Schnellere Wundheilung 14.09.2015, 13:02 Uhr

Intelligentes Pflaster saugt Bakterien aus offenen Wunden

Bessere Heilungschancen für mit Bakterien infizierte Wunden verspricht ein neu entwickeltes Pflaster. Ultrakleine Polymerfäden ziehen die Bakterien aus der Verletzung und lassen dann die Wunde in Ruhe heilen. 

An den extrem kleinen Polymerfäden, die Teil eines neuartigen Pflasters aus Australien sind, lagern sich Wundkeime an und werden mit dem Abziehen des Pflastern aus der Wunde gezogen.

An den extrem kleinen Polymerfäden, die Teil eines neuartigen Pflasters aus Australien sind, lagern sich Wundkeime an und werden mit dem Abziehen des Pflastern aus der Wunde gezogen.

Foto: Martina Abrigo/Swinburne Institute of Technology Australia

„Wir hoffen, dass unsere Arbeit zu einer smarten Wundverbindung führt, die Infektionen vermeidet“, sagt die Forscherin Martina Abrigo von der Swinburne University of Technology in Australien. „Ärzte können einfach ein Pflaster aus dem Nanomesh-Material auf eine Wunde kleben und es anschließend wieder abziehen, um die Bakterien loszuwerden“, so Abrigo.

Zwar helfen in der Regel einfache Pflaster bei Verletzungen. Doch kommen erst einmal hartnäckige Keime in die Wunde hinein, kann es zu Infektionen kommen und die Wunde heilt nicht mehr so einfach wie erhofft. In diesem Fall soll das neue intelligente Pflaster helfen: Wie andere Pflaster auch wird es einfach auf die Wunde gelegt. Die im Pflaster verarbeiteten ultrakleinen Polymerfäden ziehen die Keime aus der Wunde heraus und binden sie. Danach wird das Pflaster von der Wunde genommen und die Verletzung kann ausheilen.

Polymerfäden 100-mal kleiner als ein menschliches Haar

Die extrem kleinen Polymerfäden werden mit einer Elektrospinntechnik gewonnen. Sie sind etwa 100-fach dünner als das menschliche Haar. Sie vernetzen sich und bilden so das Keime anziehende Material. Sind die Fäden zusätzlich noch mit Allylaminen überzogen, kann die Anziehungskraft noch erhöht werden. Erste Studien verliefen erfolgreich. Dafür wurde ein Bakterium in eine chronische Wundinfektion platziert. Die Polymer-Nanofasern auf einer Folie aus Staphylococcus aureus zogen die Bakterien schnell heraus.

„Wir hoffen, dass unsere Arbeit zu einer smarten Wundverbindung führt, die Infektionen vermeidet“, sagt die Forscherin Martina Abrigo von Swinburne University of Technology in Australien. 

„Wir hoffen, dass unsere Arbeit zu einer smarten Wundverbindung führt, die Infektionen vermeidet“, sagt die Forscherin Martina Abrigo von Swinburne University of Technology in Australien. 

Foto: Swinburne University of Technology

In der zweiten Phase wurden winzige Nanofasern mit verschiedenen Verbindungen beschichtet und auf die bekannten Escherichia coli-Bakterien getestet, die sich normalerweise in chronischen Wunden befinden. In der dritten Phase wurden Hautmodelle in Zusammenarbeit mit Forschern der britischen University of Sheffield für die Untersuchungen verwendet.

In allen Fällen wurden die Bakterien in kürzester Zeit aus der Wunde entfernt. In der nächsten Phase sind jetzt Untersuchungen an der echten menschlichen Haut vorgesehen.

Pflaster besonders für Patienten mit schwachem Immunsystem

Abrigo möchte mit dem Pflaster insbesondere Patienten helfen, die ein eher schwaches Immunsystem haben und daher besonders anfällig für Infektionen sind. Langfristig plant die Wissenschaftlerin jedoch auch den Einsatz des smarten Pflasters in der alltäglichen Wundversorgung und im Erste-Hilfe-Koffer. 

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