Deutsche Forschung 30.10.2025, 13:00 Uhr

Wenn Solarzellen wie Zeitungen gedruckt werden

Vor rund einem Jahrzehnt noch eine Zukunftsvision, heute beinahe Realität: Forschenden der Technischen Universität Chemnitz ist es gelungen, organische Solarzellen im Rollendruckverfahren mit einem Wirkungsgrad von 9 % und einer Produktionsausbeute von über 88 % herzustellen.

Gedruckte Solarzellen aus Chemnitz erreichen 9 % Effizienz und könnten Europas Solarindustrie neu beleben – nachhaltig und energieeffizient produziert.

Foto: pmTUC

Gedruckte Solarzellen aus Chemnitz erreichen 9 % Effizienz und könnten Europas Solarindustrie neu beleben – nachhaltig und energieeffizient produziert.

Foto: pmTUC

Bereits 2011 sorgte das Team um Prof. Dr. Arved Hübler vom Institut für Print- und Medientechnik mit der weltweit ersten auf Papier gedruckten Solarzelle für Aufsehen. Doch mit einer Effizienz von nur 1,7 % und begrenzter Haltbarkeit blieb die Technologie zunächst Zukunftsmusik. „Die Machbarkeit war damals gezeigt, aber die Leistungswerte waren noch nicht überzeugend“, so Hübler.

Drucken statt Schmelzen

Im Zentrum der neuen Technik steht das Rolle-zu-Rolle-Druckverfahren. Das Prinzip ähnelt dem Druck von Zeitschriften: Flüssige Schichten werden nacheinander auf Papier oder Kunststofffolie aufgebracht und getrocknet. Dabei erfüllen die Druckfarben in diesem Fall keine dekorative Aufgabe, sondern übernehmen elektrische Funktionen.

Eine Solarzelle besteht insgesamt aus sechs Schichten. Die wichtigste davon ist eine photoaktive Schicht aus der Polymermischung PM6:Y12, welche einfallendes Licht in Strom umwandelt.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG
Düsseldorf Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales and Project Management (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produkt-Account-Manager Antriebskomponenten/Bremsen RINGSPANN GmbH
Bad Homburg Zum Job 
Crawford & Company (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Technical Expert / Sachverständiger (w/m/d) Bereich Global Technical Services Crawford & Company (Deutschland) GmbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Schulbau GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Hoch- und Schlüsselfertigbau KLEBL GmbH
Raum Berlin-Brandenburg Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Hoch- und Schlüsselfertigbau KLEBL GmbH
Frankfurt Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Kalkulator (m/w/d) im Bereich Hochbau- und Schlüsselfertigbau KLEBL GmbH
Berlin-Brandenburg Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) im Hausbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur in der Bauwerksprüfung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
KLN Ultraschall AG-Firmenlogo
Strategischer Einkäufer im Sondermaschinenbau (m/w/d) KLN Ultraschall AG
Heppenheim (Bergstraße) Zum Job 
Max Bögl Transport und Geräte GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Prozesskoordinator (m/w/d) - Produktionstechnik Max Bögl Transport und Geräte GmbH & Co. KG
Sengenthal Zum Job 
Hochschule Emden/Leer-Firmenlogo
Professur (m/w/d) für Elektrische Energietechnik Hochschule Emden/Leer
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Redakteur (m/w/d) für Maschinenbau Beckhoff Automation GmbH & Co. KG
Herzebrock-Clarholz Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur / Projektingenieur Ingenieurbau (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 

Der entscheidende Vorteil: Im Gegensatz zur herkömmlichen Silizium-Photovoltaik, die viel Energie für hohe Temperaturen und aufwändige Reinigungsprozesse benötigt, kann das Drucken bei Raumtemperatur und mit sehr wenig Energie durchgeführt werden. So könnten künftig große Flächen von Solarfolien schnell und möglicherweise auch regional produziert werden.

Die Forschung ist Teil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund fünf Millionen Euro geförderten Forschergruppe „POPULAR – Gedruckte & stabile organische Photovoltaik mit Nicht-Fullerenakzeptoren

Im Mittelpunkt der aktuellen Arbeiten steht die Langzeitstabilität. Dazu werden die neuen Solarzellen in Kooperation mit der Universität Erlangen-Nürnberg, der TU Dresden, der Universität Bayreuth, der Universität Potsdam sowie Forschenden aus Augsburg und Durham (UK) einer beschleunigten Alterung unterzogen.

Nach sechs Wochen Testzeit vergleichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die gealterten Module mit frischen, neu gedruckten Solarzellen. Ziel ist es, die Ursachen für Materialabbau zu identifizieren und daraus Modelle für langlebigere Systeme zu entwickeln. Ergänzt wird dies durch Computersimulationen, die das elektrische Verhalten und Alterungsprozesse virtuell nachbilden.

Effizienz im internationalen Vergleich

Mit einem Wirkungsgrad von 9 % nähern sich die Chemnitzer Forscher den derzeit besten Ergebnissen anderer Forschungsgruppen im Bereich gedruckter organischer Solarzellen.

Aktuelle Studien berichten von 12 bis 13,7 % Effizienz bei gedruckten Verfahren wie Slot-Die-Coating oder Inkjet-Druck – allerdings meist unter Laborbedingungen und auf sehr kleinen Flächen. Einzelne Laborzellen, die nicht gedruckt, sondern mit aufwendigeren Verfahren hergestellt wurden, erreichen mittlerweile über 20 % Wirkungsgrad. Diese Spitzenwerte gelten jedoch für mikroskopisch kleine Testzellen, nicht für industriell skalierbare Module.

Marktpotenzial

„Der Klimawandel erfordert immer häufiger Verschattungen, beispielsweise über Feldern oder Gewächshäusern. Kilometerlange Solarbahnen könnten dort gleichzeitig Strom erzeugen und die Pflanzen schützen“, sagt Hübler.

Auch im Bereich Gebäudeintegration, bei Zelten, Fahrzeugen oder Fassaden sehen die Forschenden ein enormes Potenzial. Die Kombination aus geringem Gewicht, kostengünstiger Produktion und einfacher Skalierbarkeit könnte der gedruckten Photovoltaik einen eigenen Markt eröffnen.

Möglicher Wegbereiter für eine europäische Solarindustrie

Der Photovoltaics Report 2024 des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigt, dass etwa 96 % aller Solarmodule und deren Bauteile aus Asien stammen. Davon werden rund 80 % in China produziert – und zwar in Regionen, in denen die Stromversorgung überwiegend auf Kohle basiert.

Die Herstellung von Siliziumzellen ist energieintensiv. Allein die Reinigung des Siliziums und das Schmelzen der Wafer erfordern Temperaturen von über 1000 °C. Damit steht die Produktion zwar für günstige Preise, aber nicht für ökologische Nachhaltigkeit.

Hier setzt die Technik aus Chemnitz an. Hübler betont: „Die nächste Generation von Solartechnologien muss deutlich nachhaltiger hergestellt werden – dafür eignet sich das Druckverfahren besonders.“ Gedruckte organische Solarzellen benötigen im gesamten Fertigungsprozess nur einen Bruchteil der Energie, da sie bei Raumtemperatur und atmosphärischem Druck hergestellt werden können.

 

Ein Beitrag von:

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.