Logistik 15.03.2002, 17:33 Uhr

Logistik-Dienstleister senken die Klinikkosten

Die ständig steigenden Kosten im Gesundheitswesen sind ein politisch heißes Eisen. Spezialisierte Logistikdienstleister könnten beim Sparen helfen und das Krankenhauspersonal von vielen Materialwirtschaftsaufgaben befreien. Denn Pfleger sollten pflegen, nicht bestellen und entsorgen.

Eine Nacht im Krankenhaus kostet 250 ! – ohne ärztliche Versorgung. Solche Rechnungen kennen viele, schütteln den Kopf und leiten sie an ihre Krankenkasse weiter. Ohnmächtig zahlt die Kasse. Auch die Bundesgesundheitsminister der vergangenen 30 Jahre konnten die immensen Kosten nicht nachhaltig senken. Also lautet die Forderung: Die Krankenhäuser müssen sparen. Da gleichzeitig von den Hospitälern mehr Service im Bereich Health Care verlangt wird, stehen die Verwaltungsleiter vor einem Problem.

Ein enormer Kostenfaktor sind die Personalaufwendungen. Hier Stellen zu streichen, macht keinen Sinn, da zugleich Pflegepersonal Mangelware ist. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass das Pflegepersonal sehr viele Tätigkeiten verrichtet, die nichts mit dem Pflegen an sich zu tun haben. Dazu gehören beispielsweise die Organisation der Stationsbelieferung, die Betreuung der Schranksysteme (Medikamente, Spritzen, Verbände, etc.) sowie die Entsorgung von klinisch-pathologischem Abfall oder Essenresten. Die Kosten könnten schon dadurch gesenkt werden, dass diese Aufgaben fremd vergeben würden.

Auch die Materialkosten sind hoch – zu hoch, wie eine bislang unveröffentlichte Analyse der Hofheimer D. Logistics AG ergab. Danach erhöht sich der Einkaufspreis noch erheblich durch die Logistikkosten. Denn Bestellen, Kommissionieren, Stationsanforderung ermitteln, Waren abholen, einräumen, lagern, Bestand messen oder Abfälle entsorgen bescheren den Krankenhäusern eine Materialkostenerhöhung in Höhe von durchschnittlich 59 %.

Viele Artikel für den Krankenhausbedarf werden lange gelagert. Einer Studie des Zentrums für Logistik und Unternehmensplanung (ZLU), Berlin, zufolge binden die etwa drei bis vier Monate gelagerten Artikel viel Kapital der Hospitäler. Hinzu kämen hohe Transportkosten. 30 % der Lieferungen, so ermittelten die Autoren der Studie, würden durch teure Expressdienste (150 ! Kurierkosten) für Bestellwerte zwischen 400 ! und 500 ! durchgeführt. Das schreit nach Bündelung, um die Kliniken konzentriert mit den kleinsten Bestellmengen bei geringsten Transportkosten und größter Reaktionsfähigkeit versorgen zu können.

Hinsichtlich der gesetzlich vorgeschriebenen Entsorgung könnten die Klinikleiter Sekundärprozesse der Wertschöpfungskette eines Krankenhauses (Einkauf, Logistik, Informationstechnologie, Verwaltung, Reinigung oder Catering) ebenfalls Spezialisten überlassen. Denn viele solcher Aufgaben übernehmen Logistikdienstleister, die zugleich moderne IT-Konzepte mitbringen. Obwohl nach einer Untersuchung der Universität Münster alle rund 2260 deutschen Krankenhäuser über Internet-Anschluss verfügen und 75 % sich mit einem eigenen Web-Auftritt präsentieren, haben aber nur 5 % davon eine vage Vorstellung über die Nutzung des Internets für Lieferabrufe oder Preisvergleiche.

Einige Krankenhäuser haben schon Logistiker beauftragt, um ihre Probleme zu lösen. Grundsätzlich können beispielsweise laut der Luxemburger Thiel Logistik AG bereits drei Erkenntnisse vorweggenommen werden: Alle Hospitäler haben Einsparungen von mindestens 15 %. Wurden Einkaufsgemeinschaften gebildet, waren die Ersparnisse deutlich höher und die Zahl der Transporte niedriger. Kein System nutzt bereits alle logistischen Möglichkeiten.

Ein Beispiel für die Optimierung der Krankenhauslogistik gibt Andernach. Im St. Nikolaus-Stiftshospital verbesserte Thiel die Ver- und Entsorgung. Nach rund anderthalb Jahren konnten nach den Informationen der Luxemburger rund 15 % der Logistikkosten eingespart werden.

Auch Entsorgungskonzepte funktionieren, wie „Logmed“ von D. Logistics zeigt. Das patentierte System des Hofheimer Logistikunternehmens wurde vom Robert-Koch-Institut, Berlin, geprüft und ist in Halle und Erfurt im Einsatz, wo täglich je Klinikbett 2,5 kg „normaler“ plus 0,3 kg klinisch-pathologischer Abfall entsorgt werden.

Vier weitere Lösungen in Deutschland gehen über die Ver- und Entsorgung einzelner Krankenhäuser hinaus. In Hamburg etwa werden nach Anlaufschwierigkeiten acht Krankenhäuser, 20 Institute und Betriebe von einer Kooperation der LBK-Gruppe (früher Landesbetrieb Krankenhäuser) durch das Transportunternehmen Hansetrans Holding AG versorgt. Das Konzept ist einfach: Die Krankenhäuser bestellen beim Lieferanten, der beliefert das neue gemeinsame Zentrallager in Hamburg-Finkenwerder. Von dort gelangen die Artikel nach Verfallsdatum organisiert einmal täglich per Lkw ins Krankenhaus. Darüber hinaus stellen Kuriere für Eillieferungen die Versorgung innerhalb von 2 h sicher.

Ähnlich funktioniert ein Projekt in Hannover, wo der Logistiker Rhenus AG mit Schwerpunkt die Unikliniken und einige andere Häuser versorgt. Auch hier kauft jedes Hospital selbst ein. Allerdings werden im Gegensatz zu Hamburg mehrere Lager betrieben, was die Kosten deutlich erhöht.

Rund um München versorgt die von den Sana-Kliniken und D. Logistics gegründete Firma Clinic.log 15 Krankenhäuser mit rund 5000 Betten. „Angestrebt wird“, so Christoph A. Papke, beim Logistiker für den Bereich Health Care verantwortlich, „die Anzahl der Bestellungen von 3000 auf 200, die der Lieferanten von 1600 auf 200 und die Lagerartikel von 14 000 auf 3000 zu senken.“ Anders als in Hamburg und Hannover wird hier zentral eingekauft. Insgesamt spart beispielsweise die Kreisklinik Dachau-Indersdorf laut Papke 47,7 % der Kosten je Bett. Unterm Strich ergäben sich so Einsparungen in Millionenhöhe.

Noch umfassender ist das Projekt im westfälischen Ahlen. Hier haben sich die Hospitalgesellschaften der Franziskanerinnen Münster und St. Mauritz mit der F-Log AG, einer Tochter der Fiege Deutschland GmbH & Co. KG aus Greven, zusammengetan. Seit dem zweiten Quartal 2001 versorgen hier ein Zentrallager, eine Apotheke und eine Zentralsterilisation mehr als 2000 Krankenhausbetten und Altenheime. F-Log strebt darüber hinaus an, die Versorgungsmodule um Wäscherei, Archiv und Küche zu erweitern.

„Nur wenn Einkauf und Logistik als ganzheitlicher geschlossener Prozess betrachtet werden, der die Ver- und Entsorgung von Gütern einschließt und sich nicht auf ein singuläres Krankenhaus beschränkt, werden Einsparungen im großen Umfang möglich sein“, sagt Papke. In einem Pilotprojekt seiner Firma im belgischen Universitätskrankenhaus Leuven habe so die Kapitalbindung von 4,5 Mio. ! auf 1,5 Mio. ! reduziert werden können.

Vieles bleibt nach Ansicht der Logistikexperten zur Zeit aber noch Theorie, obwohl sich zahlreiche Konzepte auch in strukturschwächeren Gebieten verwirklichen ließen. „Sicherheit und Vertrauen fehlen den Krankenhausverantwortlichen oft“, wie Jochen Strenge, Projektverantwortlicher bei D.Logistics weiß – und „gerade den Einkauf wollen viele behalten“. PETER BARANEC/Si

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