H2 aus der Nordsee 16.12.2025, 11:01 Uhr

Wasserstoff aus Meerwasser: Riesige 2,4-GW-Elektrolyse entsteht in Friesland

Im friesischen Sande soll einer der größten Elektrolyseure der Welt entstehen. Für die H2-Produktion nutzt er Wasser aus der Nordsee.

Leitungsinfrastruktur der STORAG ETZEL: Über diese Rohre soll Nordsee-Wasser den Wasserstoffpark Friesland versorgen

Die Meerwasserleitung aus den 1970er Jahren soll den Wasserstoffpark Friesland mit der Nordsee verbinden.

Foto: Storag Etzel

In diesen Tagen mehren sich wieder die Nachrichten über norddeutsche Wasserstoff-Großprojekte: Nach dem EWE-Elektrolyseur in Emden und dem Hamburger Wasserstoffwerk Moorburg melden nun auch der ostfriesische Gasspeicherbetreiber Storag Etzel und der Projektierer Friesen Elektra ein Update zu ihrem Elektrolysevorhaben.

Es geht um die Wasserversorgung: Am 15. Dezember einigten sich die Unternehmen darauf, den geplanten Wasserstoffpark Friesland über eine Storag Etzel-Leitung mit Wasser aus der Nordsee zu versorgen. Damit ist das derzeit größte Wasserstoffprojekt Deutschlands ein Stück konkreter geworden.

Was im Wasserstoffpark Friesland geplant ist

Der Wasserstoffpark soll auf einer Fläche von 72 ha entlang der A29 bei Sande entstehen. Ganz in der Nähe befindet sich die Stadt Wilhelmshaven, in deren Umgebung weitere H2-Infrastrukturen wie Speicher, Terminals und Pipelines geplant sind.

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In der finalen Ausbaustufe soll der friesische Wasserstoffpark über ganze 2,4 GW Anschlussleistung verfügen: Mehr als zwei durchschnittliche Atomkraftwerke. Zum Vergleich: Der größte aktuell im bau befindliche Elektrolyseur ist die 320-MW-Anlage des Energieversorgers EWE in Emden.

Der Wasserstoffpark Friesland im Rendering.

Der Wasserstoffpark Friesland im Rendering.

Foto:

Foto: Friesen Elektra

Wie der modulare Ausbau verläuft

Der Ausbau in Sande erfolgt schrittweise:

  • Zunächst plant der dänische Investor Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) gemeinsam mit Auftraggeber Friesen Elektra eine 400-MW-Anlage im Rahmen des Projekts „Anker“. 2030 soll sie den Betrieb aufnehmen und rund 80.000 t Wasserstoff pro Jahr erzeugen – laut Unternehmen rund 5 % des deutschen Gesamtbedarfs im Jahr 2030.
  • Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Anlage dann auf 800 MW Leistung verdoppelt werden. Langfristig wollen die Norddeutschen die Kapazität dann auf 2400 MW verdreifachen.

Laut dem CEO des Unternehmens, Maximilian von Wedel, könne das H2-Projekt dann jährlich fast so viel CO2 einsparen, wie die Bäume in ganz Niedersachsen binden. Die Stromversorgung läuft über mehrere Höchstspannungsleitungen aus Offshore- und Onshore-Windkraft sowie Solaranlagen. Schon heute betreibt Friesen Elektra mehrere Wind- und Solarparks, darunter den 83 MW großen Energiepark Sande.

Woher das Wasser kommen soll

Für die Elektrolyse braucht der Standort jährlich rund 3 Mio. m³ Reinstwasser. Was das Projekt auszeichnet: Langfristig soll kein Trinkwasser zum Einsatz kommen. Stattdessen setzen die Friesen auf drei alternative Quellen.

  1. Aufbereitetes Abwasser aus der Kläranlage Sande, das ein neues Brauchwasserwerk des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) liefern soll. Nach Angaben der Unternehmen wären es bis zu 400.000 m³ jährlich. „Wir leben in einer wasserreichen Region und können bei umsichtigem Umgang mit unseren Ressourcen dazu beitragen, dass grüner Wasserstoff aus dem Nordwesten die Energiewende voranbringt“, so OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht.
  2. Oberflächenwasser aus dem regionalen Entwässerungssystem, den sogenannten Sielen.
  3. Meerwasser über die bestehenden Leitungen von Storag Etzel. Die Rohre leiten schon seit den 1970er-Jahren Nordsee-Wasser aus der Innenjade nach Friedeburg. Storag Etzel spricht von einer „unerschöpflichen“ Ressource für die Wasserstoffproduktion. Der jetzt geschlossene Vorvertrag regelt den rechtlichen Rahmen für die Meerwasser-Säule des Konzepts.

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Wie der Wasserstoffpark mit dem Wasserstoffnetz zusammenhängt

Der Standort befindet sich an einem Schnittpunkt mehrerer neuer H2-Infrastrukturen: Drei Wasserstoff-Fernleitungen des geplanten Kernnetzes sollen den Wasserstoffpark mit Industriestandorten verbinden – darunter die Chemieindustrie im Ruhrgebiet, die Stahlproduktion in Salzgitter und Kupferhütten in Hamburg.

Für die Zwischenspeicherung stehen perspektivisch die nur wenige Kilometer entfernten Salzkavernen der Storag Etzel bereit. Nach Abschluss des Pilotprojekts H2CAST Etzel sollen sie grünen Wasserstoff in großen Mengen aufnehmen können.

Der dänische Investor CIP sieht trotz des derzeit schleppenden Markthochlaufs  weiterhin Potenzial für den Wasserstoffmarkt. „Wir engagieren uns weiterhin für Investitionen in groß angelegte erneuerbare Infrastrukturlösungen zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrien“, so Partner Felix Pahl. Der CIP-Fonds Energy Transition Fund I gilt als größter Greenfield-Fonds für grünen Wasserstoff weltweit. Sein Portfolio hält insgesamt rund 6,5 GW Elektrolyseur-Kapazität.

FAQ: Der Wasserstoffpark Friesland in Zahlen

Welche Leistung ist geplant?
2,4 GW in der Endausbaustufe, zunächst 400 MW mit Erweiterung auf 800 MW.

Wer sind die Partner?
Friesen Elektra Green Energy AG, Copenhagen Infrastructure Partners (CIP), STORAG ETZEL, Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV).

Woher kommt das Wasser?
Aus drei Quellen: aufbereitetes Abwasser, Oberflächenwasser aus dem Sielsystem, Meerwasser über die Storag Etzel-Leitung. Trinkwasser soll nur in der Anlaufphase zum Einsatz kommen.

Woher kommt der Strom?
Über Höchstspannungsleitungen aus Offshore- und Onshore-Windkraft sowie Solaranlagen.

Wohin geht der Wasserstoff?
Über drei Fernleitungen des Kernnetzes zu Industriekunden im Ruhrgebiet, in Salzgitter und Hamburg. Zwischenspeicherung in nahegelegenen Salzkavernen.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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