Hochwasser 14.06.2013, 15:11 Uhr

Flutung eines Tagebaus rettet Leipzig und Halle vor der Katastrophe

Nach der Flut beginnt die Zeit des Aufräumens: Sandsäcke, von zehntausenden Helfern eilig zu Hilfsdämmen geschichtet, müssen entsorgt werden. Vor den zum Teil tagelang überfluteten Häusern stapeln sich verlorener Hausrat, Möbel und Schutt. Begonnen hat aber auch, wie schon nach der „Jahrhundertflut 2002“, die Diskussion um Prävention.

Wassermassen der hochwasserführenden Weißen Elster konnten sich in den noch nicht voll gefüllten Zwenkauer See ergießen, ein früherer Tagebau. Dadurch flossen pro Sekunde 300 Kubikmeter weniger Wasser durch Leipzig und in die Saale. Dadurch konnten Leipzig und Halle vor Überflutung gerettet werden.

Wassermassen der hochwasserführenden Weißen Elster konnten sich in den noch nicht voll gefüllten Zwenkauer See ergießen, ein früherer Tagebau. Dadurch flossen pro Sekunde 300 Kubikmeter weniger Wasser durch Leipzig und in die Saale. Dadurch konnten Leipzig und Halle vor Überflutung gerettet werden.

Foto: dpa/Peter Endig

Die Kleinstadt Grimma, 25 km südöstlich von Leipzig, hat es erneut schlimm erwischt. Schon 2002 stand hier die Mulde haushoch in der Innenstadt. Diesmal blieb zwar das erste Obergeschoss im Rathaus trocken, doch Bürgermeister Matthias Berger platzt dennoch bei jedem Gedanken an das Hochwasser schnell der Kragen. „Es hätte nicht sein müssen, nicht sein dürfen“, sagt der Mann, der vor elf Jahren fast durchweg als der Retter an der Spitze des Katastrophenschutzes gesehen wurde.

Der Grund für Bergers Ärger liegt im Untergrund: Dort wurde in den vergangenen Jahren eine tief in den Flussschotter reichende Spundwand gebaut, mehrere Kilometer lang. Oberirdisch ist die Grimmaer Schutzwand jedoch erst in Fragmenten fertig. Schuld daran ist weniger die Technologie oder gar fehlendes Geld, sondern der Kampf zweier Bürgerinitiativen, die den Bau erheblich verzögerten. Grimma, das schmucke Städtchen, hinter einer Mauer verstecken? Mit Mauern habe man hierzulande schlechte Erfahrungen, sagen die Gegner und verweisen darauf, dass man Flüsse nicht eindämmen dürfe, sondern ihnen den notwendigen Raum geben muss.

Zwenkauer See rettete Leipzig und Halle vor der Flut

Im Großraum Leipzig etwa haben im letzten Jahrhundert rund 60 Braunkohletagebaue die Landschaft verändert. Mäandernde Flussläufe von Pleiße und Elster mit ihren ausgeprägten Auenlandschaften wurden, ebenso wie viele Ortschaften, Straßen und Bahnstrecken verlegt. Die Neubauten wirken bis heute künstlich, eben am Reißbrett entworfen, ganz gleich, ob es sich um einen modernen Dorfanger handelt oder das schnurgerade verlaufende, zum Teil betonierte Flussbett. Am Oberlauf der sächsischen Flüsse sind dafür 43 Talsperren gebaut worden, die rund 60 Mio. Kubikmeter fassen können. Ein Konzept, das schon 2002 seine Grenzen demonstrierte, als die Staumauern nach einem Tag Starkregen die Wassermassen nicht halten konnten.

Auch im Juni 2013 liefen in den betroffenen Gebieten die Rückhaltebecken an Mulde, Pleiße und Saale über. Wohl auch, weil die Stauseen nicht allein dem Hochwasserschutz dienen, sondern als Reservebehälter für die Trinkwasserbereitstellung in extrem trockenen Sommern. Doch gerade die Kunstlandschaft nach dem bis auf zwei Tagebaue aufgegebenen Kohlebergbau im Süden Leipzigs hat jetzt vermutlich eine Katastrophe in den beiden Großstädten Leipzig und Halle verhindert.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Dawonia-Firmenlogo
Techniker Propertymanagement (m/w/d) in der Immobilienwirtschaft Dawonia
München Zum Job 
AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH-Firmenlogo
Sachgebietsleiter Bau (m/w/d) AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH
AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH
medac pharma production GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) medac pharma production GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Qualifizierung Kfz- Prüfingenieur/-in (m/w/d) bzw. Kfz- Sachverständige/-r (m/w/d) TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Heppenheim, Bischofsheim Zum Job 
noris network AG-Firmenlogo
Techniker Zutrittskontrolle & Videoüberwachung / Datacenter Engineer (m/w/d) noris network AG
Nürnberg Zum Job 
fripa  Papierfabrik Albert Friedrich KG-Firmenlogo
Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d) fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG
Miltenberg Zum Job 
ZVEI e.V. - Verband der Elektro- und Digitalindustrie-Firmenlogo
(Senior) Manager / Referent Elektroniksysteme (w/m/d) ZVEI e.V. - Verband der Elektro- und Digitalindustrie
Frankfurt am Main Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
sanotact GmbH-Firmenlogo
Verpackungsingenieur (m/w/d) QM, QS sanotact GmbH
Münster Zum Job 
Stadtwerke Rastatt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Bauingenieur oder Versorgungsingenieur Stadtwerke Rastatt GmbH
Rastatt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Bauwerksprüfer (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur:in oder Bachelor of Engineering (FH) der Fachrichtung Nachrichtentechnik (m/w/d) LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Lippstadt, Warstein Zum Job 
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 
HOERBIGER Flow Control GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) HOERBIGER Flow Control GmbH
Altenstadt Zum Job 
Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Technik (m/w/d) Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH
Wolfenbüttel Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Electrical Automation Engineer (m/w/d) - R&D Department Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 

Zum einen entstanden an der Pleiße zwischen Altenburg und Böhlen im Gefolge des Bergbaus zahlreiche Landschaftsbecken, die bei Hochwasser geflutet werden können. Und an der Elster, normalerweise ein weniger als ein Meter tiefes Flüsschen, wurde erst im März dieses Jahres ein neues Wehr in der Ortslage Zitzschen, kurz vor der Leipziger Stadtgrenze, in Betrieb genommen. Wird es geöffnet, kann Flusswasser in das noch nicht ganz gefüllte Restloch des Zwenkauer Sees abgeleitet werden. „Wir haben damit verhindert, dass die Elster mehr als 300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch Leipzig in Richtung Halle an der Saale schickt“, so Axel Bobbe, zuständiger Chef der Flussmeisterei.

Pegel stiegen auf das Doppelte

Dabei war die Elster an ihrem Hochwasserscheitel fast aufs Doppelte angeschwollen, entsprechend groß sind die Verwüstungen bis hinauf nach Thüringen: Die Städte Greiz, Gera, Zeitz, Groitzsch oder Pegau wurden schwer getroffen, als der Pegel auf 4 m, 5 m stieg und vermutlich Milliardenschäden anrichtete.

Zwar gab es auch in Leipzig und Halle Katastrophenalarm, den Einsatz Tausender Helfer und vorsorgliche Evakuierungen, doch hier blieben die Schäden eng begrenzt. Nur ein Reiterhof und ein Ausflugslokal in einem flussnahen Waldgebiet standen in Leipzig unter Wasser, in Halle traf es Häuser in Ufernähe. Dabei hatten die Flusspegel seit der Nacht zum 4. Juni fast die Deichkronen erreicht. Ein paar Hundert Kubikmeter Wasser mehr pro Sekunde, räumt auch Axel Bobbe ein, wären wohl zu viel gewesen.

Der rund 1000 ha große Zwenkauer See hat binnen 36 h rund 20 Mio. Kubikmeter Flusswasser aufgenommen und ist um gut 2 m angestiegen. Das Erreichen des geplanten Endpegels bei 113 m Seehöhe war eigentlich Ende 2014 vorgesehen – wahrscheinlich wird das nun früher der Fall sein. Doch auch dann, wenn endlich im neuen Hafenbecken der „Kohlestadt“ Zwenkau eine richtige Marina entstanden ist und die Blicke von den ufernahen Neubauvillen auf das Blau des ruhigen Wassers fallen, soll der See ein ähnliches Notvolumen bereithalten. Denn am anderen Ende haben gerade die Baumaßnahmen für ein Auslaufbauwerk begonnen, die ebenfalls, wie das Wehr in Zitzschen, aus dem sächsischen Hochwasserfonds finanziert wird.

Doch werden die ostdeutschen Bergbauseen nicht automatisch zum Retter in der Flut – wie sich erneut in Bitterfeld zeigte. Nach einem Dammbruch war bereits 2002 unkontrolliert Muldewasser in den großen Goitzschesee gelaufen, der See – noch ein Stück größer als jener in Zwenkau – hatte daraufhin die Stadt unter Wasser gesetzt.

Ein Beitrag von:

  • Manfred Schulze

    Manfred Schulze ist freier Journalist für Fachzeitungen Energie, Logistik, Technologie.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.