Luftgüte im Büro 05.02.2014, 15:02 Uhr

30.000 Bakterienarten tummeln sich am Arbeitsplatz

Dass Computertastaturen, Toiletten und Büroräume ein Hort von Bakterien sind, ist nicht ungewöhnlich. Allerdings waren die Biologen Steven Kembel und James Meadow doch überrascht, dass sie 30.000 verschiedene Bakterienarten dort fand, wo Menschen täglich ihre Brötchen verdienen. Interessant: Nicht nur die Nutzung der Räume beeinflusst die Bakterienkulturen, sondern auch Form und Funktion.

Mit Spezialsaugern haben Forscher der Universität Oregon den Staub in 155 Räumen eingesaugt und anschließend auf Bakterienarten untersucht. Sie fanden mehr als 30.000 verschiedene Arten – deutlich mehr als erwartet.

Mit Spezialsaugern haben Forscher der Universität Oregon den Staub in 155 Räumen eingesaugt und anschließend auf Bakterienarten untersucht. Sie fanden mehr als 30.000 verschiedene Arten – deutlich mehr als erwartet.

Foto: Universität Oregon

Sie zogen mit Spezialstaubsaugern durch 155 Lehrräume, Hörsäle Flure und Toiletten ihrer Universität, der University of Oregon in der Stadt Eugene. Die Biologen Steven Kembel und James Meadow und ihr Team saugten Staub vom Boden, Geländern, Lampen, Zimmerpflanzen, Fensterbänken, Schränken, Tastaturen und Schreibtischen, um zu klären, welche Tierwelt sich denn da im Staub so tummelt. Dass die Biologen Bakterien finden würden, war klar. Nicht aber die Menge.

Mehr als 30.000 Bakterienarten gefunden

Mehr als 30.000 verschiedene Arten entdeckten Meadow und Kembel, der inzwischen an die Université du Québec in Montréal gewechselt ist. Viele Bakterien kommen praktisch überall vor, beispielsweise die Vertreter der Gruppen Proteobacteria und Firmicutes. In sanitären Anlagen entdeckten sie viele Bakterien, die am und im Menschen leben, etwa Darmbakterien wie Lactobacillen oder Clostridien. In Technikräumen fanden sie hingegen eher Bodenbakterien, die an Schuhen eingeschleppt wurden.

Ehe allerdings Alarm wegen drohender Erkrankungen durch Luft und Staub in Büros geschlagen werden muss, sind noch viele weitere Untersuchungen nötig. Denn es genügt nicht, die Gruppen zu kennen. Zu jeder gehören jeweils Dutzende Bakterien, die dazu noch in Untergruppen zusammengefasst sind. Manche davon sind gefährlich, andere aber lebensnotwendig.

Bei Menschen etwa, die das Rauchen drangeben, breiten sich Mikroben der Stämme Proteobacteria und Bacteroidetes auf Kosten von Vertretern der Stämme Firmicutes und Actinobacteria aus, haben Mediziner an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie im Universitätsspital Zürich herausgefunden. Zu den Protebacteria gehört beispielsweise das Magenkrebs verursachende Bakterium Helicobakter, aber auch Escherichia coli, ein unentbehrlicher Helfer bei der Verdauung.

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Verbreitung von Bakterien über die Klimaanlage

Besonders viele Mikroorganismen fanden die Forscher erwartungsgemäß in Räumen, die stark frequentiert werden. Diese unterschieden sich zum Teil erheblich von den Kulturen, die sie in abseits gelegenen Bereichen fanden.

In klimatisierten Räumen fanden sie besonders viele Bakterien der Gattung Deinococcus Radiodurans. Eine gesundheitsschädliche Wirkung wird ihnen bisher nicht zugeschrieben. Sie gelten als die Lebewesen, die sich den unwirtlichsten Bedingungen am besten anpassen können. Man findet sie sogar im Kühlkreislauf von Kernkraftwerken und in arsenverseuchten Abfällen. Was Klimaanlagen damit zu tun haben, können die Forscher noch nicht erklären. Dass sie so zahlreich vorkommen schon. Da sie im Gegensatz zu anderen Bakterien gegen Hitze, ultraviolettes Licht und Trockenheit völlig immun sind, überleben sie am längsten.

Eine Erkenntnis könnte aber auch die Architektur beeinflussen. Denn die Forscher haben den Eindruck, dass nicht nur die Funktion und Frequentierung von Räumen die Bakterienkulturen beeinflussen, sondern auch ihre Form. So finden sich in Fluren andere Bakterien als in Räumen, die wenig genutzt und durchs Fenster gelüftet werden. Für belastbare Aussagen sei es allerdings noch zu früh.

Ein Beitrag von:

  • Axel Mörer-Funk

    Axel Mörer-Funk ist Gesellschafter der Medienagentur S-Press in Bonn. Nach einem Volontariat beim Bonner Generalanzeiger und dem Besuch der Journalistenschule Hamburg arbeitete er u.a. als freier Journalist für dpa, Bunte und Wirtschaftswoche.

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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