeugen, um Bakterien in die spiralförmigen Kanäle zu ziehen. Und ein kleiner Magnet in der Pille ermöglicht es, sie zu steuern. Der zweite Magnet wird von außen an den Körper gehalten, um das Tool im Inneren des Darms zu positionieren.

Die Bedeutung von Darmbakterien besser verstehen

Anschließend verlässt die Pille auf ganz natürlichem Weg den Körper und wird im Labor mithilfe molekularbiologischer Methoden untersucht. Erste Tests zur Sicherheit verliefen bereits erfolgreich, wenn auch nur im Tiermodell.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Electrical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Mechanical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Umwelt und Landschaftsplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT-Firmenlogo
Commissioning Coordinator Platform 2GW (all genders) TenneT
Batam (Indonesien) Zum Job 
ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG-Firmenlogo
Techn. Systemplaner:in / Technische Gebäudeausrüstung (TGA) - Planer:in im Planungsteam Fernwärme (m/w/d) ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG
Bad Endorf Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Professur (w/m/d) Analog- und Digitalelektronik Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Kempten (Allgäu) Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 

„Wir verfügen schon lange über fortschrittliche Technologien zur Analyse von Bakterienpopulationen mithilfe der DNA-Sequenzierung, konnten bislang aber keine Bakterien im gesamten Magen-Darm-Trakt auf nicht-invasive Weise sammeln“, sagt Hojatollah Rezaei Nejad von der Tufts University. Durch diese besondere Art der Probenahme könnte die Pille dazu beitragen, die Rolle verschiedener Darmbakterien für Gesundheit und Krankheit besser zu identifizieren und zu verstehen, so die Forscher.

Angriff auf den Tumor 

Das System eignet sich derzeit dazu, flüssige Proben zu nehmen und später zu untersuchen. Nahezu zeitgleich stellten Forscher des California Institute of Technology einen Mikroroboter vor, der Medikamente gezielt an bestimmten Stellen im Körper abgibt, etwa an einen Tumor.

Ihre Mikroroboter werden ebenfalls per 3D-Druck hergestellt. Sie bestehen aus mikroskopisch kleinen Kugeln. Hier kommt elementares Magnesium zum Einsatz. Das Leichtmetall wird mit dünnen Schichten aus Gold überzogen. Danach folgt Parylen, ein Polymer, das von Verdauungssäften nicht angegriffen wird. Unter dem Parylen könnten sich später beispielsweise Arzneistoffe befinden, was aber noch nicht gezeigt wurde. An einer Stelle haben die Gold- und Kunststoffschichten ein Fenster. Dort reagiert Magnesium später mit den Flüssigkeiten im Verdauungstrakt. Bei der Oxidation des Metalls entsteht Wasserstoff. Dabei entstehen kleine Gasblasen. Sie wirken wie ein Strahl und treibt sie Kugel per Rückstoß an. Schließlich landet sie im Gewebe, etwa in einem Tumor.

Behandlung per „Schrotschuss“

Das allein hätte noch nicht ausgereicht. Im Experiment kam deshalb die Photoakustische Tomografie zum Einsatz. Sie arbeitet berührungslos mit sehr schnellen Laserpulsen, die im Gewebe Ultraschall erzeugen. Das Verfahren hilft nicht nur beim Aufspüren von Krebs im Verdauungstrakt. Vielmehr lässt sich die Position von Mikrorobotern genau verfolgen.

Sobald diese sich einem Tumor nähern, werden sie mit einem Hochleistungs-Dauerstrich-Nahinfrarot-Laser aktiviert. Da Mikroroboter Infrarotlicht sehr stark absorbieren, erwärmen sie sich. Ihre Wachshülle schmilzt, die Bläschenbildung wird aktiviert, und die Mikroroboter gelangen in den Tumor. Diesen letzten Schritt beschreiben Wissenschaftler als „Schrotschuss“. Die Roboter treffen nicht alle genau die richtige Stelle. Da Tumoren aber eine gewisse Ausdehnung haben, vor allem in fortgeschrittenen Stadien, sei das unproblematisch, schreiben die Wissenschaftler. Viel entscheidender sei, dass man höhere Konzentrationen an Arzneistoffen geben könne, weil diese nur gezielt und lokal zur Anwendung kämen. Bei klassischen Chemotherapien erhalten Patienten Wirkstoffe als Infusion oder als Tablette. Der gesamte Körper wird belastet.

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.