Drucksensor verhindert wunde Stellen 18.04.2014, 07:00 Uhr

Neues Verfahren erkennt Hautschäden durch Reibung frühzeitig

Wie eine zweite Haut soll es gefährliche Wunden verhindern: Forscher der Universität Southampton haben ein neues Verfahren entwickelt, bei dem mit Hilfe von Drucksensoren frühzeitig wunde Stellen erkannt werden. Helfen soll es Menschen im Rollstuhl, mit Amputationen oder bettlägerigen Patienten.

Rollstuhlfahrer bei den Paralympics: Mit Hilfe von Drucksensoren verhindert ein neues Verfahren, dass die Haut wunde Stellen bekommt. Es soll auch bei Rollstuhlfahrern eingesetzt werden

Rollstuhlfahrer bei den Paralympics: Mit Hilfe von Drucksensoren verhindert ein neues Verfahren, dass die Haut wunde Stellen bekommt. Es soll auch bei Rollstuhlfahrern eingesetzt werden

Foto: dpa/Sergei Chirikov

Bei dem neuen Verfahren wird ein Sensor eingesetzt, der dünn und beweglich ist und aussieht wie eine kleine goldene Briefmarke. Bei Menschen, die nach einer Amputation eine Prothese tragen, wird der Sensor in einen gepolsterten Überzug gesteckt, der dann zwischen den Stumpf und die künstliche Gliedmaße platziert wird. Anders als bei anderen Verfahren erkennt der verwendete Sensor Reibung und Druck nach unten. Damit können wunde Stellen früher als bisher entdeckt werden.

App mit Ampelfunktion geplant

Der Sensor sendet die Informationen an Ärzte und Wissenschaftler. Damit können sie die Bewegungen des Patienten überwachen und feststellen, ob sie Veränderungen vornehmen müssen. Geplant ist auch, eine App mit einer Ampelfunktion zu entwickeln. So könnte über das Smartphone rechtzeitig vor wunden Stellen gewarnt werden. Falls nötig, kann dann die Polsterung angepasst werden. Mit Hilfe der Sensoren kann aber auch ermittelt werden,  ob ein Krankenhausbesuch für eine weitere Untersuchung notwendig ist.

Das Verfahren entwickelten Wissenschaftler der Universität Southampton gemeinsam mit der britischen Firma Blatchford, die Medizintechnik herstellt. Ursprünglich war sie ausschließlich für Prothesenträger vorgesehen. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 50.000 Amputationen vorgenommen. Nach einer britischen Untersuchung tragen rund ein Viertel der Betroffenen ihre Prothesen seltener als sie eigentlich möchten, weil sie ihnen Schmerzen oder Unannehmlichkeiten bereiten.

Einsatz auch bei Rollstuhlfahrern

Darüber hinaus führt die Amputation häufig zu einer Unempfindlichkeit des Stumpfs. „Zahlreiche Patienten leiden unter Nervenschädigungen und einer verringerten Empfindlichkeit der Haut. Das bedeutet, dass sie den Schmerz oder eine Verletzung des Gewebes nicht so genau spüren wie wir“, erläutert Projektleiter Liudi Jiang. „Das kann sehr rasch zu Problemen führen. Ist das weiche Gewebe einmal verletzt, können auch gefährliche Infektionen entstehen.“

Ist das Verfahren erfolgreich, könnte das Einsatzgebiet für die Sensoren ausgeweitet werden. Sie könnten auch bei Rollstuhlfahrern und bettlägerigen Menschen verwendet werden.

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