Technik zur Vorbereitung der Organspende 15.01.2020, 07:01 Uhr

Maschine hält Spenderleber für eine Woche am Leben

Einem multidisziplinären Forscherteam in Zürich ist es gelungen, eine Maschine zu entwickeln, die den Körper so gekonnt imitiert, dass sie eine Spenderleber versorgen kann. Das System soll derzeit bis zu einer Woche lang funktionieren. Bisher war das nur über einen Zeitraum von maximal 24 Stunden möglich.

Perfusionsmaschine

Auf den ersten Blick ist die komplexe Technik der Perfusionsmaschine nicht zu erkennen, aber sie könnte Leben retten.

Foto: USZ

Die Leber nimmt im Körper eine besondere Stellung ein. Denn anders als bei vielen weiteren überlebenswichtigen Organen ist es derzeit noch nicht möglich, die Funktion der Leber zeitweise zu überbrücken. Während beispielsweise bei einem Nierenversagen die Dialyse zur Verfügung steht, und es heutzutage Kunstherzen gibt, die für einen begrenzten Zeitraum die Pumpfunktion des Muskels ersetzen können, gibt es keine Alternative zur Leber. Entsprechend hoch ist die Sterblichkeitsrate. Patienten, bei denen die Leber vollständig versagt, bleibt nur die Hoffnung auf eine Spenderleber. Die Voraussetzungen für eine gelungene Organtransplantation werden jedoch durch die Empfindlichkeit des Organs erschwert. Denn bislang galt eine Grenze von 24 Stunden, in denen das Organ – ebenfalls durch komplexe Geräte – funktionsfähig gehalten werden konnte. Schweizer Forscher haben nun einen Weg gefunden, eine Leber für bis zu eine Woche am Leben zu halten. Die neue Maschine könnte vielen Menschen mit Lebererkrankungen einen wichtigen zeitlichen Vorteil verschaffen.

Perfusionsmaschine könnte die Zahl geeigneter Spenderorgane erhöhen

Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum eine Leber an Funktionsfähigkeit einbüßen kann und gegebenenfalls die Arbeit sogar ganz einstellt. Neben exzessivem Alkoholmissbrauch sind Autoimmunerkrankungen oder Metastasen bei einer Krebserkrankung häufige Ursachen. Abhängig von der Primärerkrankung kann eine Lebertransplantation lebensrettend sein, doch die Zahl der Spenderorgane ist klein. Es können also unter anderem weite Transportwege nötig sein, um Organ und Patient zusammenzubringen.

Auf der anderen Seite ist nicht jede Spenderleber sofort für eine Transplantation geeignet, kann jedoch durch eine Behandlung außerhalb des Körpers darauf vorbereitet werden. „Der Erfolg unseres Perfusionssystems eröffnet viele neue Möglichkeiten, Spenderlebern außerhalb des Körpers zu überprüfen und zu behandeln und so den Patientinnen und Patienten mit schweren Leberkrankheiten zu helfen“, sagt Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ) und Co-Leiter des Projekts Liver4Life. Unterm Strich dürfte also auch die Zahl der verwendbaren Organe steigen, wenn es gelingt, eine Leber über einen längeren Zeitraum zu versorgen.

Gerät imitiert die Arbeit anderer Organe

Die neu entwickelte Perfusionsmaschine soll den menschlichen Körper möglichst genau imitieren, um der Leber eine ideale Umgebung zu bieten. Das funktioniert folgendermaßen: Eine Pumpe ersetzt die Arbeit des Herzens. Statt der Lungen wird ein sogenannter Oxygenator verwendet, der das Blut mit Sauerstoff anreichert. Eine Dialyseeinheit imitiert die Filterfunktion der Nieren. Allerdings ist das Zusammenspiel im Körper weitaus komplexer, als es diese Aufzählung vermuten lässt. Deswegen sind verschiedene Infusionen nötig, mit denen der Leber Hormone und Nährstoffe zugeführt werden. Im Grunde sind das Aufgaben, die sonst in erster Linie vom Darm und von der Bauchspeicheldrüse übernommen werden.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadt Freiburg-Firmenlogo
Ingenieur*in / Techniker*in / Meister*in Elektrotechnik als Projektleitung Stadt Freiburg
Freiburg Zum Job 
Staatliches Baumanagement Hannover-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Hannover
Hannover Zum Job 
Koehler Paper-Firmenlogo
Produktionsingenieur (m/w/d) Papier Koehler Paper
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur - Oberbauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Stuttgart Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY-Firmenlogo
Scientist for FPGA-based RF signal processing and control (m/f/d) Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY
Hamburg Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
Landkreis Reutlingen-Firmenlogo
Leitung (w/m/d) des Kreisbauamtes Landkreis Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Markt Bad Abbach-Firmenlogo
Sachgebietsleitung Hochbau und Gebäudeunterhaltung (w/m/d) Markt Bad Abbach
Bad Abbach Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 

Außerdem bewegt eine Maschine die Leber im Takt der menschlichen Atmung und ahmt auf diese Weise die Kontraktion des Zwerchfells nach. All diese Mechanismen haben die Forscher so genau aufeinander abgestimmt, dass sie die Leber sieben Tage lang versorgen können.

Schema Perfusionsmaschine

Diese Schema erläutert das Prinzip der Funktionsweise der neuen Maschine.

Foto: USZ

Technisches Know-how war für die Entwicklung unverzichtbar

Möglich war die Entwicklung der Perfusionsmaschine nur, weil Fachleute aus sehr unterschiedlichen Disziplinen zusammengearbeitet haben. Denn gebraucht wurden sowohl biomedizinisches als auch technisches Know-how. Neben Medizinern und Biologen waren daher auch Ingenieure im Projekt vertreten, das gemeinsam umgesetzt wurde von dem Universitätsspital Zürich (USZ), der ETH Zürich und der Universität Zürich (UZH).

„Die größte Herausforderung in der Anfangsphase unseres Projekts bestand darin, eine gemeinsame Sprache zu finden, die eine Verständigung über die jeweiligen Fachjargons der Spezialisten hinaus erlaubte“, erinnert sich Philipp Rudolf von Rohr, Professor für Verfahrenstechnik an der ETH Zürich und Co-Leiter der publizierten Studie.

Studie zeigt vielversprechende Ergebnisse

Die zusätzliche Zeit soll vor allem dafür genutzt werden, um mangelhafte Spenderlebern zu retten und dann doch zu transplantieren. Für die Studie hatten die Wissenschaftler daher zehn Spenderlebern ausgewählt, die von den Experten abgelehnt worden waren, weil die Qualität der Organe für eine Transplantation nicht ausreichte. Bei sechs dieser zehn Lebern gelang es, die Funktionsfähigkeit außerhalb des Körpers so stark zu erhöhen, dass sie die Kriterien für eine Organspende erfüllten. Voraussichtlich sollen die ersten Lebern, die mit dem neuen Verfahren behandelt wurden, bereits im laufenden Jahr transplantiert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema Entwicklungen in der Medizin:

Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.