Scharfe Kritik an Enegiewende 21.01.2026, 16:42 Uhr

„Nur Dumme kaufen Windräder“: Trumps Davos-Rede im Faktencheck

„The Green New Scam“: Trump wetterte in Davos gegen Europas Energiewende. Ist an seinen Behauptungen etwas dran?

Trump bei seiner Kritik an Windkraft in Davos

Trump in Davos.

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber

In seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump seine Kritik an der europäischen Energiewende drastisch verschärft. Die Windkraft bezeichnet er als „größten Betrug der Geschichte“ – und nimmt dabei Deutschland und Großbritannien gezielt ins Visier.

„The Green New Scam“

Donald Trump lässt keinen Zweifel daran, was er von Windenergie hält. „Windmills all over the place. They destroy your land“, rief der US-Präsident am Mittwoch (21. Januar)  den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums in Davos zu. „There are windmills all over Europe… and they are losers.“ Je mehr Windräder ein Land habe, desto mehr Geld verliere es, so Trump.

Die europäische Energiewende bezeichnete Trump in Anspielung auf den „Green New Deal“ der US-Demokraten unter Joe Biden als „Green New Scam“. Die Energiewende sei „vielleicht der größte Betrug der Geschichte“. Die USA hätten durch seinen Wahlsieg einen „katastrophalen Energiekollaps“ vermieden, wie ihn jedes europäische Land erlebt habe, das diesen Weg eingeschlagen habe.

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Besonders hart ging Trump in dem Zusammenhang mit Deutschland ins Gericht: Das Land erzeuge heute 22 % weniger Strom als noch 2017, während die Strompreise um 64 % gestiegen seien. Bundeskanzler Friedrich Merz nahm er dabei jedoch ausdrücklich in Schutz: „He’s solving the problem. He’s gonna do a great job.“ Die Schuld liege bei der Vorgängerregierung.

Schon im Wahlkampf 2024 hatte Trump laut dpa Deutschland wegen der Windkraft verhöhnt: „Sie haben überall Windräder aufgestellt, und der Wind wehte nicht so stark. Und wenn sie diesen Prozess fortgesetzt hätten, wäre Deutschland jetzt pleite.“

Trumps China-Theorie: „Sie verkaufen sie an Dumme, aber nutzen sie nicht“

Eine bemerkenswerte Behauptung stellte Trump in Davos über China auf: Das Land produziere zwar fast alle Windräder der Welt, nutze sie aber selbst kaum. „They make them. They sell them for a fortune. They sell them to the stupid people that buy them, but they don’t use them themselves“, sagte Trump. China setze stattdessen auf Kohle und Gas.

Auf die Frage, warum andere Länder weiterhin Windräder kauften, hatte Trump eine einfache Antwort: „Stupid people buy them.“ Selbst die Chinesen seien überrascht, dass der Verkauf weitergehe. „They’re shocked that people continue to buy those damn things.“

Ist an Trumps Behauptungen etwas dran?

Trumps Aussagen enthalten zahlreiche Übertreibungen und Ungenauigkeiten. Ein Blick auf die einzelnen Vorwürfe:

  • China und Windkraft: China ist tatsächlich der weltgrößte Hersteller von Windkraftanlagen – aber auch der mit Abstand größte Nutzer. Ende 2023 hatte China mit über 440 GW die größte installierte Windkraftkapazität weltweit, mehr als die USA und Europa zusammen. Trumps Behauptung könnte also nicht weiter von der Realität entfernt sein.
  • „22 % weniger Strom“: Hier hat Trump teilweise recht, allerdings ist die Einordnung irreführend. Die Bruttostromerzeugung lag 2017 bei rund 654 TWh, 2025 bei etwa 438 TWh. Das ist ein Rückgang von etwa 33 %. Allerdings: Deutschland war 2017 Europas größter Stromexporteur mit einem Überschuss von 53 TWh. Heute ist das Land Nettoimporteur. Der geringere Strombedarf spiegelt auch Effizienzgewinne und den Rückgang energieintensiver Industrie wider; nicht einen „Kollaps“.
  • „64 % höhere Strompreise“: Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag 2017 bei etwa 29 Cent pro kWh, 2025 bei rund 40 Cent. Das entspricht einem Anstieg von etwa 35–40 % – nicht 64  %. Der Hauptgrund für den Preisanstieg war zudem der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und der damit verbundene Wegfall der Gaslieferungen. Seit dem stärksten Preisanstieg 2022/2023 sind die Preise wieder gesunken.
  • Der Wind weht nicht“: Trump behauptete, in Deutschland wehe der Wind nicht stark genug und das Land stehe deshalb vor dem Bankrott. Tatsächlich war der März 2025 der windschwächste seit 1950, dennoch deckten Erneuerbare im Gesamtjahr knapp 56 % des Stromverbrauchs.
  • „Windräder sind ‚Loser'“: Im Gegenteil. Windkraftanlagen erwirtschaften Renditen von 7-8 %, Offshore-Anlagen teils im niedrigen zweistelligen Bereich. Die Stromgestehungskosten liegen bei 30-40 $/MWh. Das ist günstiger als viele moderne fossile Kraftwerke. 2024 war Windenergie war mit knapp 30 % der Bruttostromerzeugung der wichtigste Energieträger im deutschen Strommix und übertraf erstmals die Kohle.

Vorgeschichte: Trump gegen die Windkraft

Schon vor einem Jahr hatte der US-Präsident die Entfernung von Windrädern in der Nordsee gefordert. Über seine Plattform Truth Social teilte der damals 78-Jährige einen Bericht aus dem November 2024 über den geplanten Rückzug des US-Ölunternehmens Apache aus der Nordsee-Region. Dabei äußerte Trump scharfe Kritik an Großbritannien und bezeichnete die dortige Energiepolitik als seiner Ansicht nach „sehr großen Fehler“.

„Öffnet die Nordsee. Schafft die Windräder ab!“, zitierte die dpa die Worte von Donald Trump. Der Republikaner betonte im Zuge der Kritik an der Offshore-Windkraft in der Nordsee seine volle Unterstützung für die Erdgasgewinnung durch Fracking. Er behauptete, seine Kontrahentin Kamala Harris und die Demokraten würden diese ablehnen. „Sie sind gegen alles, was mit dem zu tun hat, was unter der Erde liegt. Und das ist es, was Deutschland gerade durchgemacht hat. Sie haben sich fast selbst zerstört“, sagte Trump.

US-Konzern hatte britische Energiepolitik und Umweltauflagen getadelt

Apache hatte angekündigt, bis 2029 seine Nordseefelder aufgeben zu wollen. CEO John Christmann kritisierte in dem Kontext neue Vorschriften, die ab 2029 teure Emissionskontrollmaßnahmen für Nordsee-Anlagen erfordern. Diese machten die Förderung von Öl und Gas unrentabel.

Der von Trump auf Truth Social geteilte Bericht hatte als Grund für den Apache-Ausstieg steigende Abgaben genannt, die die Ölförderung unrentabel machten.  Der Ölkonzern betreibt seit 2003 das Forties-Feld in der Nordsee und hat 2024 neue Bohrungen gestoppt. Denn die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer setzt verstärkt auf erneuerbare Energien und vergibt keine neuen Bohrlizenzen für Öl- und Gasunternehmen in der Nordsee.

In seiner ersten Amtszeit (2017–2021) hatte Trump Umwelt- und Klimaschutzstandards in den USA gelockert. Auf seine Initiative traten die USA 2020 aus dem Pariser Klimaabkommen aus, was sein Nachfolger Joe Biden später rückgängig machte.

(mit dpa)

 

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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