Krypto-Forscher warnt: Knackt KI in wenigen Monaten die Bitcoin-Verschlüsselung?
Ethereum-Forscher Justin Drake rät der Krypto-Branche zum „Bunker-Modus“, selbst Vitalik Buterin nimmt die Warnung ernst. Mit einem einfachen Schritt können Anleger ihre Coins schon jetzt schützen.
Wie sicher ist die Bitcoin-Verschlüsselung in Zeiten von KI?
Foto: Smarterpix/phonlamai
Einer der namhaftesten Krypto-Forscher schlägt Alarm: Kryptowährungen wie Bitcoin (BTC) oder Ethereum (ETH) könnten schon in Monaten geknackt werden. Der Auslöser: kein Quantencomputer, sondern künstliche Intelligenz, die gerade Mathe-Probleme löst, an denen Menschen jahrzehntelang gescheitert sind.
Die Warnung sorgt für Aufsehen in der Branche – selbst Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin klinkt sich ein. Was sollten Anleger wissen?
Inhaltsverzeichnis
Bitcoin in Gefahr: Forscher warnt vor KI-Angriff
Erst Quantencomputer, jetzt KI. In einer aufsehenerregenden Warnung richtet sich Krypto-Sicherheitsforscher Justin Drake an die gesamte Branche: Künstliche Intelligenz könne womöglich schon in wenigen Monaten die Verschlüsselung von BTC, ETH und Co. knacken – die aktuellen Fortschritte im Bereich Mathematik potenzieren die Risiken, mahnt der Kryptograf. „Heute rufe ich die Blockchain-Branche dazu auf, in Ruhe mit der Planung für den ‚Bunker-Modus‘ zu beginnen“, schreibt Drake auf X.
Sein Argument: Binnen weniger Tage sind gleich mehrere mathematische Hypothesen gefallen, die jahrzehntelang als gesichert galten – gelöst von KI. OpenAI hat zuletzt 722 neue mathematische Ergebnisse veröffentlicht. „Mathematische Superintelligenz ist da“, so der Forscher. Die Achillesferse: Das Signaturverfahren ECDSA, das jedes Bitcoin- und Ethereum-Guthaben schützt, beruht auf elliptischen Kurven – und die bieten reichlich mathematische Struktur, in der eine KI Abkürzungen finden könnte.
Im schlimmsten Fall sei ein Bruch „in Monaten, nicht Jahren“ denkbar. Steht das Verfahren erst einmal, bräuchte ein großer GPU-Cluster nur noch eine Woche, um einen privaten Schlüssel zu rekonstruieren. Der Krypto-Supergau.
Ethereum-Erfinder sieht Risiken durch „KI-beschleunigte Mathematik“
Anleger sind entsprechend verunsichert, manche reagieren panisch – etwa der Trader DefiApes: „Ich habe gerade alle meine Kryptowährungen verkauft“, kommentiert er auf X. Er werde nicht einfach zusehen, wie KI „den uns bekannten Code dekompiliert und entschlüsselt“ – es fühle sich an wie „russisches Roulette“.
Ausgerechnet Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin relativiert: Er „empfehle niemandem, heute hektisch seine Gelder in neue Wallets zu verschieben“, so der Programmierer – wenngleich die Risiken „durch KI-beschleunigte Mathematik“ ernst genommen werden sollten. Seine Warnung an alle Eiligen: Er persönlich habe „bei verpfuschten Migrationen mehr Geld verloren als bei allen Hacks zusammen“. Man solle deshalb „nichts überstürzen“.
Doch wie verhält man sich richtig, was ist zu tun? Die Warnung trifft auf einen ohnehin geschwächten Krypto-Markt: Nach dem Sprung über 87.000 $ ist die Luft kurzfristig wieder raus bei BTC. Bullen mühen sich zwar, eine tiefere Korrektur zu verhindern – die Bären bleiben aber am Ball, sorgen für Verluste: -1,87 % innerhalb der letzten 24 Stunden, der Kurs bei 82.706 $.
Schutz in drei Schritten: So sichern Anleger ihre Coins
Die gute Nachricht: Gegen den befürchteten Angriff gibt’s ein denkbar einfaches Mittel – es braucht keinen neuen Hardware-Wallet, keinen großen Aufwand. Der Trick: Der öffentliche Schlüssel einer Adresse wird erst sichtbar, wenn von dieser Adresse aus eine Transaktion signiert wird. Bei Bitcoin gilt das allerdings nicht für Taproot-Adressen, die mit bc1p beginnen: Dort ist der öffentliche Schlüssel von Anfang an sichtbar. Für den Schutz eignen sich daher nur Adresstypen wie bc1q.
Bis dahin verbirgt er sich hinter einem Hash – und Hash-Funktionen gelten auch im KI-Zeitalter als sicher, weil sie gezielt ohne mathematische Struktur konstruiert sind. Wer seine Coins auf einer Adresse parkt, die noch nie etwas signiert hat, gibt einer KI schlicht nichts, was sie angreifen könnte. Drake selbst nennt genau diesen Schritt die „einfache, vorbeugende Maßnahme“.
Auf Hardware-Wallets wie beispielsweise Ledger, Trezor oder anderen Geräten funktioniert die Sicherung folgendermaßen:
- Ein neues Konto beziehungsweise eine neue Adresse erstellen, mit der noch nie etwas signiert wurde.
- Die langfristig gehaltenen Bestände dorthin senden. Beim Empfang wird der öffentliche Schlüssel dieser Adresse nicht in einer Transaktionssignatur offengelegt.
- Die Adresse als reinen Empfangs-Cold-Storage behandeln: nichts senden, nichts genehmigen, nicht staken, nicht tauschen, keine Nachrichten signieren – sonst ist die Schutzwirkung dahin. Wird doch einmal signiert, wandert der Rest anschließend auf eine frische Adresse.
Wer weiterhin aktiv Kryptowährungen handeln oder im DeFi-Bereich unterwegs sein will, sollte dafür eine separate Adresse nutzen – ohne langfristige Bestände. Für kleinere Anleger gibt es laut Drake zudem einen natürlichen Puffer: Wallets mit weniger als 50 BTC genießen „teilweisen Schutz durch Satoshis Schild“. Die rund 20.000 offengelegten Adressen des Bitcoin-Erfinders mit je 50 BTC wären für jeden Angreifer das weitaus lohnendere Ziel.
Das Fazit fällt damit deutlich entspannter aus als die Schlagzeile: Ob die KI die elliptischen Kurven tatsächlich knackt, weiß heute niemand – und Buterin hält den Ernstfall ausdrücklich nicht für ausgemacht. Mit einer frischen Adresse verringern Anleger das Risiko deutlich, ohne einen Coin verkaufen zu müssen. Ein vollständiger Schutz ist das aber nur, solange die Coins dort liegen bleiben.
Ein Beitrag von: