Kühlung von Datenzentren als Goldgrube: KI beschert ebm-Papst kräftiges Wachstum
Das Geschäft mit Dazentren boomt. Davon profitiert auch Ventilatorenhersteller ebm-Papst, für den auch intern künstliche Intelligenz immer mehr zum Thema wird.
Vor allem für die Kühlung von Datenzentren produziert ebm-Papst aktuell Ventilatoren. Davon profitiert die gesamte Unternehmensgruppe.
Foto:
Foto: CHRISTOF WOLF / ebm Papst
Weltweit entstehen neue Datenzentren. Sie ermöglichen nicht nur den Einsatz künstlicher Intelligenz, sondern erzeugen auch eine Menge Wärme. Kühlgeräte und Lüfter führen diese möglichst effizient ab. Teilweise kommt auch dabei KI zum Einsatz. Ein Unternehmen, welches davon aktuell profitiert ist die ebm-Papst-Gruppe aus Mulfingen.
Das zeigt sich in den Geschäftszahlen 2025/2026, die der Lüfterspezialist heute präsentierte. Demnach waren Datenzentren im abgelaufenen Geschäftsjahr ein besonders starker Wachstumstreiber und seien es auch weiterhin. Sie schlagen sich im Unternehmensbereich der industriellen Lufttechnik nieder, der im Vergleich zum Geschäftsjahr 2024/2025 um 11,8% auf 1784,1 Mio. € wuchs.
Die Lufttechnik macht auch den größten Teil am Gesamtumsatz von 2236 Mio. € aus. In der Gesamtgruppe lag das Wachstum bei rund 6 %. Grund dafür ist der planmäßige Rückzug von ebm-Papst aus den Geschäftsfeldern Automobiltechnik (PKW), Hausgeräte sowie den Übergang der elektrischen Antriebstechnik an Siemens im Juli 2025. Deren Umsätze gingen deutlich zurück, in der Antriebstechnik um 54,9 %.
Ventilatoren- und Pumpenlösungen für die Datazentren
Den Erfolg bei Datenzentren beschreibt Jens Löffler, CTO der ebm-Papst Gruppe, so: „Ohne innovative Lufttechnik wird die Weiterentwicklung der KI weltweit an physikalische Grenzen stoßen.“ Die Lösungen seines Unternehmens ermöglichten es, den Energiebedarf in Rechenzentren signifikant zu senken. „Genau hier entsteht ein enormes Marktpotenzial“, erklärte Löffler.
Die Mulfinger haben spezielle Ventilatoren- und Pumpenlösungen für die Datazentren entwickelt. Für Effizienz sorgen dabei neben dem speziellen Design auch KI-basierte Algorithmen. Sie erlauben nach Unternehmensangaben eine bedarfsgerechte Steuerung, vorausschauende Wartung sowie eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs. Das gelte sowohl im Neubau als auch im Bestand.
KI-Unterstützung für die Optimierung des Kühlkreislaufs
Basis für die digitale Vernetzung und KI-Unterstützung bei ebm-Papst ist die Plattform Nexaria. Die Lösung für Datenzentren geht dabei laut dem Lüftungsspezialisten über die Optimierung der Ventilatorentechnik hinaus. Im Fokus steht eine modellbasierte, dynamische Optimierung des gesamten Kühlkreislaufs mit allen darin befindlichen Komponenten, wie Pumpen, Rückkühler, Wärmetauscher, Chiller, etc. in Echtzeit.
Über digitale Zwilling werden dafür sämtliche Kühlprozesse modelliert. Daraus berechnet die Lösung die effizientesten Betriebsparameter in Echtzeit. Bis zu 50 % Einsparungen im gesamten Kühlprozess sind laut ebm-Papst durch eine adaptive Steuerung zu realisieren. Gleichzeitig ermögliche der stabilere, effizientere Kühlbetrieb eine höhere IT‑Leistungsdichte auf gleicher Fläche. Der Ausbau von Rechenzentren werde damit ressourcenschonender und netzfreundlicher gestaltet, heißt es. Darüber hinaus erkenne ein integriertes Alarmsystem potenzielle Probleme frühzeitig. Gegenmaßnahmen könnten somit schneller eingeleitet werden.
KI-relevante Kompetenzen sollen Beschäftigte stärken
Auch intern richten sich Mulfinger stärker auf den Einsatz von KI ein. CEO Klaus Geißdörfer erklärte dazu: „Unser Anspruch ist klar: Künstliche Intelligenz soll Menschen bei ebm-papst unterstützen – nicht ersetzen.“ Er machte deutlich: „Wir investieren gezielt in Qualifizierung und neue Kompetenzen.“ Ziel sei es Freiräume für Innovation, Kreativität und strategisches Arbeiten zu schaffen.
Dazu wurden nach Unternehmensangeben im vergangenen Geschäftsjahr über 1500 Mitarbeitende in KI-relevanten Kompetenzen geschult. Unter anderem erfolgte das im Rahmen unternehmensweiter Programme sowie durch die Mitarbeit im Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) in Heilbronn. In dem Zusammenhang baut ebm-papst die Zusammenarbeit mit Start-ups, Technologiepartnern und Netzwerken wie dem Next-Level-Mittelstand gezielt aus.
Der Fokus auf industrielle Lufttechnik und Heiztechnik ist für ebm-Papst nicht ohne Risiko.Denn so positiv, wie sich des Wachstum bei den Datenzentren derzeit für die Gruppe bemerkbar macht, könnte sich ein künftiger Rückgang auch negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet man jedenfalls ein Umsatzwachstum in den fortgeführten Geschäftsbereichen von über 10 %. Die Lufttechnik, Datacenter-Anwendungen sowie die zunehmende Integration von künstlicher Intelligenz in Produkte und Systeme sollen dabei wichtige Wachstumstreiber bleiben.
„Wir haben den Kurs korrigiert, wir haben fokussiert und wir haben umgesetzt“, erklärte CEO Klaus Geißdörfer. Heute stehe die Gruppe wir wieder mit voller Kraft im Markt. „Künstliche Intelligenz ist dabei kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel, um unser Kerngeschäft nachhaltig zu skalieren. Der eingeschlagene Kurs zeigt klar Wirkung“, hob er hervor.
Ein Beitrag von: