Studie 04.09.2025, 08:00 Uhr

Fakt oder Fake? So steht es um Medienkompetenz in Deutschland

Wie leicht lassen wir uns täuschen? Fake News und Deepfakes beeinflussen Meinungen, Wahlen und den Alltag in Deutschland.

Fake News

Medienkompetenz in Deutschland: Vertrauen, Fake News und Deepfakes im Blick.

Foto: PantherMedia / georgejmclittle

Heutzutage ist es gar nicht so einfach zu erkennen, was im Netz echt ist und was ein Fake. Auf TikTok, Instagram oder in WhatsApp-Gruppen werden Infos oft schneller geteilt, als man sie prüfen kann – und genau da liegt das Problem. Medienkompetenz heißt deshalb, nicht alles sofort zu glauben, sondern mal genauer hinzuschauen: Wer hat das gepostet? Gibt’s eine seriöse Quelle? Gerade in Deutschland wird immer mehr Wert darauf gelegt, schon in der Schule und im Alltag solche Fähigkeiten zu lernen. Denn nur wer Fakten von Fakes unterscheiden kann, behält im digitalen Durcheinander den Durchblick.

Fake News, Deepfakes und das Vertrauen der Deutschen

Fast neun von zehn Menschen in Deutschland finden, dass Fake News eine echte Gefahr für Demokratie und Freiheit sind. Viele sehen darin auch einen Grund, warum die Gesellschaft immer stärker auseinandergeht. Das zeigt eine aktuelle Studie der IU Internationalen Hochschule, für die rund 2.000 Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt wurden.

Die Befragten sehen Fake News und Desinformation vor allem in der Politik kritisch:

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  • 92 % finden Fake News besonders gefährlich, weil sie gezielt genutzt werden, um Meinungen zu manipulieren und Wahlen zu beeinflussen.
  • 72 % sagen, dass ihr Vertrauen in Medien durch Fake News gesunken ist; bei Deepfakes sind es 64 %.
  • 89 % haben Angst, dass Deepfakes politische Falschmeldungen verstärken und so Wahlen oder das politische Klima durcheinanderbringen.

Auch das Vertrauen in verschiedene Medienquellen wurde abgefragt:

  • Nur rund 31 % halten KI-Anwendungen wie ChatGPT oder soziale Medien für glaubwürdig.
  • Deutlich mehr Vertrauen gibt es in klassische Medien wie Radio, Fernsehen, Online-Nachrichtenportale und Zeitungen.
  • Fast drei Viertel verlassen sich am meisten auf ihr persönliches Umfeld – also Freunde und Familie – als verlässliche Quelle.

„Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, regelmäßig Fakten zu überprüfen. Das hat mich überrascht. Andere Studien, zeigen deutlich niedrigere Werte. Es könnte also sein, dass sich viele selbst positiver einschätzen, als sie tatsächlich handeln. Interessant ist auch, dass über ein Drittel den Begriff „Deepfakes“ kennt. Für ein so technisches Thema ist das gar nicht schlecht und zeugt davon, dass sich recht viele Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Vor allem Jüngere scheinen hier gut informiert zu sein, was nicht überrascht, da sie mit solchen Technologien aufwachsen“, kommentiert mit Nele Hansen, Professorin für Medienmanagement an der IU Internationalen Hochschule die Ergebnisse der Untersuchung.

Medienkompetenz

Bild: IU Internationale Hochschule

Wo informieren sich die Menschen in Deutschland?

Für die meisten Menschen in Deutschland (über 91 %) ist es wichtig, über Politik und Gesellschaft auf dem Laufenden zu bleiben. Dabei spielen laut der IU-Untersuchung vor allem die klassischen Medien eine große Rolle: Am häufigsten nutzen die Leute Fernsehnachrichten (fast 69 %), gefolgt von Online-Nachrichtenportalen (59 %) und dem Radio (50 %). Danach kommen soziale Medien (49 %) und persönliche Netzwerke wie Freunde und Familie (35 %). Besonders spannend: Bei der jungen Generation Z ist Social Media sogar die wichtigste Quelle für Nachrichten.

Wie leicht lassen wir uns täuschen?

Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland (33 %) hat schon einmal Informationen aus Politik oder Gesellschaft geglaubt, die später als Fake News entlarvt wurden. Besonders oft berichten Jüngere aus der Generation Z davon. Mit Deepfakes ist es noch schwieriger: Nur 15 % der Befragten haben erkannt, dass es sich um eine Fälschung handelte – auch hier fällt es den Jüngeren etwas leichter als den Älteren. Gleichzeitig herrscht viel Unsicherheit: Über 26 % wissen nicht genau, ob sie schon einmal auf Fake News hereingefallen sind. Dabei sagen mehr als die Hälfte (52 %), dass sie Nachrichten regelmäßig auf ihre Richtigkeit überprüfen.

„Die Informationsflut, mit der wir täglich konfrontiert sind, führt schnell dazu, dass wir mental abschalten und Inhalte nur noch überfliegen. Das ist ein bedeutender Unterschied zum früheren Medienkonsum, bei dem Inhalte, beispielsweise in Zeitungen und im Fernsehen, langsamer und gezielter aufgenommen wurden“, sagt die Expertin Hansen.

Auch Julia Levasier, Professorin für Public Relations und Kommunikation an der IU Internationalen Hochschule, erklärte, dass viele Menschen besonders den Informationen aus ihrem persönlichen Netzwerk, also aus Familie und Freundeskreis, vertrauten. Dieses Vertrauen könne jedoch ein Einfallstor für Falschnachrichten werden, da Informationen dort oft ungeprüft weitergegeben würden. Außerdem gebe es den sogenannten Vertrautheits-Bias: Man neige dazu, Informationen von vertrauten Personen automatisch für glaubwürdiger zu halten – unabhängig vom tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Dadurch könnten sich Falschnachrichten innerhalb persönlicher Netzwerke schneller verbreiten.

Welche Folgen haben Fake News und Deepfakes?

Die IU-Studie zeigt deutlich, dass Falschinformationen spürbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. So gaben knapp 14 % der Befragten an, schon einmal durch Fake News eine falsche Wahlentscheidung getroffen zu haben, bei Deepfakes waren es sogar 15 %. Viele spüren auch emotionale Folgen: Rund 43 % derjenigen, die auf Fake News hereingefallen sind, berichten von Stress oder Angst, bei Deepfakes betrifft das fast jede zweite Person. Außerdem sagten etwa 23 %, dass sie sich wegen Fake News mit anderen gestritten haben, bei Deepfakes lag der Anteil bei rund 18 %. Hinzu kommt die Sorge, dass die Situation durch neue Technologien noch schlimmer wird: Über 84 % glauben, dass Künstliche Intelligenz die Verbreitung von Fake News in Zukunft weiter verstärken wird.

Die Studie „Fakt oder Fake? Medienkompetenz in Deutschland“ von der IU Internationalen Hochschule untersucht, wie Menschen den Medien vertrauen, welche Rolle soziale Medien spielen und welche Folgen Fake News und Deepfakes haben. Dafür wurden 1.999 Personen in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Die Befragung fand vom 14. bis 25. April 2025 statt und ist nach Alter und Geschlecht repräsentativ.

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Bild: IU Internationale Hochschule

Was sind Fake News?

Fake News sind absichtlich verbreitete falsche oder stark verdrehte Informationen. Sie wirken oft so, als wären sie echt, weil sie professionell gemacht sind oder bekannte Themen aufgreifen. Typische Merkmale sind reißerische Überschriften, übertriebene Behauptungen oder Quellen, die man gar nicht richtig nachprüfen kann.

Beispiele für Falschinformationen

Fake News gibt es in allen Bereichen: Von „Wundermitteln“, die angeblich jede Krankheit heilen, über gefälschte Bilder von Promis bis hin zu politischen Lügenkampagnen. Besonders in sozialen Netzwerken verbreiten sich solche Inhalte rasend schnell, weil sie viele Klicks und Aufmerksamkeit bekommen.

„Vor der diesjährigen Bundestagswahl etwa häuften sich Desinformationskampagnen, die von autoritären Staaten zielgerichtet gesteuert wurden, um extreme politische Positionen in Deutschland zu stärken und demokratische Parteien anzugreifen. Große Nachrichtenagenturen wie Reuters berichteten darüber. Was auch immer häufiger vorkommt: Es werden KI-generierte Bilder von Ereignissen geteilt, die so nie stattgefunden haben. Die immer realistischere Darstellung dieser Bilder macht es zunehmend schwierig, echte von gefälschten Bildern zu unterscheiden“, – erklärt Nele Hansen, Professorin für Medienmanagement an der IU, was damit alles möglich ist.

Ziele von Fake News

Hinter Fake News steckt meistens ein bestimmtes Ziel: Manche wollen damit Geld verdienen – zum Beispiel durch Klicks auf Webseiten. Andere wollen Leute beeinflussen, etwa im politischen Bereich, oder einfach Verwirrung stiften. Und manchmal geht’s auch nur um Spaß oder Provokation.

Fake News erkennen – Medienkompetenz als Schlüssel

Um mit all dem umzugehen, braucht man Medienkompetenz. Das bedeutet, bewusst und kritisch mit Informationen umzugehen. Dazu gehört zum Beispiel: Quellen prüfen, Nachrichten vergleichen, Faktenchecks nutzen und auch mal skeptisch bleiben, wenn etwas zu krass klingt, um wahr zu sein. Schulen und Familien spielen dabei eine wichtige Rolle, indem sie Kindern und Jugendlichen beibringen, wie man im Netz sicher und schlau unterwegs ist. Aber auch Erwachsene müssen dranbleiben – denn Medienkompetenz ist etwas, das wir alle ständig üben sollten.

„Falschmeldungen gibt es, seit es Medien gibt. Mit Fake News und Deepfakes erreicht Desinformation jedoch ein neues Ausmaß in Bezug auf Geschwindigkeit, Reichweite und Täuschungspotenzial. Dabei ist es wichtig, zwischen unbeabsichtigten Falschinformationen und gezielter Desinformation zu unterscheiden. Medienkompetenz bedeutet heute nicht nur, Quellen zu prüfen, sondern auch, Inhalte kritisch einzuordnen und digitale Manipulationstechniken zu erkennen“, sagt Professorin Hansen.

Umgang mit Fake News und Deepfakes – wie geht es weiter?

„Bei jeder großen technologischen Entwicklung erleben wir zunächst ein bekanntes Muster: Sie löst Angst, Unsicherheit und oftmals auch Überforderung aus. So war es auch in der Vergangenheit, als die ersten Züge fuhren und die Menschen glaubten, dass Geschwindigkeiten über 30 km/h tödlich seien. Heute lächeln wir darüber, doch es zeigt: Der Umgang mit neuen Technologien braucht Zeit, Erfahrung und Regeln“. Die Expertin ist überzeugt, dass man bei KI-generierten Inhalten wie Deepfakes noch am Anfang einer Phase des gesellschaftlichen Lernens stehe. Ihrer Einschätzung nach werde sich der Umgang damit in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich professionalisieren, bessere Erkennungsmechanismen würden entwickelt und rechtliche Standards etabliert. Der einzige Unterschied zu früheren Entwicklungen sei die Geschwindigkeit, da durch KI alles schneller als je zuvor geschehe, was genaue Vorhersagen erschwere.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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