Stabilisierung des Stromnetzes 19.06.2019, 10:01 Uhr

Allgäuer Hybridkraftwerk mit der Lizenz zu regeln

Im Allgäu sorgt eine ältere Gasturbine im Verbund mit modernen Batterien dafür, dass Strommangel oder -überschuss keine Gefahr für die sichere Stromversorgung mehr sind.

Luftbild Hybridspeicher

Luftbild des Hybridspeichers.

Foto: Allgäuer Überlandwerk GmbH/Bruno Maul

Um das Stromnetz stabil zu halten ist Regelenergie nötig. Das sind Stromerzeuger, die sekundenschnell einspringen, wenn zu viel oder zu wenig Strom produziert wird. Noch übernehmen diese Aufgabe die gewaltigen Turbogeneratoren von Kern- und Kohlekraftwerken. Sie laufen einfach ein bisschen langsamer oder ein bisschen schneller. So stabilisieren sie das Netz. Ohne ausreichend Regelenergie kann das Netz und damit die Stromversorgung zusammenbrechen.

Thermische Kraftwerke liefern nebenbei Regelenergie

Weil immer mehr Kraftwerke, die das können, stillgelegt werden, muss Regelenergie auf andere Art bereitgestellt werden. Große Batterieblöcke sind am besten geeignet, weil sie ohne Zeitverzug Strom ins Netz einspeisen oder überschüssigen Strom aufnehmen können. Eine ganz besondere Anlage nahm jetzt das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) Sulzberg bei Kempten in Betrieb: Deutschlands größtes Hybridkraftwerk mit der Lizenz, im Regelbetrieb mitzumischen. Diese hat Amprion erteilt, der dort zuständige Netzbetreiber, nachdem sichergestellt war, dass die jeweilige Anlage rund um die Uhr bereitsteht, sekundenschnell einzuspringen.

Pufferspeicher für 8,5 Megawattstunden

Das AÜW-Regekraftwerk besteht aus zwei Komponenten. Da ist zum einen eine bereits vorhandene Gasturbine, die einen Generator antreibt. Dieser hat eine Leistung von 16 Megawatt. Die zweite Komponente ist ein mächtiger Batterieblock, der eine Leistung von ebenfalls 16 Megawatt hat. Im Bedarfsfall liefert der Batterieblock blitzschnell Strom. Gleichzeitig wird die Gasturbine gestartet. Wenn sie nach 10 bis 15 Minuten auf Touren gekommen ist übernimmt sie die Lieferung des benötigten Stroms. Parallel dazu wird die Batterie vom Netz genommen, die jetzt wieder für Überschussstrom aufnahmebereit ist. Insgesamt können 8,5 Megawattstunden eingespeist beziehungsweise aus dem Netz genommen werden.

Regelstrom wird üppig honoriert

Den Batteriespeicher lieferte Smart Power aus dem oberbayrischen Feldkirchen bei München, Hersteller der Batterien und Wechselrichter ist die Sungrow Samsung SDI Energy Storage Power Supply. AÜW finanzierte das Projekt aus eigenen Mitteln, natürlich darauf hoffend, mit dem Hybridkraftwerk Geld zu verdienen. Der Preis für gelieferten Regelstrom ist weit höher als der an der Leipziger Strombörse. Wenn zu viel Strom ins Netz fließt wird die Batterie wieder aufgeladen, und zwar kostenlos.

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In Deutschland gibt es zahlreiche meist hochmoderne Gaskraftwerke, die, wie die AÜW-Gasturbine, Sekundärregelleistung erbringen, also mit einer gewissen Zeitverzögerung einspringe könnten. Doch viele davon stehen still, weil die Stromerzeugung mit diesen Anlagen ein Verlustgeschäft ist. Die Betreiber bekommen nur den Preis, der an der Strombörse gehandelt wird. Allein das An- und Abfahren, abhängig vom Stromangebot im Netz, kostet jeweils ein paar tausend Euro. Die Gefahr besteht, dass noch mehr dieser flexiblen Kraftwerke abgeschaltet werden.

Leipziger Strombörse hält die Fäden in der Hand

Die 1344 Batteriemodule enthalten besonders leistungsfähige Li-NMC-Zellen (Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxid) des südkoreanischen Herstellers Samsung. Die Akkus befinden sich in 4 Containern, die mit einer Klimaanlage ausgestattet sind, die die Temperatur konstant hält. Über insgesamt 8 Mittelspannungstransformatoren ist die Anlage ans Stromnetz „AllgäuNetz“ angeschlossen.

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Die Container halten die Temperatur konstant.

Foto: Allgäuer Überlandwerk GmbH

Die Leipziger Strombörse schreibt wöchentlich den Bedarf an positiver und negativer Regelleistung aus. Die Betreiber entsprechender Anlagen garantieren die Stromlieferung beziehungsweise Abnahme zu den vereinbarten Zeiten. „Wir werden die Herausforderungen der Energiewende nur dann erfolgreich meistern, wenn wir mit Kreativität, Mut und Weitsicht die bestehenden Vorgehensweisen und Systeme ständig überprüfen und Neues ausprobieren“, sagt Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW.

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Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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