Medizintechnik 09.11.2012, 19:55 Uhr

„Die meisten Ingenieure denken nicht an die Gesundheitsbranche“

An die Medizintechnik denken die wenigsten Ingenieure, wenn sie einen Job nach dem Studium suchen. Dabei ist die Medizintechnik eine Zukunftsbranche mit spannenden Aufgaben für Ingenieure, sagt Jürgen Sauerwald, Personalleiter der B. Braun Melsungen AG.

Medizintechnik: Zukunftsbranche mit spannenden Aufgaben

Medizintechnik: Zukunftsbranche mit spannenden Aufgaben

Foto: TU München

Sauerwald: Weltweit haben wir rund 45 000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es an 27 Standorten etwa 11 500. Davon sind 500 bis 600 Ingenieure, also zirka jeder Zehnte unserer Beschäftigten hat ein Ingenieurstudium abgeschlossen.

Welche Fachrichtungen haben die Ingenieure studiert?

Als Pharma- und Medizintechnikunternehmen haben wir eine breite Produktpalette. Wir entwickeln und produzieren chirurgische Instrumente und Geräte, Hüft- und Knie-Prothesen und wir stellen Infusions- und Injektionslösungen her, um einige Beispiele zu nennen.

Unser umfangreiches Produktangebot bedingt, dass wir Ingenieure aus den unterschiedlichsten Bereichen brauchen: Maschinenbauer, Elektrotechniker, Mechatroniker und selbstverständlich Medizintechniker, die Spezialisten unserer Branche. Im Produktionsbereich der Infusions- und Injektions-Lösungen arbeiten Verfahrenstechniker, in der Entwicklung und Herstellung von Kunststoffprodukten, etwa Kanülen, arbeiten Kunststofftechniker. Wirtschaftsingenieure setzen wir an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft ein, beispielsweise im Vertrieb.

Benötigt B. Braun eher Generalisten oder Spezialisten?

Sowohl als auch. Generalisten qualifizieren wir beispielsweise über Traineeprogramme in unseren Produktsparten. Anschließend haben diese Absolventen Perspektiven ins Marketing, die Produktion oder in den klassischen Außendienst.

Und selbstverständlich stellen wir auch Spezialisten ein, etwa im Qualitätsmanagement für Infusionen und Injektionen oder für die Produktentwicklung. Diese Ingenieure bringen ein Spezialwissen aus dem Studium mit, das Branchen-Know-how lernen sie im Tagesgeschäft von erfahrenen Kollegen.

Ist es für B. Braun schwierig, Ingenieure am Arbeitsmarkt zu finden? Viele Absolventen denken wohl eher an Maschinenbau, Fahrzeug- und Elektrotechnik, wenn sie sich einen Job suchen und weniger an Medizintechnik.

Die allermeisten Ingenieure vergessen bei der Jobsuche die Gesundheitsbranche, das zeigt die geringe Anzahl an Initiativbewerbungen, die uns erreicht. Autos sieht jeder auf der Straße, deshalb bewerben sich die Absolventen bei Audi und Co.

Jeder fährt zudem selbst Auto, zum Gesundheitsmarkt haben die allermeisten keine direkte Verbindung. Deshalb sind wir einer sehr starken Konkurrenz am Arbeitsmarkt für Ingenieure ausgesetzt. Wer Medizintechnik studiert hat, sucht sich auch einen Job in der Branche. Das ist logisch.

Wie viele der B. Braun-Ingenieure sind Medizintechniker?

Etwa ein Viertel.

Welche fachlichen Skills sind notwendig und worauf kommt es persönlich an?

Fachwissen etwa in der Automatisierungstechnik ist für uns von großer Bedeutung. Hinzu kommen Methodenkenntnisse im Projektmanagement und Fremdsprachenkenntnisse. Die zähle ich zum Fachwissen. In einem internationalen Konzern sind Sprach- und interkulturelle Kenntnisse wesentliche Voraussetzungen, um einen guten Job machen zu können. Wichtig ist auch eine hohe Sozialkompetenz: Nur, wer sich selbst managen kann, kann ein Projekt oder Teile davon leiten.

Welche Trends gibt es in der Medizintechnik, wie wirken sie sich auf die Jobs von Ingenieuren aus?

Im Gesundheitswesen spielen die Kosten eine ganz wichtige Rolle. Zunehmende Automatisierung ist daher ein Thema, auf das sich Ingenieure einstellen sollten. In Wachstumsmärkten wie Asien bieten wir Produkte an, die bezahlbar sein und dennoch hohe Qualität haben müssen. Das bedeutet beispielsweise für unsere Entwickler, dass sie die Kosten immer vor Augen haben. Ein dritter Bereich ist die Versorgung der Menschen zu Hause. Mobile Medizingeräte werden deshalb an Bedeutung gewinnen.

Wie viele Ingenieure wird B. Braun in diesem Jahr einstellen, wie viele sollen 2013 dazukommen?

In den vergangenen Jahren haben wir in Deutschland unser Personal um durchschnittlich 4 % aufgestockt. Auch in diesem Jahr wachsen wir weiter. Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Jahresende 40 bis 50 Ingenieure eingestellt haben werden. Unsere Planung für 2013 liegt auf demselben Niveau.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt und wie sind die Karrieremöglichkeiten?

Absolventen von Berufsakademien und Fachhochschulen bekommen 42 000 €, Uniabsolventen mit Master 46 000 € jährlich. Karriere ist auch bei uns immer eine Frage der persönlichen Leistung.

Wie schätzen Sie die Zukunftsprognosen für Ingenieure in der Medizintechnik ein?

Ich meine, sie sind sehr gut. Die Gesundheitsbranche ist ein Wachstumsmarkt. Die Menschen werden immer älter und Ältere haben einen höheren Bedarf an medizinischen Leistungen. Nicht nur bei uns wird der Ingenieurbedarf steigen, sondern branchenweit.  P. ILG

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