Ethereum: Alle Prognosen, alle Kursziele! Wie hoch kann ETH im Bullrun steigen? Top-Stratege: „Locker über 10.000 $“
Ethereum hat in vier Wochen rund ein Drittel zugelegt. Banken, Vermögensverwalter und Krypto-Unternehmer legen nun Kursprognosen vor, die weit auseinanderliegen – von 360 bis 154.000 $. Ein Überblick über die Modelle und ihre Annahmen.
Ethereum ist nach Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung. Wie sich der Kurs entwickelt, schätzen Banken, Vermögensverwalter und Krypto-Unternehmer sehr unterschiedlich ein.
Foto: Melpomene/Smarterpix
Er hat lange gewartet, viele Millionen investiert – jetzt scheint sein Plan aufzugehen: Der explosive ETH-Kurs samt Ausbruch auf 2.500 $? „Daran wurde fast ein Jahrzehnt gearbeitet“, zeigt sich Branchen-VIP Tom Lee euphorisch.
Tatsächlich liefert Ethereum (ETH) derzeit: +34 % in nur vier Wochen, der höchste Preis seit Januar. Parallel schraubt sich Bitcoin (BTC) weiter aufwärts – immer mehr Analysten halten deshalb den Bärenmarkt für beendet. Doch was ist für Ethereum im Bullrun wirklich drin? Wie hoch kann der Kurs steigen – und was treibt ihn dorthin? Alle hochkarätigen Prognosen und Analysen im Überblick.
Inhaltsverzeichnis
Bullishe Prognose: Ethereum auf 154.000 $
Bitcoin pumpt, der Krypto-Markt folgt – doch was ist diesmal drin, wie hoch können die Kurse der Coins wirklich steigen? Neben BTC sehen Analysten vor allem bei Ethereum (ETH) noch erhebliches Kurspotenzial, darunter etwa Geoff Kendrick von Standard Chartered. Der Digital-Assets-Chef der britischen Großbank hält 2026 für „das Jahr von Ethereum“ – samt Kurs-Explosion auf 4.000 $.
Danach: fünfstellige Preise. Seine Begründung: Ethereum erinnere an Amazon nach dem Dotcom-Crash 2001 – der Kurs hinke den On-Chain-Fundamentaldaten schlicht hinterher. Ähnlich optimistisch rechnet die Investmentgesellschaft VanEck: Deren Prognose-Modell behandelt Ethereum als „digitales Öl“ und kommt im Basisszenario auf 22.000 $ bis 2030 – vorausgesetzt, ETH behauptet seine Führungsposition unter den Smart-Contract-Plattformen.
Im Bärenfall stehen zwar nur magere 360 $ im Modell – dafür sieht das optimistische Szenario Ethereum bei satten 154.000 $. Auch der renommierte Vermögensverwalter CoinShares hält eine breite Spanne für möglich: Das 5-Jahres-Modell sagt einen Preis von 1.443 $ im Bären- und stolze 14.135 $ im Bullenfall voraus. Deutlich nüchterner gibt sich die US-Großbank Citi: Sie hat ihr 12-Monats-Ziel im Juli auf 2.240 $ gesenkt. Die Begründung: negative ETF-Flüsse sowie fehlende Katalysatoren. Die Ethereum-Prognosen im Überblick:
| Prognose | Zeithorizont | Kursziel | Anstieg |
| Standard Chartered | Ende 2026 | 4.000 $ | +60 % |
| Finder-Analystenpanel | Ende 2026 | ~5.026 $ | +101% |
| Citi | Juli 2027 | 2.240 $ | -10 % |
| Finder-Analystenpanel | 2030 | ~11.712 $ | +368 % |
| VanEck (Basisszenario) | 2030 | 22.000 $ | +780 % |
| VanEck (Bullenszenario) | 2030 | 154.000 $ | +6.060 % |
| Standard Chartered | Ende 2030 | 40.000 $ | +1.500 % |
| CoinShares (Basisszenario) | 2031 | ~4.935 $ | +97 % |
| CoinShares (Bullenszenario) | 2031 | ~14.135 $ | +465 % |
Tom Lee: „Locker über 10.000 $“
Ebenfalls spektakuläre Zahlen legt derweil Tom Lee vor, Mitgründer des Research-Hauses Fundstrat und eine der bekanntesten Wall-Street-Stimmen. In einem neuen Interview erklärt der vielzitierte Finanz-Analyst: Allein ein neuer Bullenzyklus könne Ethereum über 5.000 $ tragen – 2027 oder 2028 seien „locker“ mehr als 10.000 $ drin. Lees Begründung: Notiert Bitcoin eines Tages bei 250.000 $, ziehe Ethereum entsprechend mit – ihm zufolge würden sich je nach ETH/BTC-Verhältnis drei Szenarien ergeben:
| Lee-Szenario | ETH-Kursziel | Anstieg |
| 8-Jahres-Durchschnitt ETH/BTC | 12.000 $ | +380 % |
| ETH/BTC auf 2021-Spitzenniveau | 22.000 $ | +780 % |
| „Zahlungsmittel“-These | 62.500 $ | +2.400 % |
Langfristig spekuliert Lee sogar auf Preise zwischen 50.000 und 250.000 $ – getrieben von Tokenisierung und KI-Agenten. Ein Detail sollte man bei all seiner Lobhudelei jedoch berücksichtigen: Lee ist zugleich Chairman von BitMine – das Unternehmen hält fast 5 % des gesamten ETH-Angebots. Er profitiert also direkt von steigenden Kursen. Gleiches gilt für Krypto-Unternehmer Arthur Hayes – auch er hat seine Taschen bereits gefüllt: Nun erwartet der BitMEX-Mitgründer 5.000 $ bis Ende 2026 – und 30.000 $ bis 2031.
Die Anleger selbst sind übrigens skeptischer als Analysten und Firmen: Auf den Prognosemärkten von Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit für 3.000 $ Ende 2026 bei rund 49 %, für 4.000 $ bei 15 % – eine Korrektur auf 1.500 $ kommt auf ebenfalls 15 %. Immerhin: Bis Ende August erobert Ethereum der Prognose zufolge mit einer Wahrscheinlichkeit von aktuell 71 % die 2.600-Dollar-Marke zurück.
Diese Faktoren können ETH auf neue Höchststände treiben
Doch warum trauen so viele Profis Ethereum eine Preis-Vervielfachung zu? Die Bullen-These ruht auf folgenden Säulen:
– Stablecoins: Der Großteil des Handels mit Dollar-Token läuft über Ethereum – wächst der Stablecoin-Markt, wächst die Nachfrage nach der Abwicklungsschicht darunter. Gerade hat beispielsweise der große Fintech-Anbieter Revolut mit 80 Millionen Kunden weltweit angekündigt, seinen Euro-Stablecoin EURR auf Ethereum zu launchen.
– Tokenisierte Vermögenswerte (RWA): Staatsanleihen, Fonds und Kredite wandern als digitale Token auf die Blockchain – Ethereum führt dieses Rennen bislang an.
– DeFi und mehr Durchsatz: Dezentrale Finanzanwendungen generieren Gebühren, und geplante Upgrades sollen die Kapazität der Basisschicht deutlich erhöhen – mehr Aktivität, die ETH direkt zugutekommt.
– Aufholjagd gegenüber Bitcoin: Das ETH/BTC-Verhältnis notiert weit unter den Höchstständen von 2021. Kehrt es dorthin zurück, muss Ethereum den Marktführer deutlich outperformen. Das ist das auch Kernargument von Arthur Hayes: Der globale Liquiditätszyklus dreht auf – und Ethereum hat sein 2021er-Hoch von rund 5.000 $ nie richtig hinter sich gelassen. Der Nachholeffekt steht also noch aus.
Zusammengefasst: Die Bullen wetten darauf, dass Ethereum die Abwicklungsschicht für Stablecoins, Tokenisierung und später KI-Transaktionen bleibt – und der Kurs diese On-Chain-Nutzung abbildet. Die Skeptiker hingegen halten dagegen: Layer-2-Netzwerke fangen einen Teil der Wertschöpfung ab, die ETF-Flüsse bleiben wackelig – und mit Solana (SOL) drängt ein schnellerer, günstigerer Rivale in genau dieselben Anwendungsfälle.
Fazit: Große Chancen – aber auch eine Großbaustelle
Ethereum hat in diesem Bullrun zweifellos Potenzial: Selbst konservative Modelle sehen eine Kursverdopplung, die Bullen rechnen sogar mit einer Explosion. Gleichzeitig sind die Risiken jedoch enorm: Erfinder Vitalik Buterin hat einen radikalen Umbau angekündigt, bei dem über die kommenden Jahre nahezu alle wichtigen Bestandteile der Kryptowährung ausgetauscht werden sollen – von der Kryptographie bis zum Kern des Netzwerks.
Ob dieser Kraftakt am offenen Herzen gelingt, ohne Anwendungen, institutionelle Investoren oder das Vertrauen der Anleger zu beschädigen, kann heute niemand seriös beantworten. Wer den euphorischen Prognosen folgt, sollte diesen Unsicherheitsfaktor berücksichtigen – die Kluft zwischen VanEcks 360 und 154.000 $ zeigt überdeutlich, wie weit Bullen und Bären auseinanderliegen können.
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