Kleinste Herzpumpe der Welt: Erfinder erhält Siemens-Ring
Für die Entwicklung der kleinsten Herzpumpe der Welt erhält Ingenieur Thorsten Sieß den Werner-von-Siemens-Ring. Die Impella-Pumpe wird in Aachen gefertigt und kann schwer kranke Herzen vorübergehend entlasten.
Er hat eine winzige Herzpumpe entwickelt und erhält dafür nun den Werner-von-Siemens-Ring 2026: Thorsten Sieß, CTO und EVP Managing Director im Bereich Heart Recovery von Johnson & Johnson MedTech.
Foto: Heike Lachmann
Eine Herzpumpe, deren Rotor nur wenige Millimeter misst und die ein geschwächtes Herz vorübergehend entlasten kann: Mit dieser Entwicklung hat der Aachener Ingenieur Thorsten Sieß die Medizintechnik geprägt. Für die Entwicklung und industrielle Fertigung der Impella-Herzpumpe wurde er am 8. Oktober 2026 mit dem 43. Werner-von-Siemens-Ring ausgezeichnet.
Bereits im vergangenen Jahr erhielt Sieß den Aachener Ingenieurpreis. Nun folgt eine weitere Auszeichnung für eine Technologie, die Anfang der 1990er-Jahre aus seiner Forschungsarbeit an der RWTH Aachen hervorging. Heute ist Sieß CTO und EVP Managing Director im Bereich Heart Recovery von Johnson & Johnson MedTech.
Inhaltsverzeichnis
Wie die kleinste Herzpumpe der Welt funktioniert
Die Impella-Herzpumpe kann ein geschwächtes Herz vorübergehend unterstützen. Dazu wird die Pumpe minimalinvasiv über einen Katheter eingeführt. Je nach Modell fördert sie Blut aus der Herzkammer in den Kreislauf und entlastet dadurch das Herz. Gleichzeitig soll die Blutversorgung der Organe aufrechterhalten werden.
Im Inneren der Pumpe arbeitet ein sogenannter Impeller, ein wenige Millimeter großer Rotor, der das Blut antreibt. Von ihm leitet sich auch der Name Impella ab.
In 1100 medizinischen Zentren rund um den Globus ist die Impella-Herzpumpe heute erhältlich. Sie wird bei Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt eingesetzt, um den unterbrochenen Blutfluss zu regulieren und den Druck aus dem System zu nehmen. „Wie bei einem Staudamm, der plötzlich geöffnet wird, sollte das Auflösen des Pfropfs im Herzkranzgefäß behutsam erfolgen“, warnt Thorsten Sieß. Sonst würde das gestaute und mit toxischen Abbauprodukten angereicherte Blut selbst das Herzgewebe schädigen. Nach Herstellerangaben kam die Impella-Herzpumpe weltweit bereits bei mehr als 400.000 Patientinnen und Patienten zum Einsatz.
Mehr als 700 Herzpumpen pro Woche aus Aachen
Die Impella-Herzpumpen werden in Aachen hergestellt. Nach Unternehmensangaben verlassen dort mehr als 700 Pumpen pro Woche die Produktion. Ihre Fertigung umfasst zahlreiche Prozessschritte, bei denen hohe Präzision erforderlich ist. Eine besondere Herausforderung sind die geringen Abmessungen der Bauteile: Der Impeller, der das Blut durch die Pumpe fördert, misst nur wenige Millimeter im Durchmesser.
Von der Forschung zur weltweit eingesetzten Herzpumpe
1992 legte der Maschinenbauingenieur der RWTH Aachen am Aachener Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik den Grundstein für das Unternehmen. Noch als Student hatte er an einem internen Motor für eine minimalinvasiv nutzbare Blutpumpe geforscht – ein Projekt, das den damaligen Stand der Technik in den Schatten stellte. Aus dieser Forschung entstand die Herzpumpe Impella. Mit diesem Produkt machte sich Sieß 1997 selbstständig. Bereits zwei Jahre später erhielt eine Frau im belgischen Leuven die erste Herzpumpe aus Aachen.
„Die Patientenschicksale gehen einem besonders nahe“, gesteht Sieß. Beispielsweise eine junge Frau mit einer eigentlich ganz normalen Erkältung. Doch plötzlich verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand dramatisch. Die Mutter einer kleinen Tochter hatte sich eine Herzmuskelentzündung eingefangen. Ohne technische Unterstützung hätte sie wahrscheinlich nicht überlebt. Am Herzzentrum Berlin kam bei ihr eine solche Pumpe von Abiomed zum Einsatz, die so lange das Blut durch den Körper transportierte, bis sich ihr Herz, mit Antibiotika und anderen Medikamenten behandelt, allmählich wieder erholt hatte. „Sie ist dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen“, bringt es Sieß auf den Punkt.
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Die nächste Generation der Herzpumpen
Das Forschungsteam arbeitet unter anderem an den Pumpen der Zukunft, an einer zusammenklappbaren Version, die sich erst im Körper zu ihrer wahren Größe ausbreitet. „Wir wollen mit neuen Technologien noch kleiner und noch besser verträglich werden“, sagt Sieß. Dafür ist sein Labor mit modernster Prüf- und Messtechnik ausgestattet: Highspeedkameras kontrollieren den Rotorlauf, im 3D-Drucker entstehen Prototypen mit völlig neuen Geometrien, per CT-Scan erfolgt die Suche nach Fehlstellen im Bauteil. Erprobt wird jede Neuentwicklung, wo nötig, im Tierversuch. Im hauseigenen Blutlabor zirkuliert zudem Schweineblut bis zu sechs Stunden lang durch die Pumpen, bevor es unter dem Mikroskop auf veränderte oder geschädigte Blutplättchen untersucht wird. Auch das gehört zur Qualitätssicherung, für die im Hause ein hoher Aufwand betrieben wird.
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Zwei Auszeichnungen für den Aachener Medizintechnik-Pionier
Bereits am 6. September 2025 erhielt der Gründer die Auszeichnung am Aachener Rathaus. Thorsten Sieß stehe für einen unermüdlichen unternehmerischen und ingenieurwissenschaftlichen Einsatz, mit dem er seine Idee – Pumpe und Motor gemeinsam in einem Herzkatheter unterzubringen – umgesetzt habe, sagt Ulrich Rüdiger, Rektor der RWTH Aachen.
Thorsten Sieß
- erhält den Werner-von-Siemens-Ring 2026
- erhielt den Aachener Ingenieurpreis 2025.
- ist Chief Technology Officer und EVP Managing Director im Bereich Heart Recovery von Johnson & Johnson MedTech .
- hat 1997 die Impella Cardiotechnik AG gegründet.
- hat Maschinenbau an der RWTH Aachen studiert.
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