Nachweis in Viertelstunde 12.01.2015, 11:19 Uhr

Minilabor im Koffer ermöglicht Ebolaschnelltest in entlegenen Gebieten

Eine Minilabor im Koffer, mit dem sich auch in entlegenen Gegenden der Ebolaerreger nachweisen lässt, hat der Göttinger Wissenschaftler Ahmed Abd El Wahed entwickelt. Die Analyse dauert nur 15 Minuten. Der Diagnosekoffer soll jetzt in Guinea getestet werden.

Der Infektionsforscher Dr. Ahmed Abd El Wahed und die Leiterin der Abteilung Infektionsmodelle am DPZ, Dr. med. vet. Christiane Stahl-Hennig, präsentieren den von Abd El Wahed erfundenen Diagnosekoffer für das Ebolavirus.

Der Infektionsforscher Dr. Ahmed Abd El Wahed und die Leiterin der Abteilung Infektionsmodelle am DPZ, Dr. med. vet. Christiane Stahl-Hennig, präsentieren den von Abd El Wahed erfundenen Diagnosekoffer für das Ebolavirus.

Foto: Karin Tilc

Der neue Koffer aus Göttingen gibt den Ärzten in den Ebolagebieten die Chance, mit Ebola infizierte Menschen schneller zu isolieren und so die Ausbreitung effektiver zu bremsen. „Es ist ein mobiler Diagnose-Koffer, den man ins Feld mitnehmen kann“, erklärt Susanne Diederich, Sprecherin des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) in Göttingen. „Dort kann man Patienten bitten, eine Speichelprobe abzugeben, und hat innerhalb einer Viertelstunde das Ergebnis, ob diese Person mit Ebola infiziert ist oder nicht.“ Derzeit müssen Proben noch ins Labor gebracht werden.

Minilabor ohne Kühlung

Den kleinen schwarzen Koffer samt Labor hat der Infektionsforscher Ahmed Abd El Wahed vom Deutschen Primatenzentrum der Göttinger Universität entwickelt. Das Minilabor als Handgepäck wiegt gerade mal elf Kilogramm und beinhaltet doch die komplette Ausrüstung und alle Reagenzien, die für eine zuverlässige Ebola-Untersuchung notwendig sind.

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Der Diagnosekoffer erlaubt in nur 15 Minuten eine Analyse des Ebola-Virus. Den Strom erzeugt der Koffer durch Solarzellen.

Der Diagnosekoffer erlaubt in nur 15 Minuten eine Analyse des Ebola-Virus. Den Strom erzeugt der Koffer durch Solarzellen.

Quelle: Karin Tilch/DPZ

Der Clou dabei ist, dass die Reagenzien dabei ohne Kühlung auskommen, denn die Bestandteile des Laborkoffers können bei Umgebungstemperatur verwendet und transportiert werden. Die notwendige Energie erzeugt der Koffer selbst: Er versorgt sich selbständig mit Solarstrom.

Einsatz auf Flughäfen, Quarantänestationen und in den entlegensten Gebieten

Mit dem neuen Laborkoffer werden Untersuchungen auch in abgelegenen Orten möglich, wo Ärzte noch unter schwierigen Bedingungen ohne Strom und Kühlung arbeiten. Derzeit finden die Untersuchungen in den Ebolagebieten noch mittels der Methode der Polymerasekettenreaktion (PCR) statt. Dabei werden die Proben im Labor bis auf fast 100 Grad erhitzt und wieder gekühlt. Dafür werden aufwendige Anlagen und viel Energie benötigt.

Vor Ort kann diese Untersuchung nicht stattfinden. Die Blut- und Speichelproben müssen deshalb gekühlt in weit entfernte Labore transportiert werden, was wertvolle Zeit kostet und eine effektive Viruskontrolle und Behandlung verzögert. Zudem werden die Transportfahrzeuge auf dem Weg in das Labor oftmals überfallen. Dadurch erhöht sich die Angst um die Ausbreitung der Krankheit.

Schnelle Isolierung notwendig

Im Kampf gegen Ebola müssen die Patienten jedoch schnell isoliert werden, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet. Wissenschaftler erhoffen sich, durch die schnelle Analyse vor Ort künftig schneller reagieren und mit Ebola infizierte Menschen sofort isolieren zu können.

Infektionsforscher Dr. Ahmed Abd El Wahed.

Infektionsforscher Dr. Ahmed Abd El Wahed.

Quelle: Karin Tilch/DPZ

Der Göttinger Mediziner Ahmed Abd El Wahed nutzt im Diagnosekoffer die Rekombinase Polymerase Amplifikationstechnik (RPA) zur Analyse, die von der britischen Firma TwistDX entwickelt wurde. Anders als die PCR-Methode ist diese erheblich schneller und arbeitet bei gleichbleibender Temperatur, so dass ein Aufheizen und Kühlen der Proben wie bei der Polymerasekettenreaktion entfällt.

„Eine frühere Diagnose der Ebolavirusinfektion wird zu effektiverer Viruskontrolle führen, da das Gesundheitspersonal Ebolapatienten damit schneller identifizieren und isolieren kann“, erklärt Christiane Stahl-Hennig, Leiterin der Abteilung Infektionsmodelle am DPZ. „In abgelegenen Gegenden sind Ressourcen wie Strom und Kühlketten in den Krisengebieten kaum verfügbar“, ergänzt Ahmed Abd El Wahed, „daher sind wir sicher, dass der Diagnosekoffer zu einem besseren Management der Ebolakrise beitragen kann“.

Fünf Koffer zur Erprobung in Guinea

Die Göttinger stellen nun fünf Laborkoffer zusammen, die in Ebolazentren in Guinea zum Einsatz kommen sollen. In einem Feldversuch werden diese Koffer zusammen mit den Projektpartnern Institut Pasteur Dakar, dem staatlichen Gesundheitsinstitut von Guinea, der Universität von Stirling, dem Berliner Robert Koch Institut und der Firma TwistDx getestet.

 

Ein Beitrag von:

  • Petra Funk

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