X-Studie 02.12.2025, 16:03 Uhr

Social Media: Die heimtückische Macht der Algorithmen

Eine aktuelle Studie zeigt, wie der Social-Media-Feed die politische Meinungsbildung beeinflusst- insbesondere auf der Plattform X.

Wie kleine Änderungen im Social-Media-Feed politische Gefühle beeinflussen. Eine Studie zeigt, wie Algorithmen emotional Polarisieren.

Foto: Smarterpix/sam741002

Wie kleine Änderungen im Social-Media-Feed politische Gefühle beeinflussen. Eine Studie zeigt, wie Algorithmen emotional Polarisieren.

Foto: Smarterpix/sam741002

Die durch die Stanford University geleitete Forschung, veröffentlicht in Science, befasst sich vor allem mit der Plattform X (ehemals Twitter). Untersucht wird, wie algorithmische Feeds zur politischen Lagerbildung beitragen.

  • Der X-Feed beeinflusst politische Gefühle spürbar.
  • Kleine Algorithmus-Änderungen reichen bereits aus.
  • Grundüberzeugungen blieben stabil, nur Gefühle änderten sich.
  • Für Deutschland nur begrenzt übertragbar, Grundmechanismus aber ähnlich.
  • Studie hat Grenzen: nicht repräsentativ, KI erkennt nur klare Polarisierung, nur Kurzzeitwirkung.

Mehr Tweeds, mehr Polarisierung

Die Forschenden konnten nachweisen, dass Nutzerinnen und Nutzer, die mehr polarisierende Beiträge im oberen Teil ihres Feeds sehen, sich am Ende der Woche deutlich kälter gegenüber der jeweils anderen politischen Seite fühlen.

Wird dieser Inhalt nach hinten sortiert, sinkt die emotionale Distanz sogar leicht.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG
Düsseldorf Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales and Project Management (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Maschinenbauingenieur (m/w/d) im Bereich Digitale LED-Anlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
ASG Abwasserentsorgung Salzgitter GmbH-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) der Abwasserentsorgung ASG Abwasserentsorgung Salzgitter GmbH
Salzgitter Zum Job 
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)-Firmenlogo
Projektleitung (m/w/d) für Hochbaumaßnahmen (Architekt/in o. Ingenieur/in) Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)
Frankfurt (Oder) Zum Job 
Universitätsklinikum Leipzig-Firmenlogo
Projektleitung / Fachingenieur (m/w/d) - Schwachstromtechnik im Bereich 5 - Bau und Gebäudetechnik Universitätsklinikum Leipzig
Leipzig Zum Job 
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH

So funktionierte das Experiment

Um diese Wirkung messbar zu machen, nutzte das Forschungsteam eine selbst entwickelte Browser-Erweiterung. Mehr als 1000 Personen in den USA installierten das Tool, das den eigenen X-Feed unbemerkt umsortierte.

Das KI-System dahinter erkannte in Echtzeit, welche Beiträge als polarisierend einzustufen sind. Die Einordnung beruhte auf Kriterien des Pew Research Center sowie auf weiteren Studien zu antidemokratischen Haltungen und parteilicher Feindseligkeit.

Die Studie lief zehn Tage lang im Wahlkampfjahr 2024. Während der Erhebung sowie davor und danach  bewerteten die Teilnehmenden, die sich selbst entweder zu den Demokraten oder den Republikanern zuordnen, ihre Gefühle gegenüber Anhängerinnen und Anhängern der jeweils anderen Partei.

Emotionale Distanz wächst rasant

Das Ergebnis: Schon minimale Änderungen am Algorithmus reichen aus, um die Stimmung zwischen politischen Lagern spürbar zu verschieben.

  • Mehr polarisierende Inhalte früh im Feed führen zu einer stärkeren emotionalen Abkühlung gegenüber politischen Gegnern.
  • Weniger polarisierende Inhalte führen zu einer leichten Annäherung

Die Grundüberzeugung änderte sich während des Experiments zwar nicht, doch die emotionale Temperatur zwischen den Lagern verschob dich deutlich.

Dr. Josephine Schmitt, Wissenschaftliche Koordinatorin am Center for Advanced Internet Studies (CAIS), bewertet die Studienergebnisse wie folgt:

Die Studie zeigt robuste, teils recht starke Effekte auf affektive Polarisierung in unterschiedlichen politischen Lagern, und zwar schon durch relativ kleine Veränderungen im Feed. Die Studie macht damit deutlich, dass schon kleine algorithmische Eingriffe messbar die Gefühle gegenüber der politischen Gegenseite verschieben.

Warum die Studie wichtig ist

Durch das Browser-Add-on konnten die Forschenden den angezeigten Feed ganz ohne Unterstützung der Plattform verändern. Dadurch wurde eine unabhängige Überprüfung der Wirkung möglich.

Zudem bestätigt die Studie eine gängige Forschungsmeinung: Social-Media-Feeds sind nicht neutral. Sie entscheiden, welche Themen und Emotionen sichtbar werden und welche Dynamiken das in politischen Debatten auslösen kann.

Übertragbarkeit auf Deutschland

Auf Deutschland sind die Ergebnisse jedoch nur bedingt übertragbar. Hier gibt es kein klares Zwei-Parteien-System wie in den USA, sondern viele Parteien und deutlich mehr politische Zwischentöne. Außerdem spielt X im deutschen Alltag eine viel kleinere Rolle, was die direkte Wirkung abschwächt.

Das Grundprinzip bleibt jedoch bestehen: Schon kleine Änderungen im Social-Media-Feed können beeinflussen, wie Menschen über andere politische Gruppen denken und fühlen.

Grenzen und offen gebliebene Fragen

Obwohl die Studie deutliche Hinweise liefert, sind ihre Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Die Teilnehmenden waren ausschließlich aktive, technisch versierte Nutzerinnen und Nutzer der Plattform X. Sie haben ihren eigenen Feed durch eine lange Nutzung aufgebaut und dieser unterscheidet sich individuell von anderen Nutzern. Damit ist die Stichprobe nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung oder selbst für alle X-Nutzer.

Zudem unterscheidet die im Experiment eingesetzte KI nur deutlich erkennbare Formen von „polarisierender Sprache“. Subtilere Varianten — etwa Ironie, sarkastische Kommentare oder dezente Abwertungen — bleiben ungesehen.

Langfristige Wirkung noch unerforscht

Ein weiterer Punkt: Die Studie erfasst nur kurzfristige Effekte über einen Zeitraum von zehn Tagen im Rahmen eines Wahlkampfs. Wie sich Algorithmen und Feeds über Wochen, Monate oder Jahre auf Einstellungen, Gefühle und das soziale Klima auswirken, wird nicht berücksichtigt.

Schließlich darf nicht vergessen werden, dass Nutzerinnen und Nutzer in der Realität nicht nur passiv Inhalte konsumieren. Viele interagieren, teilen, kommentieren, folgen anderen oder entfolgen. All das kann die Wirkung von Feed-Sortierung verändern.

Ein Beitrag von:

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.