Lungenveränderungen erkennen 11.05.2020, 07:00 Uhr

Neues Röntgenverfahren zur Covid-19-Diagnostik

Bessere Aufnahmen der Lunge bei geringerer Strahlenbelastung: Das wünschen sich Ärzte bei der Covid-19-Diagnostik. Jetzt stellen Forscher der TUM ein neues CT-Gerät vor. Der Prototyp soll bald getestet werden.

Röntgendiagnostik bei Covid-19

Covid-19-Diagnostik mit einem Gerät zur Dunkelfeld-Bildgebung via Röntgenstrahlung.

Foto: ediundsepp Gestaltungsgesellschaft / TUM

Nach dem Kontakt mit Sars-CoV-2-Viren entwickeln manche – aber keineswegs alle – Patienten die Lungenerkrankung Covid-19. Viele Infektionen verlaufen komplett ohne Beschwerden oder nur mit leichten Erkältungssymptomen. Die Erreger lassen sich aus Abstrichen gewinnen und mit der Polymerase-Kettenreaktion vermehren. Darauf beruht die Diagnostik: „Sonden“, also kleine Nukleinsäuren, erkennen das passende Gegenstück im Erbgut des Virus.

Die PCR-Diagnostik hilft aber nicht weiter, wenn es um die Lungenerkrankung Covid-19 geht. Schon zu Beginn der Pandemie fanden Ärzte bei Computertomographien (CT) typische Strukturen, die Milchglastrübungen genannt werden. Sie wurden schon bei Lungenerkrankungen durch andere Coronaviren wie Sars oder Mers beobachtet. Außerdem stehen CT-Aufnahmen in wenigen Minuten zur Verfügung. Der Labortest kann etliche Stunden, im schlimmsten Fall sogar ein bis zwei Tage, in Anspruch nehmen.

Doch es gibt auch Nachteile: Die CT führt zu einer – wenn auch geringen – Strahlenbelastung. Und sie liefert nicht immer leicht interpretierbare Ergebnisse. Beide Defizite versuchen Forscher der Technischen Universität München (TUM) mit einem neuartigen Röntgenverfahren jetzt zu umgehen.

Bessere Ergebnisse mit der Dunkelfeld-Methode

Handelsübliche Technologien der Röntgen-Bildgebung inklusive CT arbeiten mit der Abschwächung von Röntgenstrahlung durch unterschiedliche Gewebe. Befindet sich etwa bei einer Lungenentzündung mehr Wasser in manchen Stellen des Körpers, wird auch mehr Röntgenstrahlung absorbiert. Nach dem Prinzip arbeitete schon Wilhelm Conrad Röntgen bei seinen Experimenten.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Spritz-Plast GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Spritz-Plast GmbH
Laufenburg (Baden) Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Planungsleiter / Projektleiter (m/w/d) für Kläranlagen mit Schwerpunkt Ingenieurbau WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Planungsleiter / Projektleiter (m/w/d) für Kläranlagen mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
Hochschule Reutlingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/x) Energiewirtschaft und Energienetze Hochschule Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
OST  Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
Professor/in für Integrierte Digitale Systeme OST Ostschweizer Fachhochschule
Rapperswil Zum Job 
Clariant Produkte (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (M/W/D) - Engineering & Process Technology Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Burgkirchen an der Alz Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Leiter Geschäftsbereich Planung / Bau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter Export - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH
Nordrach Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Business Development Manager - Western Europe (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Projektingenieur Kraftwerk (d/m/w) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Field Application Engineer Personal Hygiene EIMEA (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
SAP Business Technology Platform Engineer (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Site Manager / Construction Manager International - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Dekra Automobil GmbH-Firmenlogo
Sachkundiger Prüfmittelüberwachung / Kalibriertechniker (m/w/d) Dekra Automobil GmbH
Dortmund Zum Job 
Dekra Automobil GmbH-Firmenlogo
Prüfingenieur Fahrzeuge / Kfz Sachverständiger (m/w/d) Dekra Automobil GmbH
Dortmund Zum Job 
Dekra Automobil GmbH-Firmenlogo
(Ausbildung) Sachverständiger Anlagensicherheit AwSV (m/w/d) Dekra Automobil GmbH
Dortmund Zum Job 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur mit Bachelor - Beamten - Ausbildung (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur mit Bachelor in Informatik / Elektrotechnik - Beamten - Ausbildung (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 

Franz Pfeiffer von der Munich School of BioEngineering der TUM geht einen anderen Weg. Er arbeitet mit der Dunkelfeld-Bildgebung, um Lungenveränderungen wie Covid-19 nachzuweisen. Man erfasst den geringen Anteil des Röntgenlichts, der gestreut wird. Diese Komponente bleibt bei der normalen Methode unberücksichtigt.

Dunkelfeld-Verfahren kennt man seit über 250 Jahren aus der klassischen Mikroskopie. Sie führt zu einem dunklen Hintergrund, vor dem sich Strukturen hell abheben. Dadurch können von durchsichtigen Objekten mit geringem Kontrast gut aufgelöste, kontrastreiche Bilder erzeugt werden.

Mögliche Vorteile für Patienten

„Die Streuung ist beispielsweise an Grenzflächen zwischen Luft und Gewebe besonders stark“, sagt Pfeiffer. Dadurch ließen sich in einem Dunkelfeldbild der Lunge Bereiche mit intakten, also luftgefüllten, Lungenbläschen klar von Regionen unterscheiden, in denen die Lungenbläschen kollabiert oder mit Flüssigkeit gefüllt seien. Das führt letztlich zur Notwendigkeit, einige Patienten mit Covid-19 zu beatmen.

Pfeiffer hat das neue Verfahren seit 2008 entwickelt, stieß aber auf Hürden. Zu Beginn der Forschung gelang es ihm nur mit Röntgenlicht hoher Qualität, wie es Synchrotronlichtquellen liefern, die Dunkelfeld-Methode anzuwenden. Beim nun vorgestellten Verfahren lassen sich normale Röntgenröhren einsetzen, wie sie in Arztpraxen zu finden sind.

Hinzu kommt die geringere Strahlenbelastung für Patienten. Für eine Untersuchung mit der Dunkelfeld-Technik benötigen Ärzte nur eine Aufnahme pro Patientin. Zum Vergleich: Bei CTs werden etliche Aufnahmen in mehreren Richtungen angefertigt.

Tests mit dem ersten Prototyp

Nach Abschluss von Laborversuchen steht jetzt ein Gerät zur Verfügung, das sich eignet, um Patienten im Krankenhaus zu untersuchen. In wenigen Tagen sollen Tests beginnen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat bereits seine Zustimmung erteilt.

Kooperationspartner ist das Klinikum rechts der Isar in München. Die Forscher wollen Patienten anbieten, sich nicht nur mit einer normalen CT, sondern auch mit dem Dunkelfeld-Verfahren untersuchen zu lassen. Direkte Vergleiche ermöglichen es, die neue Technologie zu bewerten.

„Es würde sicher über ein Jahr dauern, bis solche Geräte verfügbar sind“, vermutet Pfeiffer. „Wir können aber davon ausgehen, dass der Bedarf nach kostengünstiger, zuverlässiger und schonender Covid-19-Diagnostik für längere Zeit erhalten bleibt.“

Künstliche Intelligenz für bessere Diagnosen

In der Zwischenzeit bleibt nur, Patienten mit CT zu untersuchen. Manchen Ärzten fehlt die nötige Erfahrung, um Covid-19 zu erkennen. Deshalb haben Forscher aus Wien die Open-Source-Software „Covid-19-classifier“ entwickelt. Basis ist ein neuronales Netz. Mit künstlicher Intelligenz erkennt die Software bei mehr als 90 % richtig, ob es sich um Covid-19 handelt oder nicht.

Mehr zum Thema Covid-19 und Sars-CoV-2:

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.