Soziale Medien 23.02.2026, 12:30 Uhr

Wissen gegen Klicks: Die Schattenseite digitaler Influencer“

Digitalisierung: Digitale Plattformen sind für viele zur wichtigsten Wissensquelle geworden. 
Was dort als Information erscheint, folgt jedoch oft eigenen Regeln und Interessen.

Gesa Schölgens

Gesa Schölgens, Projektleiterin „Verbraucherschutz im Health-Style-Markt“ (Faktencheck Gesundheitswerbung) Verbraucherzentrale.

Foto: Verbraucherzentrale

In den sozialen Medien wachsen neue Influencer-Gruppen heran, die das Gesundheitswissen digital verbreiten – die sogenannten Medfluencer. Sie unterscheiden sich von klassischen Influencern vor allem durch ihr Themenfeld: „Medfluencer haben die Besonderheit, dass sie Dinge aus dem Gesundheitsbereich anpreisen“, erklärt Gesa Schölgens, Projektleiterin bei der Verbraucherzentrale. „Das kann von Coachings bis hin zu medizinischen Selbstzahlerleistungen wie Schönheitsbehandlungen reichen.“

Medfluencer zwischen Aufklärung und Kommerz

Medfluencer lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: diejenigen, die rein aufklären wollen, und jene, die kommerzielle Interessen verfolgen. „Manche Medfluencer informieren erst mal über Schlafprobleme oder Ernährung, aber wenn man genauer hinschaut, sehen wir: Sie verkaufen auch Produkte wie Schlafmasken oder Melatoninkapseln“, so Schölgens. Das Vertrauen in medizinisches Fachwissen werde oft bewusst genutzt, um Produkte zu vermarkten, die nicht unbedingt wirken: „Das ist sehr problematisch, weil das Vertrauen gegenüber Ärztinnen und Ärzten sehr groß ist und dann missbraucht wird, um ein Geschäft zu machen.“

Besonders riskant wird es, wenn Pseudomediziner oder sogar Menschen ohne medizinische Qualifikation medizinische Produkte bewerben. Schölgens berichtet von Fällen, in denen „Darmkuren für Kinder, Parasitenkuren oder Hypnose gegen ADHS“ angeboten wurden – alles ohne wissenschaftliche Grundlage. Auch die Herkunft und Zusammensetzung solcher Produkte seien oft unklar:

„Man weiß manchmal gar nicht, was da überhaupt drin ist, ob es vielleicht schädlich ist oder falsche Dosierungen enthält“.

Stellenangebote im Bereich Naturwissenschaften

Naturwissenschaften Jobs
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sonderbauvorhaben Umspannwerke | Hochspannungsfreileitungen Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Baugenossenschaft Wiederaufbau eG-Firmenlogo
Projektleiter Heizung, Lüftung, Sanitär (m/w/d) Baugenossenschaft Wiederaufbau eG
Braunschweig Zum Job 
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Straßen- und Verkehrsplaner*in Fachbereich Tiefbau und Verkehr, Abteilung Verkehrsplanung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
ONTRAS Gastransport GmbH-Firmenlogo
Projektmanager für Wasserstoff (m/w/d) ONTRAS Gastransport GmbH
Leipzig Zum Job 
HOCHBAHN U5 Projekt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter U5-Betriebsführungssystem - vollautomatisches U-Bahn-System (w/m/d) HOCHBAHN U5 Projekt GmbH
Hamburg Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Objektmanager Bautechnik (m/w/d) ERGO Group AG
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Projektingenieur Planung Tiefbau / Infrastruktur (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Landeshauptstadt Hannover-Firmenlogo
Ingenieur*in - Versorgungstechnik oder Energie- und Gebäudetechnik Landeshauptstadt Hannover
Hannover Zum Job 
Max Bögl Stiftung & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) TGA Mechanik -Systembau Max Bögl Stiftung & Co. KG
Liebenau bei Nienburg / Weser Zum Job 
Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Investitions- und Projektsteuerer (m/w/d) Schwerpunkt Bau Energie und Wasser Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
KANZAN Spezialpapiere GmbH-Firmenlogo
Technische Projektplaner (m/w/d) in der Papierindustrie KANZAN Spezialpapiere GmbH
GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen-Firmenlogo
Technischer Projektmanager Versorgungstechnik / TGA (m/w/d) GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen
Frankfurt am Main Zum Job 
Werner & Balci GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur [BIM] (m/w/d) für die Planung Infrastruktur- und Hochbauprojekte Werner & Balci GmbH
Esslingen am Neckar Zum Job 
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Bauleitung Tiefbau im Bereich Entwässerung (gn) Stadtwerke Essen AG
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Projektmanager (gn) Integrale Sanierungskonzeption Stadtwerke Essen AG
HOCHBAHN U5 Projekt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter U5-Betriebsführungssystem - vollautomatisches U-Bahn-System (w/m/d) HOCHBAHN U5 Projekt GmbH
Hamburg Zum Job 
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Projektleitung Hochbau (w/m/d) "Bundesrat" Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Für Verbraucher ist es schwer, Seriosität zu erkennen

Für Verbraucher ist es schwierig, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. Schölgens rät: „Ich würde von Medfluencer-Kanälen die Finger lassen, wo Sachen verkauft werden. Ich würde mich nur auf Kanäle verlassen, die ein reines Informationsinteresse haben.“ Beispiele für seriöse Aufklärungs­arbeit gibt es allerdings: „Es gibt den Stoffwechsel-Doc oder Kinderärzte, die nebenberuflich aufklären – die haben kein kommerzielles Interesse und räumen auf mit Mythen und Irrtümern.“

Die Reichweite der Medfluencer ist enorm. Schölgens schildert drastische Beispiele: „Ein Fitness-­Influencer mit über 200.000 Followern leugnet psychische Erkrankungen und bietet Coaching an – das ist extrem gefährlich.“ Gegen solche Fälle vorzugehen, gestaltet sich schwierig, vor allem wenn die Personen im Ausland sitzen: „Wenn so jemand in Dubai sitzt, hast du als Verbraucherzentrale eigentlich keine Chance, ihn abzumahnen oder vor Gericht zu ziehen.“

Trusted-Flagger-Verfahren: Wie gegen problematische Medfluencer vorgegangen wird

Ein neuer Ansatz ist das Trusted-Flagger-Verfahren der Bundesnetzagentur, bei dem rechtliche Verstöße auf Social-Media-Plattformen priorisiert geprüft werden: „Wenn wir als Verbraucherzentrale Inhalte melden, müssen Instagram & Co. das priorisiert behandeln und gegebenenfalls entfernen.“ Dennoch bleibt der Prozess langwierig und aufwendig: „Das Trusted-Flagging kann Wochen dauern, bis ein Fall gelöst ist, aber wenn wir vor Gericht gehen, weil ein Medfluencer nicht auf eine Abmahnung reagiert – zum Beispiel keine Unterlassungserklärung unterschreibt–, kann es sich wirklich Jahre hinziehen.“

Trotz der Risiken erkennt Schölgens die Vorteile seriöser Aufklärung: „Es gibt auch Kanäle, die von echten Ärztinnen und Ärzten gemacht werden, die dem Pseudo­medizin-Bereich etwas entgegensetzen wollen. Das ist fast schon wie ein Ehrenamt.“ Das Bedürfnis nach verlässlicher Information ist groß, gerade in Zeiten, in denen Termine bei Fachärzten schwer zu bekommen sind: „Das ist auch eine Lücke, in die manche Medfluencer stoßen.“

Die Zunahme von Medfluencern ist eine direkte Folge der Digitalisierung: „Vor 20 Jahren gab es das noch nicht in diesem Maße. Auf Tiktok, Youtube, Instagram ist das explodiert – seit Projektstart im August 2023 haben wir über 3000 Beschwerden erhalten.“ Schölgens warnt: „Die Algorithmen der Plattformen wissen genau, was die Interessen der Nutzer sind, und verstärken diese Inhalte. Man kann direkt auf den Link klicken und kaufen – Hemmschwellen fallen komplett weg.“

Medfluencer und Finfluencer

Die Herausforderung bleibt: Wie können Verbraucher verlässliche von kommerziellen Angeboten unterscheiden? Gesa Schölgens: „Das Problembewusstsein ist da, aber es fehlen Kapazitäten. Gegen Med­fluencer ohne ärztliche Zulassung vorzugehen, ist kompliziert – aber wir setzen uns dafür ein, dass Handlungsempfehlungen an Politik und zuständige Stellen herangetragen werden.

“Was sich im Gesundheitsbereich beobachten lässt, zeigt sich auffallend ähnlich auch auf einem anderen Feld: bei Geld, Altersvorsorge und Vermögensaufbau. In beiden Fällen treffen komplexe, erklärungsbedürftige Themen auf digitale Plattformen, die einfache Lösungen, schnelle Erfolge und persönliche Nähe versprechen. Wo ärztliche Termine fehlen oder überfordern, springen Medfluencer ein – wo Finanzberatung teuer, unverständlich oder schwer zugänglich ist, übernehmen Finfluencer und Trading-Apps. Das Muster ist dasselbe: Informationslücken werden nicht systematisch geschlossen, sondern von Akteuren besetzt, die Aufmerksamkeit, Vertrauen und oft auch Kaufentscheidungen monetarisieren.

Wie Apps junge Erwachsene zum Sparen motivieren

Es wirkt wie ein Spiel: Ein paar Hundert Euro hier, ein paar dort – alles per App aufs Smartphone. Man empfiehlt, früh für die Rente zu sparen, schon kleine Beträge würden über die Jahre ein solides Alters­einkommen sichern. Viele junge Erwachsene hören auf diesen Rat. Laut der „MetallRente Jugendstudie 2025“ spart über die Hälfte der 17– bis 27-Jährigen für die Altersvorsorge, vor allem in Aktien und Fonds. Digitale Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital machen das besonders einfach und günstig. Laut dem „Online Brokerage Monitor 2025“ sind sie bei Anlegerinnen und Anlegern unter 50 Jahren besonders beliebt, Trade Republic gilt inzwischen als das wertvollste Start-up Deutschlands.

Finanzwissen fehlt oft: Risiken beim Investieren junger Erwachsener

Dass junge Menschen investieren, ist grundsätzlich positiv, doch oft fehlt ihnen das nötige Finanzwissen. Laut dem OECD-Bericht „Finanzbildung Deutschland“ 2024 steigert ein solides Verständnis die Wahrscheinlichkeit, dass Privatpersonen sinnvoll am Aktienmarkt teilnehmen und so ihre Altersvorsorge stärken – gleichzeitig sinkt das Risiko von Altersarmut.

Wirtschaftspädagogin Carmela Aprea warnt jedoch, viele hätten nicht die Wissensbasis dafür: Nur etwas mehr als die Hälfte der 17- bis 27-Jährigen weiß, dass Einzelaktien riskanter sind als breit gestreute Fonds oder dass hohe Renditen fast immer mit hohem Risiko verbunden sind. Ähnlich dürftig sei das Verständnis der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wie Risiken beim Investieren verschleiert werden

Fehlendes Wissen trifft dabei auf Apps, die zum ständigen Handeln verführen. Push-Benachrichtigungen, Gamification-Elemente wie Konfetti-Animationen bei Gewinnen oder verführerische Werbung lassen Risiken schnell in den Hintergrund rücken. Verbraucherzentrale-Experte Volker Schmidtke warnt, dass viele dadurch dauerhaft traden – häufig auf risikoreichere Produkte statt auf ETFs setzen – und dabei nicht nur Geld, sondern auch Zeit verlieren.

Die fehlende Aufklärung und bestehende Bildungslücken machen den Erfolg von Finfluencern oder Medfluencern nachvollziehbar: Junge Menschen suchen Orientierung und finden sie auf Social Media. Doch digitales Wissen ist kein neutraler Raum. Es folgt Aufmerksamkeitslogiken, belohnt Zuspitzung und verschleiert wirtschaftliche Interessen. Häufig handelt es sich um Geschäftsmodelle, bei denen kaum transparent wird, ob Inhalte unabhängig oder bezahlt sind. Bildungssystem und Staat müssten deutlich stärker gegensteuern, um junge Menschen für diese Mechanismen zu sensibilisieren.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.