Grüner Star und Phthise 06.08.2015, 06:55 Uhr

Implantierte Miniaturpumpe schützt vor Erblindung

Für Patienten mit Grünem Star oder Phthise entwickeln Fraunhofer-Forscher eine neue Behandlungsmöglichkeit: eine Miniaturpumpe, die den Augeninnendruck reguliert. Sie erhält die Sehfähigkeit dauerhaft und ohne schmerzhafte Operationen. 

Illustration der implantierten Miniaturpumpe: Sie reguliert automatisch den Augeninnedruck und schützt vor Erblindung. 

Illustration der implantierten Miniaturpumpe: Sie reguliert automatisch den Augeninnedruck und schützt vor Erblindung. 

Foto: Fraunhofer EMFT

Die Miniaturpumpe soll die derzeitigen Therapien bei der unheilbaren Augenerkrankung Glaukom, auch Grüner Star genannt, ablösen. Derzeit kann der Verlauf der Krankheit nur verlangsamt werden. Dafür wird operativ in der vorderen Augenkammer ein künstlicher Abfluss für das Kammerwasser geschaffen. Jedoch muss die Operation wiederholt werden, wenn es aufgrund von Vernarbungen erneut zum Anstieg des Augeninnendruckes kommt.

Bei der Erkrankung Phthise ist das Gegenteil der Fall. Hier fehlt dem Patienten Augenflüssigkeit. Derzeit wird daher regelmäßig eine Flüssigkeit ins Auge injiziert. Das ist für den Patienten unangenehm und kann trotzdem eine Erblindung nicht verhindern.

Miniaturpumpe regelt Augeninnendruck ohne Operation

Im Falle beider Augenkrankheiten kann die kleine Mikromembranpumpe von nur 7x7x1 cmm für einen geregelten Augeninnendruck sorgen. Sie wird direkt auf den Augapfel aufgesetzt. Die biokompatible Mikromembranpumpe aus Silizium ist in der Lage, bis zu 30 Mikroliter Flüssigkeit pro Sekunde zu befördern. Je nach Krankheitsbild wird das Auge dann entweder von Flüssigkeit befreit oder es wird Kammerwasser zugefügt. Dabei kommt es nicht wie bei bisherigen Therapiemöglichkeiten zu Vernarbungen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Augendruck exakter als bei Operationen oder durch Medikamente eingestellt werden kann.

Gesunde Augen sind keine Selbstverständlichkeit: Rund 500.000 Deutsche leiden an erhöhtem Augeninnendruck. 10 % droht die Erblindung.

Gesunde Augen sind keine Selbstverständlichkeit: Rund 500.000 Deutsche leiden an erhöhtem Augeninnendruck. 10 % droht die Erblindung.

Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

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Langfristig soll das System mit einem Sensor kombiniert werden, um sich selbst regulieren zu können. „Damit ersparen wir dem Patienten nicht nur belastende Folgeoperationen, sondern können das Sehvermögen über einen längeren Zeitraum erhalten und im besten Fall ein Erblinden komplett verhindern“, erklärt Christoph Jenke, Projektleiter an der EMFT. „Das Implantat soll der Patient natürlich nicht spüren und auch die Augenbewegung darf nicht eingeschränkt werden.“

Phthise-Erkrankung: Pumpe soll Augenlicht dauerhaft erhalten

Und da es insbesondere bei der Phthise unweigerlich zur Erblindung kommt, bedeutet das neuartige Augenimplantat eine Rettung für Patienten. „Da bei der Phthise die fehlende Augenwasserproduktion der ausschließliche Krankheitsauslöser ist, sind wir optimistisch, den Krankheitsverlauf stoppen und das Augenlicht dauerhaft erhalten zu können“, so Jenke.

Gemeinsam mit mehreren mittelständischen Unternehmen und unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), arbeiten die Forscher der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT an der neuen Therapieform. Derzeit entwickeln die Projektpartner einen Funktionsdemonstrator. Er soll alle Qualitätsanforderungen hinsichtlich Platz, Energiemanagement, Pumpensteuerung und Mikrofluidik im Labormaßstab erfüllen. Es folgen Zuverlässigkeits- und Lebensdauertests.

 

Ein Beitrag von:

  • Petra Funk

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