Studie zur Kreativität 17.05.2023, 07:00 Uhr

Lösen Sie Ihre Probleme doch einfach im Schlaf!

Wenn Ihnen als Ingenieur oder Ingenieurin eine zündende Idee fehlt, sollten Sie einfach ein Nickerchen machen. Forschende des MIT und der Harvard Medical School haben nämlich herausgefunden, dass in bestimmten Phasen nach dem Schlaf die Kreativität am höchsten ist. Das Beste daran: Sie können dieses Phänomen aktiv nutzen.

eingeschlafener Mann

Wenn es nicht weitergeht, ist Schlaf die beste Idee.

Foto: panthermedia.net/stokkete

Das ist Ihnen bestimmt auch schon passiert: Kurz vor dem Einschlafen hatten Sie eine brillante Idee, und am nächsten Morgen war sie spurlos verschwunden. Wie gut, dass dieses Prinzip auch umgekehrt funktioniert! Sie können Ihren Schlaf nämlich ganz gezielt für Ihre Kreativität einsetzen. Das hat ein Forschungsteam jetzt nachgewiesen. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und von der Harvard Medical School haben für diese Studie zusammengearbeitet.

Schon Edison nutzte Schlaf für die Kreativität

Hinweise darauf, dass die frühe Phase des Schlafs Kreativität fördern soll, gibt es schon lange. Von dem amerikanischen Elektroingenieur Thomas Edison ist die Geschichte überliefert, dass er sich mit einer Metallkugel in der Hand in einen Sessel gesetzt haben soll, wenn er bei einem Problem nicht weiterkam. Schlief er ein, erschlafften die Muskeln, und die zu Boden fallende Kugel weckte ihn – in diesem Moment fiel ihm die Lösung leichter. Die Wissenschaft bestätigte seine Erfahrungswerte erst vor zwei Jahren, als Forschende des Pariser Hirnforschungsinstituts zeigten, dass Teilnehmende einer Studie Zahlenaufgaben nach einem Nickerchen besser lösen konnten.

Dem MIT-Team ging das nicht weit genug. Sie wollten die erhöhte Kreativität genauer definieren und zudem klären, ob es möglich wäre, die Träume der Menschen zu lenken. Was für einen Einfluss hätte das wiederum auf die Kreativität? Anders gesagt: Wie lässt sich der kognitive Zustand verändern?

Themen lassen sich gezielt in den Schlaf implementieren

Adam Haar Horowitz vom MIT Meda Lab ist dieser Frage mit einer speziellen Entwicklung nachgegangen, nämlich mit einem Gerät namens Dormio. Das Gerät besteht aus einem Handschuh, der drei physiologische Marker für den Schlaf misst: Veränderungen des Muskeltonus, der Herzfrequenz und des Hautleitwerts. Diese Werte sendet der Handschuh an eine App, die daraus ermittelt, wann der leichte Schlafzustand eintritt. Darauf teilt die App dem Probanden mit, über welches Thema er träumen soll, was er tatsächlich unbewusst wahrzunehmen scheint.

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Nach einigen Minuten wechselt der Träger des Handschuhs in die nächste Schlafphase. Daraufhin weckt ihn die App und fordert ihn auf, von dem Traum zu berichten, was automatisch aufgezeichnet wird. Laut dem Forschungsteam haben verschiedene Studien mit dem Dormio gezeigt, dass es möglich ist, den Inhalt der Träume zu beeinflussen. Außerdem brachte der richtige Zeitpunkt des Aufwachens einen Schub für die Kreativität.

Anwendung vom MIT kann jeder für mehr Kreativität nutzen

Teilnehmende, die aufgefordert wurden, von Bäumen zu träumen und neben weiteren Aufgaben im Anschluss eine Geschichte mit Bäumen schreiben sollten, zeigten einen um 43 Prozent höheren Index bei der Kreativität als eine Kontrollgruppe, die zwar schlief, aber ohne Trauminkubation. Im Vergleich zu einer weiteren Gruppe, die wach bleiben musste, war die Kreativität sogar um 78 Prozent erhöht. Perfekt ist also eine Trauminkubation, aber selbst durch ein gutes Nickerchen ohne äußere Hilfsmittel steigt die Kreativität nach dem Schlaf enorm.

Und nicht nur das, die Forschenden nahmen zudem Tests zur sogenannten semantischen Distanz vor. Diese zeigt an, wie nahe Wörter beieinander liegen. Bruder und Schwester haben beispielsweise eine geringe semantische Distanz, Bruder und Taschenlampe hingegen eine deutlich größere. Bei den Aufgaben zur Generierung von Verben und zur Verwendung von Alternativen stellten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fest, dass Personen, die ein Nickerchen machten, Wortkombinationen mit einer viel größeren semantischen Distanz produzierten als diejenigen, die wach blieben. Dies stützt die Theorie, dass das Gehirn während des Einschlafens Konzepte zusammenbringt, die es im Wachzustand nicht verbinden würde.

Das Team vom MIT hat übrigens eine einfache Version des Dormios entwickelt, die mit einem Timer arbeitet und dafür verwenden werden kann, Träume gezielt zu beeinflussen. Für Forschende folgt daraus: Wenn ein Problem unlösbar erscheint, sollten sie einfach mal darüber schlafen.

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Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

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